Gewisserweiße haben Thoughts paint the Sky in der deutschen Musiklandschaft einen Ausnahmestatus. Und der rührt von der Tatsache, dass die Essener mit ihrem „Akustik-Emo“ ziemlich eigenständig agieren. Dass das Ganze kein Gimmick sein soll, zeigte sich erst mit den Jahren. Denn immerhin ist „Hier spielt die Musik“ nun schon die fünfte Veröffentlichung, die in die selbe Richtung geht. Stilistisch kann man Thoughts paint the Sky bei emotionalen Screamo-Bands wie The Saddest Landscape einordnen – wegen der Abwesenheit von E-Bass und -Gitarre klingt es aber doch völlig anders. Ich schätze die Band hauptsächlich für ihre ambitionierten Texte, sowie ihre DIY-Einstellung, die sich besonders bei den liebevollen Artworks niederschlägt. Die Musik selbst fand ich meist etwas durchschnittlich. Die Aufmachung von „Hier spielt die Musik“ ist zwar nicht so exquisit wie die von der „Komödie/Tragödie“-EP, doch dafür sind die fünf neuen Songs eindeutig das Beste, dass die Essener bisher geschrieben haben. Profitieren tut die Band erstmal vom gelungenen Sound - alles zusammen klingt nicht mehr rumpelig wie früher, sondern klarer. Die Vocals versteht man besser, das Schlagzeug, das früher etwas zu dominant klang, gibt sich auf der neuen Platte zurückhaltender und allgemein harmonieren die einzelnen Komponenten ganz gut miteinander. Aber auch vom Songwriting her machte die, mittlerweile zum Trio zusammengeschrupfte, Band einen großen Schritt nach vorne. Vom Gefühl her sind die Songs etwas ruhiger, das Geschrei wird dezenter, aber dann umso wirkungsvoller eingesetzt. Außerdem sind die Strukturen komplexer. Während die A-Seite somit ganz ordentlich ist, finden sich die wahren Highlights auf der B-Seite. Das wunderschöne „Bis zum Geht-nicht-mehr“ ist vielleicht der größte Hit, den Thoughts paint the Sky je geschrieben haben. Mit dem Closer „Da kann ich ein Lied von singen“ klingen die Essener beinahe progressiv, füllen sieben lange Minuten und bleiben dabei trotzdem spannend. Über ein relativ langes, instrumentales Intro findet der Song zu einem aufbrausenden Refrain, bevor es dann wieder episch und verträumt wird. Interessant ist sicherlich auch der Text, der sich laut Band um „sex and stuff…“ dreht, aber nicht wirklich durchsichtig geschrieben ist. „Hier spielt die Musik“ zeigt, dass die Band gereift ist und sich auf dem richtigen Weg befindet. Denn wenn man die starke B-Seite als Gradmesser nehmen darf, kann man vom Trio noch einiges erwarten. 6/10
Verfasst von: jetsetradio | 15. November 2009
Thoughts paint the Sky – „Hier spielt die Musik“ (Dicker Elvis)
Veröffentlicht in daily moshpit | Schlagworte: Emo, Thoughts paint the Sky