Verfasst von: Alessandro | 19. Februar 2012

Frau Potz – “Lehnt dankend ab” (Delikatess Tonträger)

Der Name ist Programm. Frau Potz sind gegen den Leistungsdruck in unserer Gesellschaft, gegen Schubladen-Denken, gegen Oberflächlichkeiten, gegen die selbsternante Szene, gegen Gruppenzwang und überhaupt: gegen den schnelllebigen Zeitgeist. Was dabei rumkommt ist eine engergiegeladene, angepisste, verdammt relevante Punkrock-Platte, die viel Wahres spricht und perfekt zu erwähntem Zeitgeist passt.

Stücke wie “Spacegewehr”, das die heutige Medienlandschaft, rund um Facebook und “Deutschland sucht den Superstar”, anprangert oder das grandiose Anti-Burnout-Lied “Champagnerspion” (“Fang endlich an zu leben! Fang endlich an zu fühlen! Hör auf alles zu steuern! Keiner wirds dir danken oder dich verstehen!”) passen einfach perfekt ins Hier und Jetzt. Dabei halten Frau Potz die Balance aus aufrichtiger Angepisstheit und einer gewissen Flappsigkeit. Die Texte und auch die Interpretierung dieser ist von Anfang an überzogen, aber nicht derart überzogen, dass man die Band nicht mehr ernst nehmen würde. Ein bisschen könnte man Frau Potz als den entfernten Verwandten von Antitainment bezeichnen. Auch wenn man näher bei alten Deutsch-Punk-Kapellen wie Turbostaat oder Duesenjaeger liegt.

Das Für der Platte ist auch das Wider. Denn vom ersten Moment an spucken einem Frau Potz ihre Hassbrocken ins Gesicht und geben einem keine Sekunde zum Durchatmen. Die Geschwindigkeit ist hoch, die Songs sind direkt, der Sänger schreit einem hysterisch ins Ohr. Obwohl die Songstrukturen nicht übertrieben verzwackt sind, sind diese 37 Minuten alles andere als leicht verträglich. Damit haben Frau Potz auch wohl das erreicht, was sie erreichen wollten. Denn Texte und Musik gehen Hand in Hand und fordern deine volle Aufmerksamkeit. Bei der geballten Offensive, tut es der Scheibe dann doch gut, wenn ein Gang zurück geschaltet wird. So zu hören in “Skelbe”, das wie ein Depeche Mode-Song startet, schön im Midtempo bleibt und selbst im lauteren Teil nicht alles niederreißt. Oder auch im Rausschmeißer “Bo Jan und die Bullen”, das sich zwischendrin viel Zeit für atmosphärische Gitarrenarbeit nimmt. Die anderen Songs drücken vehement aufs Gaspedal, werden bei all den Einfällen aber niemals langweilig und haben nebenbei erwähnt brutalen Ohrwurm-Charakter.

Im Übrigen singt bei Frau Potz Felix Schönfuss, der auch beim letzten Escapado-Album sang. Und eins sei gesagt: seine Stimme passt viel besser zu Frau Potz! Musikalisch hört man höchstens bei den Gitarrenleads die ein oder andere Parallele zu Escapado raus. Im Herzen ist und bleibt “Lehnt dankend ab” eine giftige, direkte Punkrock-Platte, die gegen alles und jeden ist. Auch gegen Reviews…

7/10

…und gegen Noten.

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Vielleicht auch gegen Videos. Obwohl…


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