Verfasst von: jetsetradio | 2. November 2009

Kidcrash – „Snacks“ (Denovali/Init)

Es ist ein Kreuz mit der Erwartungshaltung. Wenn eine Band eine Platte veröffentlicht, die in kürzester Zeit zu seinen persönlichen Lieblingen aufsteigt, freut man sich natürlich wie Bolle auf das nächste Werk. Kidcrash gelang dies vor zwei Jahren mit „Jokes“, einem epochalen Werk zwischen frickeligen Arrangements, bezaubernden Emo-Melodien und kurzen Screamo-Ausbrüchen. „Snacks“ ist nun alles andere als ein schlechtes Album geworden, kann mit seinem Vorgänger aber keineswegs mithalten. Man kommt als schreibender Musikliebhaber natürlich nicht davon weg, Vergleiche anzustellen. Wobei es fast unfair wäre die beiden Alben gegenüberzustellen. Zu unterschiedlich sind sie sich nämlich. Ein Lob muss man Kidcrash dafür aussprechen, dass sie sich erneut neu erfunden haben – der neue Sound ist für meine Begriffe um einiges weniger zugänglich. Ja, auch „Jokes“ war verworren, ging dabei aber immer auf ein Ziel zu. „Snacks“ hört sich öfter nach einem einzigen Jam an. Musikalisch geben sich Kidcrash jedenfalls weiterhin dicht wie eh und je. Man kann den vier Jungs keinen Vorwurf machen, sie beherrschen ihre Instrumente. Das Problem mit den sieben neuen Stücken ist aber, dass sie zu selten in eine Richtung gehen. Drummer Buster zeigt abermals wie begnadet er ist, genauso wie die beiden Gitarristen, die ständig auf Achse sind. Jede Sekunde des Albums klingt unglaublich kompakt. Dabei fehlen aber die durchgängigen, epischen Melodien und die straighten Beats, die es auf dem Vorgänger noch zu Hauf gab – von den Hooks ganz zu schweigen. Zu oft gehen die vier Musikanten in eine andere Richtung, statt gemeinsam den Song voranzutreiben. Zu oft erklingen sie alle, statt eine der Komponenten, sei es die Drums oder die Vocals, in den Mittelpunkt zu rücken. Die eben angesprochenen, nun häufiger auftretenden, Vocals geben der Platte leider auch nicht den nötigen Kick. Da war das „wenig, aber intensiv“-Motto von „Jokes“ um einiges aufregender. Auf dem Konzert neulich stimmten Aussitot Mort übrigens die markante Eröffnungsmelodie vom „Jokes“-Opener „Turtlephant“ an – sowas fehlt auf „Snacks“ leider zu oft. Ein gutes Beispiel dafür ist „Sleeper Wave“, das ziemlich spannend aufgebaut ist, aber am Ende irgendwie auf den Höhepunkt vergisst. Da flossen die alten Stücke einfach besser ineinander. Ziemlich viel Kritik für die neue Platte einer Lieblingsband?! Ja und doch hat „Snacks“ seine Momente! Besonders die A-Seite bietet ein paar Highlights, wobei hier „Where Nerves were“ und „Grim Collections“ meine Favoriten sind. Gelingt es einem die Platte für sich zu betrachten, bekommt man ein ordentliches, musikalisch zwar anspruchsvolles, aber gleichzeitig auch entspanntes Album. Musik für den Moment, statt solche die vollgepackt ist mit tonnenweise Hooks und Ohrwurm-Melodien. Sicherlich wird das neue Album seine Freunde finden, im Vergleich zu „Jokes“ allerdings… naja, das hatten wir ja schon. Erwartungshaltung und so… 5/10


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