Verfasst von: jetsetradio | 6. November 2009

The Fall of Troy – „In the Unlikely Event“ (Equal Vision)

Das letzte Album von The Fall of Troy warf Schatten und Licht gleichermaßen. Die Ausfälle konnten aber durch ein paar Stücke, die ganz im alten Stil waren, wieder wettgemacht werden. Trotzdem war die Erwartungshaltung für die nunmehr vierte LP, zumindest meinerseits, nicht sonderlich hoch. Spätestens als dann noch das schreckliche Artwork auftauchte, das so überhaupt nicht zur Band passen will, musste man Schlimmes befürchten. Da wo „Manipulator“ zu einem Teil Neues versuchte und zum anderen Teil band-typisch klang, da hat „In the Unlikely Event“ nur mehr wenig mit den Frühwerken zu tun. Sowohl die frickeligen Gitarrenarrangements, als auch die Vocal-Arbeit von Thomas Erak sind weiterhin markant, aber haben sich doch merklich verändert. Musikalisch bietet „In the Unlikely Event“ eher eine Mischung aus Math- und Poprock. Die wirklich durchgeknallten Hardcore-Momente von früher, sind hier höchstens noch ansatzweise vorhanden. Wobei die Gitarrenarbeit weiterhin ziemlich technisch ist und die Songs immer wieder in eine andere Richtung treibt. Alte Fans dürften somit zumindest vom Anfangsdoppelschlag „Panic Attack!“ und „Straight-Jacket Keelhauled“ angetan sein. Auch „Battleship Graveyard“ startet verzwackt, entwickelt sich nach nicht ganz drei Minuten aber zu einem käsigen Pop-Song. Es folgt zwar noch Geschrei und Frickelei, doch vorallem der schwülstige Gesang von Thomas Erak macht den Mittelteil fragwürdig. Das folgende „A Classic Case of Transference“ ist dann ein, mehr oder minder, lupenreiner Pop-Song. Und selbst wenn er, wie so vieles auf dem Album, kitschig klingt, finde ich vorallem den Refrain ziemlich catchy. Mit das größte Problem auf „In the Unlikely Event“ ist aber der Gesang. Erak war noch nie ein großartiger Sänger, aber für die beschränkten Gesangsparts der „klassischen“ The Fall of Troy-Stücke reichte es immer vollkommen aus. Die neuen Songs sind anders und einfach viel stärker auf den Gesang ausgelegt. Und dem kann Erak’s Stimme einfach nicht standhalten. Vielleicht traut sich der begabte Gitarrist zu viel zu und versucht seine Stimme in Höhen zu bringen, in die sie niemals vordringen kann. Jedenfalls nervt das Gejaule des Frontmannes beizeiten gehörig und sorgt unfreiwillig für den ein oder anderen Fremdschäm-Moment. Als Tiefpunkt des Albums sei an dieser Stelle „Empty the Clip, The King has been slain, long live the Queen“ genannt. Das hat nicht nur einen bescheuerten Titel, sondern auch einen Thomas Erak, der es mit seinem schrecklichen Falsett-Gesang endgültig auf die Spitze treibt. In vielerlei Hinsicht ist das neue Album also gar nicht so unähnlich wie „Manipulator“ – ein Auf und Ab, mit Highlights und vielen Ausfällen. Allerdings sind die schwächeren Stücke auf „In the Unlikely Event“ nicht nur vielzähliger, sondern zumeist auch komplett für die Tonne. Die coolen Gitarrenlicks, die immer wieder druckvollen Rhythmen, die paar eingängigen Refrains und das richtig gelungene „People and their Lives“ können das Gesamtpaket leider nicht rausreißen. Es steht fest: „In the Unlikely Event“ ist der schwächste Output des, eigentlich so talentierten, Trios. Eigentlich schade – selbst wenn man es im Gefühl hatte. 4/10


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