Enter Shikari sind eine Band die polarisiert. Man liebt oder hasst sie. Mit jedem neuen Release! “Take to the Skies” gefällt mir auch heute noch. Abgesehen von allem Elektronik-Schnick-Schnack war der Erstling eine verdammt gute, moderne Post-Hardcore-Platte, bei der sich die Band viel von Alexisonfire oder Hopesfall klaute. Der Nachfolger “Common Dreads” sollte vielschichtiger klingen und ging dabei in die falsche Richtung. Er hatte mehr Techno-Anteil und wollte plötzlich ulking sein. Was dabei rauskam war zwar solide, hatte aber auch seine peinlichen Stellen. Mit dem dritten Album “A Flash Flood of Colour” machen Enter Shikari genau dort weiter wo sie vor drei Jahren aufhörten. Das neue Werk ist noch “elektronischer”, noch facettenreicher und soll dabei wohl sämtliche Gefühlsebenen ansprechen. Operation: misslungen.
Schon die ersten Sekunden verärgern mich. Der Einstieg mit “System…”/”Meltdown” ist schlicht und einfach vom The Streets-Album “Original Pirate Material” abgekupfert. Dieser epische Beat erinnert frappierend an den von “Turn the Page”. Wenn der Sänger dann mit den gerappten Parts einsteigt, weiß man, wie sehr er Mike Skinner lieben muss. Arm wird’s bei “Sssnakepit” wo er dessen “Oi!”-Ruf imitiert und unterlegt von einem Two-Step-Beat erneut zu rappen beginnt. Nichts gegen Heldenverehrung, aber in diesem Fall ist das einfach nur eine dreiste Kopie des Originals. The Streets wird sich im Grab umdrehen! “Sssnakepit” wird dann auch nicht besser, wenn Enter Shikari in der Mitte einen völlig ausgelutschten Breakdown runterschrammeln. Spätestens hier kann ich diese Band nicht mehr ernst nehmen. Deswegen nehme ich ihnen auch nicht eine Halbballade wie “Search Party” ab – obwohl es zu den “Highlights” zählt. Hier zeigen Enter Shikari ihr songschreiberisches Talent, ähnlich wie in ihrer Frühphase. Gut ist diese Band allerdings nur, wenn sie sich selbst reduziert. Und das tut sie auf “A Flash Flood of Colour” viel zu selten! Der Großteil des Albums ist ein verwirrter, überambitionierter Haufen aus Ballerman-Techno, pseudo-fettem Breakdown-Scheiß, abgekupferten Rap-Parts, humorig gemeinten Sound-Schnipseln und Emo-Herzschmerz-Gesten. Alleine der Sprung von diesen überdrehten Blödeleien hin zu den plötzlich ganz ernsthaften Balladen funktioniert für mich einfach nicht. Schön für denjenigen, der Vielseitigkeit über alles liebt. Doch ich vermisse innerhalb der Platte jegliche Balance, jeglichen Zusammenhalt.
Im Endeffekt ist “A Flash Flood of Colour” ein Album das viel will, aber wenig kann. Eins, dass mich schon von seiner reinen Attitüde her völlig abturnt. Eins, zu dem ich, trotz seiner zwei bis drei netten Stücke, nie wieder zurückkommen werde. Kurz gesagt: eins, dass man nicht gehört haben muss.
3/10
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