Verfasst von: jetsetradio | 10. November 2009

Converge – „Axe to Fall“ (Epitaph)

Nach all dem Hype der um das neue Converge-Album gemacht wurde, hat man sich fast schon eine neues Meisterwerk erhofft. Nunja, wir haben 2009 und es ist heutzutage sicherlich nicht mehr so einfach in diesem Bereich etwas zu bewegen. Doch während „Jane Doe“ wohl auch in 20 Jahren noch den selben Stellenwert von heute hat, wird man sich an „Axe to Fall“ kaum noch erinnern können. Das Problem ist, dass sich Converge, im Großen und Ganzen, nicht neu erfunden haben. Wenn man die umfangreiche Liste an Gastmusikern betrachtet, ist es fast schon ironisch, wie sehr „Axe to Fall“ nach Converge klingt. Bis auf ein paar Ausnahmen, stechen die Gäste jedenfalls nie heraus. Und dabei nahmen Converge über 15 Leute mit an Bord – darunter Mitglieder von so bekannten Bands wie Neurosis, Cave-In, 108, Blacklisted oder The Red Chord. Ein Grund, warum die meisten Gäste dem Album keinen Stempel aufdrücken können, ist sicherlich ihre Besetzung. Denn oft bedienen die Gäste nur die Gitarre oder besetzen die zweite Stimme. Die Frage nach dem „Warum?“ bleibt allerdings. Starten tut das neue Converge-Album erstmal ziemlich typisch, so wie es die Band gerne macht – mit ein paar schnellen, kurzen Brechern. Der Opener „Dark Horse“ gehört mit seiner niederwalzenden Brutalität, die aber stets von einer unheimlich melodiösen Gitarre begleitet wird, gleich zu den Highlights der LP. Die drei folgenden Songs, „Reap what you sow“, „Effigy“ und das Titelstück, bleiben in einem ähnlichen Schemata und reißen einen sofort in die Platte hinein. Auch relativ typisch folgt, nach den anfänglichen Nackenschlägen, das erste längere, ruhigere Stück. In dem Fall ist das „Worms will feed/Rats will feast“ – ein schleimiger, schleppender Midtempo-Song, der im Mittelteil etwas Gesang bietet und sich in seinen sechs Minuten eigentlich nirgendswo hinbewegt. Natürlich wirds dann etwas schneller, bis mit „Damages“ eins meiner liebsten Stücke folgt - dieses würde in seiner direkten, destruktiven Art auch gut auf „You fail me“ passen. Eigentlich sollte man über den Rest nicht mehr viele Worte verlieren, weil es einfach zu bekannt klingt. Einzig und allein die beiden letzten Tracks grenzen sich etwas ab. Hier kommen auch die Gäste zum Tragen! Bei „Cruel Bloom“ übernimmt Neurosis’ Steve von Till die Vocals – und was dabei rauskommt, ist ein ruhiger Post-Metal-Song, der zum Schluss hin immer lauter und intesiver wird. Eigentlich klingt „Cruel Bloom“ stark nach Neurosis, aber irgendwie passt es auch auf „Axe to Fall“. Nur wertet es das Album nicht sonderlich auf. Viel eher gelingt dies schon dem Closer „Wretched World“. Man kann dem 7-minütigem Opus natürlich vorwerfen, dass es nie richtig in Fahrt kommt und genau so endet, wie es angefangen hat. Aber ich denke, in diesem Fall, war das genau SO gewollt. Besonders als Rausschmeißer finde ich den Song einfach hervorragend! Er bringt Melancholie, Verloren- und Ewigkeit gleichermaßen rüber und eignet sich deswegen perfekt als Abchschluss. Im Übrigen singt Mookie Singerman (Genghis Tron) den Song in einer, für ihn, völlig neuen Weise – fast schon bestänftigend, aber an den richtigen Stellen schön aufbrausend. Definitiv das Highlight von „Axe to Fall“ – und auf das musste man 35 Minuten lang warten? Im Großen und Ganzen gefällt mir das neue Converge-Album, was den Hörfluss angeht, zwar etwas besser wie „No Heroes“ – aber es klingt, bei aller Liebe, einfach wahnsinnig unoriginell. Nicht mal die beiden letzten Stücke können etwas bewegen, weil sie sich zu stark vom Rest abgrenzen. Was allerdings richtig traurig ist, ist die Tatsache, dass Converge zig Gäste eingeladen haben, „Axe to Fall“ am Ende aber genau so wie „No Heroes“ klingt. Selbst wenn ich Converge für eine der wichtigsten Hardcore-Bands überhaupt halte, treten die Mannen nun schon seit einigen Jahren auf der Stelle. Auch das neue Album ändert daran nichts! Man kann sich damit zufrieden geben und durchaus Freude daran haben, aber „Axe to Fall“ als Meisterwerk hinzustellen, wäre glatt etwas überschwänglich. Denn die Uhr tickt unaufhörlich – genau so wie die, immer wiederkehrende, Melodie in „Wretched World“… 6/10


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien