Loma Prieta sind schwer darum bemüht Verbindungen herzustellen. Nach “Carelessness” (von “Dark Mountain”) und “Closenessness” (von “Life/Less”) folgt “Uselessness”. Und selbst auf das Debütalbum “Last City” wird Bezug genommen – in der Fortsetzung der “Trilogy”, mit den Teilen 4, 5 und 6. Vielleicht ist das Loma Prieta’s Art zu sagen: “Hey, wir sind trotz Deathwish-Signing immer noch die Alten!”. Nach dem Opener “Fly by Night” kann man ihnen da nur zustimmen. Er eröffnet das neue Album so, wie die anderen auch eröffnet wurden. Nämlich angriffslustig und straight. Erst zur Mitte hin nehmen Loma Prieta das Tempo raus und ziehen einen epischen Melodiebogen auf. Was dann folgt sind die schnellen Nackenbrecher, die gerade mal über eine Minute Laufzeit kommen. Die erwähnte “Trilogy” bringt Neuerungen. “Momentary” startet mit einem immer schneller werdenden Rhyhtmus und wälzt einen dann in bester Bulldozer-Manier nieder. Derart nach Converge klangen Loma Prieta wohl nie. Das Stück fließt hinein in “Half Cross”, das weiterhin Converge-Huldigung betreibt. Der letzte Abschnitt “Forgetting” steigert das Intensitätslevel nochmal und ist ein lupenreiner Noise-Batzen! Nach einer Minute fahren Loma Prieta einen Groove auf und steuern den Song von da an konsequent an die Wand, mit viel Stakkato und immer verzerrter werdenden Sound. Tolle, homogene Sache, diese “Trilogy” – doch alle drei Teile könnten genauso gut Restmaterial von “Jane Doe” sein. Außerdem wirkt diese plötzliche Deathwish-Anlehnung, nach dem relativ klassischen Start, etwas unnatürlich.
Von da an scheint die Transformation vollzogen zu sein. Stücke wie “Uniform” oder “Uselessness” verharren stärker denn je im Midtempo und bieten diesen Kontrast aus Dampfwalze einerseits und hintegründiger Epik andererseits. “Aside from this Distant Shadow” fährt eine ähnliche Schiene, ist aber etwas verspielter und gehört somit zu den wenigen Highlights der zweiten Hälfte. Ansonsten gibt mir diese Hälfte wenig. “Biography” versinkt im Noise und ist einfach nur anstregend. Rausschmeißer “Diamond Tooth” gibt sich betont melancholisch und für Loma Prieta-Verhältnisse fast schon “ruhig”, beschließt “I.V.” aber relativ ereignislos – gerade im Vergleich zum tollen Closer vom letzten Album “Life/Less”.
Mit die größte Veränderung gab es natürlich beim Sound. Dabei ist es erwähnenswert, dass Loma Prieta ihren alten Produzenten Jack Shirley behielten und “I.V.” im gleichen Studio aufnahmen, in dem man auch “Life/Less” einspielte. Anscheinend waren die Rahmenbedingungen besser, denn so heftig und voluminös wie auf dem neuen Werk klangen Loma Prieta nie zuvor. Allgemein passen sie damit perfekt auf Deathwish, denn sie reihen sich unauffällig in die Bands ein, die einerseits roh und dreckig, andererseits äußerst fett klingen. Beizeiten ist mir der penetrante Noise auf “I.V.” etwas too much. Ich bevorzuge den minimalistischen Sound der Vorgänger – doch das dürfte Geschmackssache sein. Großartig herausragen können Loma Prieta in der Hinsicht jedenfalls nicht.
Wer “I.V.” aktuell völlig abfeiert und es schon als Album des Jahres hinstellt, der hat entweder nie etwas von Loma Prieta gehört oder ließ sich vom typischen Deathwish-Hype mitreißen. Das Album ist durchwegs solide und unterhaltsamer als das unspektakuläre “Dark Mountain”. An die beiden besten LP-Alben “Last City” und “Life/Less” kommt es aber niemals ran! Im Endeffekt sind Loma Prieta sogar ein lobendes Beispiel, dass man sich auf Deathwish nicht komplett anpassen muss. Denn neben vielen Bezügen zu den Vorgängern, hielt man auch am Produzenten fest und gestaltete sogar das Artwork im Stile der Platten davor. All das hilft nichts, wirklich gar nichts, wenn die Band musikalisch kaum Höhepunkte setzen kann – und das ist hier der Fall!
6/10
Hm, 6 Punkte nur. Das schmälert meine Vorfreude aber nur ein kleines bisschen. Habe immer noch richtig Bock auf die Platte.
Von: jensen am 22. Januar 2012
um 19:53
habs mir jetz nen paar mal angehört und finds leider echt langweilig irgendwie…schade
Von: Alex am 23. Januar 2012
um 20:02
Ja, “langweilig” triffts ganz gut. Zumindest über weite Strecken.
Von: Alessandro am 23. Januar 2012
um 21:09
ich finds ganz und gar nicht langweilig sondern im gegensatz zu den vorgängern sogar ziemlich abwechslungsreich. für mich klingt das review eher nach “wir ziehen mal 2puntke ab, weil sie jetzt auf deathwish sind”
Von: diekatze am 25. Januar 2012
um 21:11
Nö, denn 8 Punkte geb ich für eine Platte nur wenn sie mich richtig gut unterhält und das ist bei “I.V.” halt nicht der Fall. Du hast recht: ich bin nicht der größte Deathwish-Freund. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie (meiner Meinung nach) die letzten Jahre viel zu viel Durchschnittszeug rausgebracht haben. Außerdem isses auffällig, dass sich die Bands dem “Label-Sound” sehr oft angleichen.
Doch wie schon beschrieben haben Loma Prieta einiges dafür getan, dass das nicht der Fall ist. Ein lobendes Beispiel! Doch ich find die Songs einfach nicht stark genug, deswegen 6 Punkte. Die gleiche Anzahl gabs übrigens für “Dark Mountain” – und das kam, meines Wissens nach, nicht über Deathwish raus!
Von: Alessandro am 26. Januar 2012
um 17:40
sehr schönes review… wie eigentlich immer auf dieser seite. :) ein großes lob an dieser stelle!
zur platte: ich muss mich deiner meinung nahezu komplett anschließen. insgesamt ist mir auf dem album der noise anteil zu hoch. das ganze rauscht irgendwie an einem vorbei wie ein güterzug. nach knappen 25 minuten ist der spass vorbei; hängengeblieben ist wenig. lediglich “fly by night”, “biography”, “aside…” und “trilogy 4″ bleiben im gedächtnis und dass ist bei 12 liedern eigentlich zu wenig.
schade eigentlich, denn gerade nach den im vorfeld veröffentlichten songs hatte ich mich auf ein “album des jahres” gefreut. von mir gibt’s aber immer noch 7 Punkte.
Von: positiveandre am 27. Januar 2012
um 14:03
Danke für dein Lob, Andre! Naja, die Länge kann man der Band nicht vorwerfen – ist immerhin ihr längstes Album bisher!
Von: Alessandro am 27. Januar 2012
um 19:45
Ich habe sie gerade zum ersten Mal komplett hinter mich gebracht und würde sieben Punkte vergeben. Sind schon einigen tolle Momente dabei und das Vorbeirauschen-Gefühl hatte ich wenn überhaupt nur auf der A-Seite hin und wieder. Aber ich bin da als relativ neuer LP-Hörer vielleicht auch anders rangegangen als ihr.
Von: jensen am 30. Januar 2012
um 17:37