Verfasst von: jetsetradio | 13. November 2009

AC4 – “s/t” (Ny Vag/Umea Hardcore)

“We dance to all the wrong songs and we enjoy all the wrong moves”, hieß es damals in “New Noise”. Tatsächlich hatte man beim gesamten Refused-Epos “The Shape of Punk to come” das Gefühl, diese Platte könne eine neue Bewegung starten, den Hardcore von Grund auf verändern. In den elf Jahren seit dem Erscheinen dieser Platte ist einiges passiert – allerdings hat sich wenig zum Guten geändert. Vielleicht ist das ein Grund warum Dennis Lyxzen und David Sandström mit ihrer neuen Hardcore-Band zurück zu den Wurzeln gehen. Quasi als Gegenentwurf zum visionären “The Shape of Punk to come”. Denn selbst wenn man es nicht glauben mag, aber das Debütalbum von AC4 klingt so altmodisch wie lange keine Hardcore-Platte mehr klang. Geboten wird simpler Früh-80er-Hardcore, ohne große Sperenzchen. Heutzutage würde diese Musik keiner mehr als Hardcore bezeichnen, denn dafür hat sie zu wenig Geschrei, zu wenig Härte und viel zu viele Elemente aus klassischem Rock’n'Roll. Wer Bands wie MDC, 7 Seconds, Minor Threat oder die Circle Jerks kennt, der weiß wohin der Hase läuft. Die 15 Songs sind straight, schnell, kurz, aber auch vollgestopft mit Singalongs und anfixenden Melodien. Beeindruckend finde ich vorallem, was die vier Schweden aus der beschränkten Thematik rausholen – denn jedes Stück hat seine Eigenheiten. Den Unterschied bei solchen Bands machte, auch in den 80ern, oft der Sänger aus. Und hier profitieren AC4 natürlich stark vom markanten, ausdrucksstarkem Gesang von Dennis Lyxzen. Man merkt ihm richtig an, wie viel Spaß er an der ganzen Sache gehabt haben muss. Interessant ist sicherlich auch die Tatsache, wie vier Typen, die auf die 40 zugehen, eine solche Platte textlich anlegen. Aber auch hier schafft man es den Spirit von früher rüberzubringen, ohne dabei peinlich zu klingen. Im Gegenteil! Die Texte sind kritisch, an den richtigen Stellen positiv und vollgestopft mit coolen Zeilen. “Where are the Kids” könnte dieses Projekt wohl am Besten definieren: “If we are in the way take us down. We need something new to come around. Where are the kids right now? Seems like we are the only ones around.”. Und die Frage mit dem Alter beantworten sie sogleich in “It catches up”: “And then it catches up, no longer 25. And when it catches up – I don’t give a fuck!”. Außerdem schrieben AC4 endlich wieder mal Lieder gegen die sogenannten “Pigs” – herrlich! Sicherlich lebt das Album von einem gewissen Nostalgiefaktor. Gleichzeitig finde ich es beachtlich, wie sehr mich eine derart altmoderne Platte mitreißen kann. AC4 bringen ihr ganzes Talent auf, erzeugen aber auch eine jugendliche Energie, die heutige Bands nicht mal annähernd erreichen. Ich bin mir sicher, dass AC4 mit diesen Songs in den 80ern zu den führenden Bands gezählt hätten. Heutzutage wirds leider keinen mehr interessieren. Doch wer für solchen Stoff etwas übrig hat, muss sich die Platte besorgen! 8/10


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