Verfasst von: jetsetradio | 13. Juli 2009

Battle of Wolf 359 – „The Death of Affect“ (React with Protest)

Da ist sie nun: die designierte Screamo-Platte des Jahres. Obwohl ich von Battle of Wolf 359 gerade mal die vier Songs von den beiden Split-Singles kannte, haben sie sich mit diesen zu eine meiner absoluten Lieblingsbands gemacht. Irgendwie belebten sie diesen alten Emo-Violence-Sound wieder. Den der gerade um die Jahrtausendwende rum häufiger gespielt wurde. Flächig, aggressiv, intensiv, aber auch höchst atmosphärisch – so klingen Battle of Wolf 359. Das erste Full Length ändert daran nicht viel. Es ist großartig. Kann dabei meine, wohl zu hoch gesteckten, Erwartungen aber nicht ganz erfüllen. Der Sound ist der bis dato beste den BOW je kreierten. Der Singaia-Split klang noch völlig minimalistisch. Etwas professioneller waren da schon die Aufnahmen zur Kaddish-Split, wenn sie auch noch genug Schroffheit boten. Das Album hingegen klingt um Ecken wuchtiger und fetter. Nur gefiel mir gerade diese Rohheit der bisherigen Aufnahmen ziemlich gut. Etwas abgehen tun mir auch die melodiösen Parts. BOW verstehen es wirklich hervorragend mit ihren tiefer gestimmten Gitarren höchst depressive Melodien zu spielen, mit denen sie eine packende Stimmung erzeugen. Bis auf zwei Momente lassen sie diese Stärke auf der LP allerdings nicht aufblitzen. Und selbst diese sind einfach viel zu kurz. Vielleicht war das beabsichtigt. Eine Tour de Force ist „The Death of Affect“ nämlich allemal. Die unzähligen Blasts, das gequälte Doppel-Geschrei und das größtenteils hohe Spieltempo sorgen dafür, dass man ordentlich ins Schwitzen kommt. Bei all der Aggressivität vergessen BOW aber nicht aufs Songwriting. Und das hebt sie vielleicht über so viele ähnliche Screamo-Bands. Gerade die Gitarren bringen den nötigen Groove ins Spiel, sodass die Songs neben purem Wahnsinn auch genug rockende Parts bieten. Die Rhytmusabteilung ist auch nicht nur darauf ausgelegt alles niederzumähen, sondern sorgt durch intelligente Taktwechsel für Abwechslung. Vom Gefühl her erinnert mich „The Death of Affect“ relativ stark an „Chaos is me“ oder „Dance tonight! Revolution tomorrow!“ von Orchid. Die Songs sind kurz, bieten allesamt brutale Blasts und enden relativ abrupt. Zwar ist die kurze Laufzeit von gerade mal 23 Minuten ein kleiner Wermutstropfen, schließlich hat man lange auf das Album gewartet. Andererseits punktet die Platte als Gesamtwerk vollkommen. Die einzelnen Songs fließen wunderbar ineinander, sodass jede der beiden Seiten wie ein großes Ganzes klingt. Für das was es ist, ist „The Death of Affect“ ein absolutes Genre-Highlight. Freundes des extremen Screamos haben von meiner Seite aus absolute Kaufpflicht! Denn selbst wenn etwas mehr drin gewesen wäre, wird aus dem Bereich in nächster Zeit nicht viel Besseres kommen… 8/10


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien