The Saddest Landscape sind eine gereifte Band. Der holperige, ungeschliffene Herzschmerz-Emo der Anfangstage weichte einem erwachseneren, verdammt dichten Sound. Dies manifestierten The Saddest Landscape 2010 mit ihrem Comeback-Album “You will not survive”. Der Nachfolger “After the Lights” macht nichts weiter, als genau das fortzuführen. Die Mischung aus Drama-Emo, harscheren Screamo-Elementen und Postrock-Versatzstücken funktioniert so gut wie nie zuvor. Man muss der Band ein großes Lob dafür aussprechen, dass sie seit jeher an ihrer Mischung festhält und probiert diese weiterzuentwickeln. Rein musikalisch hat “After the Lights” seine Momente, keine Frage. In den gefühlsvollen, atmosphärischen Sektionen von “When everything seemed to matt” etwa. Oder im pulsierenden “Days of Punched in”, das den Weg ebnet für den alles niederreißenden Closer “Desparate Vespers”. Überhaupt: nach dem verhaltenen Beginn steigert sich das Album ab der Mitte hin und entwickelt bis zum Schluss hinaus einen guten Fluss! Die Instrumentalisten harmonieren miteinander und vorallem die Gitarren setzen das ein oder andere Ausrufezeichen…
…doch im Endeffekt zerstört Sänger Andy Maddox all das, was seine Kollegen so mühevoll aufbauen. Ich war noch nie großer Fan von Maddox’ Gesang, doch diesmal stört er mich wie nie zuvor. Vielleicht, weil die Musik immer besser wird! Mit seinem aufgesetzten, völlig übertriebenen Geschrei und dem noch mehr gekünstelten Sprech-Gesang lässt er mich völlig kalt. Im Schaulspielbereich würde man das Ganze wohl “Overacten” nennen. Maddox’ klingt wie ein Musical-Sänger, der vorm Auftritt einen Vibrator verschluckt hat. Auf Dauer nervt. Mich. Das. Unheimlich. Am Besten sind The Saddest Landscape wirklich dann, wenn sie komplett instrumental agieren.
Wer Maddox’ Stimme seit Beginn an liebt oder später lieben gelernt hat, der wird große Freude an “After the Lights” haben. Denn musikalisch gesehen ist das hier das Beste, dass die Band bisher gemacht hat. Schade, dass ich mit dem Gesang einfach nicht klarkomme und bei der Band kaum bis gar nichts fühle.
5/10
An manchen Tagen kann ich die Stimme ab, dann nervt sie mich wieder total. Aber der Musik wegen, die wirklich großartig ist, werde ich mir das Album holen.
Von: jensen am 10. Februar 2012
um 20:25
Ich liebe die Stimme von Beginn an u finde das auch irgenwie das Besondere an Saddest Landscape. Das neue Album ist wie alles von denen großartig. Kaufen…
Von: Marc-Andre am 11. Februar 2012
um 11:59
ich hab gerade meine vinyl version bekommen und das erste mal “after the lights” gehört. mein erster eindruck ist schon mal sehr gut. denke, die platte wird mit jedem durchlauf wachsen. ich finde, gerade die stimme macht TSL aus. ich mag sie total und anders könnte ich es mir bei dieser band nicht vorstellen. zum musikalischen teil kann ich dir auf jeden fall beipflichten.
Von: mischa am 11. Februar 2012
um 13:28
Ja, wie ich es mir erwartet habe. Die Stimme ist einfach ein “hass es oder lieb es”-Ding. Nicht umsonst hat die Platte überall gute Wertungen kassiert. Früher fand ich den Gesang bei TSL irgendwie glaubwürdiger. Ich mein, die waren jung und haben ihren “Emo-Sound” so plakativ runtergespielt, dass man ihnen das Ganze einfach abnehmen musste. Das ging ja sogar soweit, dass TSL bei vielen eingefleischten Screamo/Emo-Hörern damals verhasst waren, obwohl sie eigentlich aus der Szene kamen und komplett DIY waren.
Beim Sound sind die klar gewachsen, beim Gesang weniger. Victor hat gestern, meiner Meinung nach, gut auf den Punkt gebracht: “Die waren früher nicht so professionell, hatten eher so n Rumpel-Sound. Da war dieses Rumgeheule passender”.
Von: Alessandro am 11. Februar 2012
um 18:09