Erinnert sich noch jemand an Sunday’s Best? Ok, die muss man nicht kennen. Von Knapsack oder Jawbox sollte man allerdings schon mal was gehört haben, wenn man sich für Emo und Post-Hardcore interessiert. Mitglieder dieser Bands gründeten 2000 The Jealous Sound – angeführt von einem der charismatischten Emo-Sänger der 90er: Blair Shehan. Es reichte zu einer EP im selben Jahr und zu einem, drei Jahre später erschienenen, Album namens “Kill them with Kindness”. Danach wurde es ruhig. Erst 2008 kam die “Got Friends”-EP. 2009 begleiteten The Jealous Sound Sunny Day Real Estate auf ihrer Reunion-Tour und kündigten ihr zweites Full Length an. Gut drei Jahre später ist es nun endlich draußen! Gleichzeitig haben wir eine weitere Bestätigung dafür, dass man im Alter nicht schneller wird…
Hat sich das Warten wenigstens gelohnt? Ganz subjektiv: nein! Die Entwicklung von Shehan’s erster Band Knapsack über den frühen The Jealous Sound-Stoff bis hin zum aktuellen Album ist logisch und vollkommen natürlich. Selbst wenn sich die Band nie aufgelöst hat, fühl ich mich an die Comeback-Scheiben von Joshua, Braid und Far oder auch an Solea (ex-Texas is the Reason/ex-Knapsack) erinnert. Wahrscheinlich würden auch Jawbreaker so klingen, wenn sie sich reformieren würden! “A Gentle Reminder” ist somit ein poliertes, routiniertes aber gleichzeitig total harmloses und angepasstes Pop-Rock-Album geworden. Eins dieser Alben, die mich nicht stören, wenn sie nebenbei laufen, die mir aber genauso viel geben wie 45 Minuten ohne Musik. Keines der zehn neuen Stücke bleibt so richtig hängen. Keines setzt sich irgendwie von dem davor ab. Ja, The Jealous Sound haben noch nicht mal einen 3-Minuten-Radio-Hit am Start! Wie denn auch, schließlich kommt fast jeder Song über die 4-Minuten-Marke. Zähe Angelegenheit, das.
Schon das erste Album tat sich schwer damit die Atmosphäre der Knapsack-Werke einzufangen. Aber es fand einen anderen Zugang zu dieser Art von Musik – über Pop-Punk-angehauchte Hooks, einschmeichelnde Melodien und Shehan’s tollem Gesang. Selbst wenn “Kill them with Kindness” im Großen und Ganzen kein Kracher war, hatte es mit “Hope for us” und “Anxious Arms” zwei Songs drauf, die den Test der Zeit überstanden haben. “A Gentle Reminder” hat davon kaum mehr was. Musikalisch ist das Album standardisiert wie standardisiert nur sein kann. Das war ja auch zu befürchten! Enttäuschend ist aber, dass Blair Shehan den Stücken kaum Charakter verleiht. Er trällert sein Programm herunter und setzt keinen einzigen Höhepunkt. Es fällt einem beinahe schwer ihn und seine Stimme wiederzuerkennen.
Damit haben wir nicht nur die Bestätigung, dass man im Alter langsamer wird. Vermutlich wird man im Alter auch langweilig und genügsam.
5/10
Hatte da letztens auch mal reingehört und fand’s ebenfalls eher unspannend.
Von: jensen am 30. Januar 2012
um 17:35
da hats wohl einer mal null kapiert!!!!!!
Von: wella am 5. Februar 2012
um 21:52
Danke für die Konstruktivität!
Von: Alessandro am 5. Februar 2012
um 22:09
okay sorry, aber kann mit dem bericht halt wenig anfangen, weil ich nicht versteh warum die lp langweilig sein sollte. knapsack gehören neben gameface und hwm zu meinen lieblingsbands. man kann die alten sachen wirklich nicht miteinander vergleichen aber trotzdem find ich die “neuen” sachen sehr sehr gut, weil sie einfach anders sind als alles andere. sollte keine kritik am schreiber sein!
Von: wella am 5. Februar 2012
um 22:45
Ist doch schön, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Mir schlafen bei dem Album jedenfalls die Füße weg. Ich mag Knapsack wahnsinnig gerne und fand auch die alten TJS-Sachen echt gut für das was sie waren. Aber das ist für mich kein Argument. Denn wie schon im Text beschrieben ist der Unterschied zw. Knapsack, frühen TJS und den aktuellenl TJS einfach ZU groß. Das geht alles in eine andere Richtung. Deswegen ist es auch gerechtfertigt, wenn ich die neue Richtung langweilig und 08/15 finde.
Wenn sich eine Band oder deren Nachfolgeband über einen langen, langen Zeitraum hinweg weiterentwickelt, verliert es mit der Zeit einfach gewisse Hörer. Ich glaube es gibt nur ganz wenige Bands die mich über einen Zeitraum von 10+ Jahren hinweg begeistert haben. Aber das ist wie alles im Leben!
Mal ne andere Frage: magst du alles von HWM?
Von: Alessandro am 5. Februar 2012
um 22:52
ich geb dir gerne recht mit dem was du sagst, weil nachfolge bands es einfach immer schwer haben werden mit den alten sachen mitzuhalten. gleiches spiel bei texas is the reason/ solea. titr haben einfach nen meilenstein abgeliefert und fertig. kann mir leider nicht vorstellen ob solea ( die ich auch sehr gut finde) da mal anschliessen können.
zur hwm frage: ich mag die alten sachen eigentlich lieber weil sie einfach rauher und nicht so “perfekt” waren. no division war find ich der höhepunkt, die nachfolger waren auch geile scheiben, keine frage, aber es hat ein bisschen an charme verloren find ich.
Von: wella am 5. Februar 2012
um 23:23
Grad bei dem Sound ists schwierig. Wenn du heute jemanden Texas is the Reason, Knapsack, SDRE oder Mineral vorspielst, wird er es wohl ebenfalls für 08/15 halten. Mit viel Abstand betrachtet war das damals vielleicht auch nicht _derart_ überragend. Aber wenn man mit erwähnten Bands in diesen Sound hineinkam oder Erinnerungen mit ihnen verbindet, dann sieht das ganz anders aus. Die große Zeit dieses Sounds is jedenfalls vorbei und es gibt auch kaum mehr Bands die es schaffen das Flair von damals einzufangen. Und das find ich auch gut so!
Sicher haben es Nachfolgebands immer schwerer. Bei TJS finde ich die Entwicklung auch sehr nachvollziehbar. Das sind mittlerweile alte Säcke – es wäre falsch wenn die so verschroben wie Knapsack oder so poppig wie die aufm ersten Album klingen würden. Die spielen halt jetzt reiferen, zurückgelehnten Rock, ohne viel Effekthascherei. Ist vollkommen ok und findet auch seine Freunde. Das Review kam aber vorallem dadurch zu Stande, dass ich mit der Band was anfangen konnte und deswegen wollte ich halt auch dazu was schreiben…
Zu HWM: Siehste! Ist auch ein treffendes Beispiel für eine Band, die ewig lange dabei ist, bei der es aber unmöglich ist, dass man _jeden_ Output mag. Mir gehts ähnlich wie dir. Von Beginn weg hat sich die Band gesteigert. “No Division” betrachte ich ebenfalls als den absoluten Höhepunkt. “A Flight and a Crash” hatte ein paar gute Songs, aber von da an wurde es von Album zu Album eintöniger, angepasster und schlichtweg fader. Das Letzte war dann, meiner Meinung nach, sogar völlig überflüssig.
Von: Alessandro am 5. Februar 2012
um 23:36
WORD!!! kann dir in den meisten punkten, nicht in allen, nur recht geben.
mir fehlt irgendwie ne band, die mal wieder was anderes macht, und alles durcheinander wirft aber trotzdem alles zusammenfügt. hört sich jetz bestimmt komisch an, aber egal. six going on seven wären da mal so ein beispiel. waren anders aber trotzdem haben sie es, für meinen geschmack, gepackt das ganze stimmig zu vereinen.
Von: wella am 5. Februar 2012
um 23:50