20 aus 08

11. Januar 2009

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International Superheroes of Hardcore – „Takin’ it ova!“
This is the part where you want the girls to think you’re cute,
this is the part where you want the guys to think you’re cool,
but you’re not because you suck.

Solche und ähnliche Gemeinheiten findet man hier. Doch die International Superheroes of Hardcore machen dies auf eine unheimlich lustige Art und schaffen es dabei so gut wie keine Band zuvor Humor und Hardcore zu vereinen. Die zwölf Stücke leben durchgehend von der Tatsache, dass die Szene wunderbar durch den Kakao gezogen wird. Ob übertriebene pro-SXE-Haltung („Captain Straight Edge“), Oberflächlichkeiten im Genre („Fashion Show“) oder die Sellout-Manie („Superhero Sellout“), die durch eine wunderbare Metapher dargestellt wird. Mit dem putzigen „Seat Belt“ und dem Onlinekaufhaus-Diss „Ebay Revenge“ haben die Superheroes dann auch noch zwei Songs geschrieben die _irgendeine_ Band einfach mal schreiben MUSSTE. Ganz nebenbei findet man hier auch kein einziges „fuck“, was mit „Dirty Mouth“ nochmal bekräftigt wird. Ein weiterer herrlicher Seitenhieb! Musikalisch ist die Ausrichtung nur allzu passend. War Humor im NYHC doch ein absolutes no-go! Was aber nix daran ändert, dass es den Superheroes hervorragend gelingt diesen Stil in die Neuzeit zu transportieren. Ich hoffe inständig auf eine Fortsetzung!

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Dying in Motion – „Wie wir laut sind“
Dying in Motion machen auf ihrem Debütalbum überhaupt nix Neues und liefern wohl das ab was man sich von einem modernen Emo-Album erwartet. Hier macht es aber vorallem die Gewichtung aus. Diese macht „Wie wir laut sind“ nämlich deutlich spannender als ein Großteil der heutigen Genre-Veröffentlichungen. Man verzettelt sich nicht zu sehr in epischen Songbauten, nimmt sich sehr wohl aber ausführlich Zeit um eine gewisse Atmosphäre zu schaffen. Die Abwechslung geht dabei aber niemals flöten. Wie schon in meinem Review beschrieben, vermögen es die Schweizer französische, deutsche und amerikanische Einflüsse gleichermaßen zu verbinden. Damit dürfte für jeden Emo-Hörer etwas dabei sein. Die poetischen Texte unterstreichen die düstere Atmosphäre und geben dem Album zusätzlich einen künstlerischen Anspruch. Abgerundet vom schlichten, aber sehr schönem Artwork wird hier etwas Ganzes erschaffen, das am Ende mehr Eigenständigkeit besitzt, als man anfangs vermutet hat.  

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Misery Signals – „Controller“
Ich bin kein großer Freund der früheren Misery Signals-Sachen. Das erste Album war mir zu ausgeladen, das zweite wohl zu technisch. Ausgerechnet der dritte Langspieler, der unter vielen langjährigen Fans als Enttäuschung gilt, reißt mich komischerweise mit. Das liegt wohl vorallem an der Reduziertheit die Misery Signals hier an den Tag legen. Zwar reitet man nun sehr oft das typische „Vers-Chorus-Vers“-Schema, doch das tut dem Hörvergnügen gut. Denn zwischendrin ist immer noch genug Platz für progressive, technische Anleihen. Anders als früher fügen sich diese in die Songs aber besser ein. Zwar fehlen „Controller“ die richtig großen Momente, an die man auch in Jahren noch denken wird. Gleichzeitig gibt’s hier über 10 Stücke aber auch keinen einzigen Füller. Im Gegensatz zu den Vorgängern konnte ich „Controller“ von Anfang bis Ende, ohne Langeweile, durchhören. Und das nicht nur ein oder zweimal! Ein Problem hat „Controller“ am Ende vielleicht doch: der Sound klingt so poliert und unterkühlt, dass man nicht mal von der besten Melodie emotional aufgerüttelt wird. Aber mal ehrlich: MUSS das jede gute Platte tun? Wenn sie so gut unterhält? Wenn sie so gut wie kaum eine Band zu vor progressive und technische Passagen mit massig Pop-Appeal verbindet?

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Mikoto – „We are the Architects“
Mikoto erinnern mich daran warum ich diese Musik eigentlich mal richtig gerne mochte. Bevor es unzählige Epigonen zerstörten. Die ex-Taken-Leute konzentrieren sich schlichtweg darauf, die Konkurrenz durch besseres Songwriting zu übertrumpfen. Und das gelingt ihnen. Die Stücke sind vollgepumpt mit sphärischen Melodien, eingängigen Refrains, brutalen Breakdowns, intensivem Geschrei, richtig gutem Gesang und vielen kleinen Ideen. Zudem stimmt auch der oberflächliche Eindruck vollkommen. Sowohl beim Sound, der nicht zu poliert ist. Als auch bei den Texten, die nicht zu cheesy sind. Mikoto versuchen nicht mal ansatzweise innovativ zu sein. Und das ist so viel ehrlicher als die vielen, vielen Copy-Cats es jemals sein werden. Ich war richti erstaunt, dass ich eine Platte aus diesem Genre noch öfter als einma auflegen kann. Daumen hoch!

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Talk Radio Talk – „Beyond these Lines“
Die erste Demo der Norddeutschen fand ich ja göttlich. Wohl auch weil es mich an die von mir geliebten Refused und JR Ewing erinnerte. Gute drei Jahre später haben sich Talk Radio Talk in eine andere Richtung entwickelt. Das erste Full Length klingt moderner und orientiert sich viel stärker am Mainstream-Screamo-Sound. Die Jungs nahmen sich mit Bands wie The Bled oder Underoath aber die richtigen Vorbilder. Außerdem schafft man einen schönen Kompromiss aus alten und neuen Attributen. Die Rohheit von früher ist zwar geschrumpft, die Intensität blieb aber die gleiche. „Beyond these Lines“ klingt definitiv ehrlicher als die meisten Copy-Cats, die die letzten Jahre aus Amiland rübergeschwappt sind. Gleichzeitig setzen Talk Radio Talk im deutschen Bereich Maßstäbe für diesen Sound. Besonders der druckvolle, unheimlich dichte Sound braucht sich vor gar keinem Vergleich zu scheuen. Das Songwriting ist aufregend, die Stücke voller Hooks, Groove und Melodien. Und so ganz nebenbei umschifft man sämtliche Klischees. Würden Talk Radio Talk aus den Vereinigten Staaten kommen, wären sie wohl schon längst auf Victory Records.

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Thrice – „The Alchemy Index Vols. III & IV: Air & Earth“
Von den ersten beiden Kapiteln des Alchemy Index war ich nicht gerade begeistert. Thrice fingen hier zwar gut die Elemente ein, doch wo mir „Fire“ zu konventionell klang, da war „Water“ zu experimentell. Auf dem Nachfolger gelingt der Spagat besser. Zwar werden die Elemente nicht mehr ganz so gut umgesetzt, doch dafür finden sich hier einfach die besseren Songs. Außerdem präsentieren sich Thrice von einer völlig neuen Seite, mit Country-, Singer-Songwriter, Chason-, Indie- und Pop-Einflüssen. Natürlich ist die Band auch hier sehr experimentell, weshalb es innerhalb der 12 Tracks genügend Stück gibt mit denen ich überhaupt nix anfangen kann. Dafür finden sich wiederum einige Songs, die zum Besten gehören, das Thrice jemals gemacht haben. Das stilvolle, originelle „Digging my own Grave“ etwa. Das berührende, höchst reduzierte „A Song for Milly Michaelson“. Oder auch das gelungene Frodus-Cover „The Earth isn’t humming“. Thrice haben es hiermit geschafft, dass ich mich dieses Jahr mit Musik beschäftigt habe, mit der ich vorher nur rudimentär in Verbindung kam. Diese Songs gehören für mich zum Besten in 2008. Ganz groß finde ich auch die märchenhafte, fantasievolle Textgestaltung von Dustin Kensrue. Ein tausend Mal behandeltes Thema (=Liebe) erhält so z.b. einen frischen Anstrich, weil man sich im Kopf regelrecht Bilder dazu ausmalt. Ganz toll! Über die gesanglichen Fähigkeiten von Kensrue braucht man sowieso keine Worte mehr zu verlieren. Ich würde mich wirklich freuen, wenn Thrice es zustande bringen würden sämtliche Klangwelten des Index auf einem einzigen Album zu vereinen. Denn dann könnte uns eine GANZ große Platte erwarten!

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Aussitot Mort – „Montuenga“
Ich hab’s hier schon OFT erwähnt: die Mischung aus Postrock und Emo ist langsam aber sicher ausgelutscht. Man ist mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem nur mehr ganz wenige Bands dem Genre etwas hinzufügen können… Aussitot Mort sind so eine! Der Star von „Montuenga“ ist definitiv sein voller, klarer, majestätischer Sound. Die Franzosen erzeugten hier in Zusammenarbeit mit ihrem Produzenten wirklich ein einzigartiges Klangerlebnis, das sich wunderbar von vergleichbaren Acts wie Daitro, Amanda Woodward oder Bökanösky abgrenzt. Man saugt jeden Klang von „Montuenga“ regelrecht auf. Allerdings sollte man die Qualitäten dieser Platte nicht nur auf seinen Sound beschränken, denn auch das Songwriting ist richtig gut. Aussitot Mort gehen langen Stakkato-Parts oder übertriebenen Melodiebögen gekonnt aus dem Weg und schaffen es die Songs durch viele Einfälle aufregend zu halten. So hör selbst ich mir noch gerne solchen Stoff an!

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Algernon Cadwallader – „Some Kind of Cadwallader“
Lang ist’s her als eine Band das letzte mal dem frühen Midwestern-Emo nachgetrauert hat. Algernon Cadwallader machen dies auf ihrem ersten Album in voller Breite. Natürlich orientiert man sich hier sehr stark an Cap’n Jazz. Die Mischung aus gemütlichen Jams, flappsig-chaotischer Instrumentierung, süßen Emo-Melodien und schiefem Gesang ist ähnlich. Ähnlich! Wohlgemerkt. Denn obwohl die Intention von Algernon Cadwallader die selbe ist, probierten sie etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Und das gelang ganz gut, ist „Some Kind of Cadwallader“ mit seiner etwas melodiöseren Ausrichtung für meine Begriffe doch deutlich zugänglicher als vieles von Cap’n Jazz. Das alles ändert aber nix daran, das sich viele bei diesem Sound nur auf den Kopf greifen werden. „Some Kind of Cadwallader“ ist natürlich eine der schrägsten Scheiben des Jahres und dabei hochgradig unkonventionell. Es gibt hier keine Nische (mehr). Aber es gibt definitiv viele Leute da draußen die sich mal wieder Derartiges gewünscht haben und bei der sympathisch-unprofessionellen Art von Algernon Cadwallader einfach dahingeschmolzen sind. Also mir hat die Platte im Sommer das ein oder andere Lächeln auf die Visage gezaubert…

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Loma Prieta – „Last City“
Gut abgefeiert wurde das neue Album von Loma Prieta. Was vielleicht auch daran liegt, dass 2008 keine wirklich großen Screamo-Platten erschienen sind. Zumindest nichts auf dem Level von Kidcrash’ „Jokes“ oder Circle takes the Square’s „As the Roots undo“. Unter diesen Umständen muss man „Last City“ absolut zu den besten Genre-Platten des Jahres zählen. Das Besondere an „Last City“ ist sicherlich die Tatsache, dass es wie ein Gegenentwurf zum heutigen Screamo-Einerlei wirkt. Melancholische Melodien, Noisegewitter, Mosh, Chaos, Breaks, Geschrei, Gesäusel… und das in einem Song? Ja, das gibts auch hier. Allerdings sind die Stücke der Kalifornier nicht 10 sondern durchschnittlich gerade mal 2 Minuten lang. Vom Charakter her erinnert das natürlich an Ampere. Doch so sehr ich Ampere auch mag: ihre 1-Minuten-Nummern sind mir ehrlich gesagt ZU kurz. Das machen Loma Prieta besser. Gerade in der ersten Hälfte fließt ein Song wunderbar in den anderen über. Ähnlich wie bei Kidcrash jagt ein starker Moment den nächsten. Allerdings ist mir die B-Seite viel zu chaotisch geraten, was den Gesamteindruck von „Last City“ leider etwas nach unten zieht. Gerettet wird das nur durch die unglaubliche Intensität die diese 20 Minuten in jeder Sekunde versprühen. Großes Potential, sowie eine eigenständige Herangehensweise kann man der Band absolut attestieren.

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Underoath – „Lost in the Sound of Separation“
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass 2008 den Untergang des „falschen“ Screamo eingeleitet hat. Als Synonym dafür könnte das neueste Album von Underoath stehen. Ist „Lost in the Sound of Separation“ ein großer Mittelfinger gegen sämtliche (vermeintliche) Konkurrenz. Underoath hieven das Genre nämlich auf ein komplett neues Level und entrinnen mit diesem Langspieler sämtlicher vergangener Taten. Viele mögen zwar behaupten, dass man hier die gleichen Bestandteile wie auf „Define the Great Line“ findet. Geschenkt, ja! Allerdings verwursten Underoath die Zutaten so sehr, dass am Ende etwas völlig Neues rauskommt. Diese Platte war für mich in 2008 wahrscheinlich sogar DIE Platte in die ich am schwersten „reingekommen“ bin. Unzählige Anläufe hab ich ihr geschenkt. Und das auch nur, weil es von Underoath kommt. Man merkt also wie progressiv und verworren Underoath hier ans Werk gegangen sind. Die billigen Hooks oder Breakdowns der Vorgänger findet man hier so gut wie gar nicht mehr. „Lost in the Sound of Separation“ lebt von seinen Momenten und gewinnt dabei in jedem Anlauf mehr dazu. Ganz groß! Ganz große Scheiße ist hingegen die thematische Ausrichtung. Sind die Songs doch mehr denn je mit verblendet religiösem Inhalt verstopft. Ändert das was an der musikalischen Qualität? Natürlich nicht. Könnte Underoath ohne diese Texte eine meiner Lieblingsbands sein? Vielleicht ja. So offen und progressiv wie Underoath in ihrer musikalischen Ausrichtung ist, so oberflächlich und beschränkt sind sie in ihren Texten. Echt ärgerlich…

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Trip Fontaine – „Dinosaurs in Rocketships“
„Dinosaurs in Rocketships“ ist eine Platte, die beweist, wie gut die deutsche Musiklandschaft eigentlich ist. Zusammen mit Kenzari’s Middle Kata sind Trip Fontaine derzeit sicherlich die ambitionierteste Band des Landes. Waren die Jungs auf dem Vorgänger noch fest im Postcore verwurzelt, so haben sie mit „Dinosaurs in Rocketships“ jegliche Barrieren durchbrochen. Auch wenn man den Vergleich schon oft gehört hat, passt er einfach wunderbar: so bunt Das Albumcover, so vielschichtig die hier verwendeten Elemente. Chaos und Frickelei trifft auf große Pop-Sensibilität. Spastisch-ulkiges Muckertum steht im Kontrast zu melancholischen, traurigen Melodien. Dazwischen gibts ganz viele Experimente und großartige Momente. Trip Fontaine sind sich dabei aber immer bewusst, dass sie einfach nur Musik machen. Sie nehmen sich selbst alles andere als ernst. Textlich ist man von moralschwangeren Phrasen meilenweit entfernt – oftmals reicht ein simples „lalala“ oder „ooooohhh“. Wenn die Melodie stimmt. Und das tut sie hier meistens. Für deutsche Verhältnisse auch unheimlich gut ist die facettenreiche Gesangsarbeit. Gelang es der Band auf „Lilith“ zwar besser eine stringendere Atmosphäre zu kreieren, so können sie auf „Dinosaurs in Rocketships“ viel besser ihre unglaubliche Musikalität unter Beweis stellen. Es gibt am Ende nur ein Problem: dieses Album ist unmöglich irgendwo einzuordnen. Und ich spreche hier nicht mal von irgendwelchen Schubladen. Es ist fast unmöglich in die richtige Stimmung für „Dinosaurs in Rocketships“ zu kommen. Von todtraurig bis höchst erheiternd ist hier innerhalb eines Songs alles möglich. Ich habe Trip Fontaine’s Zweitwerk trotz guter Kritiken in sämtlichen Jahreslisten schmerzlich vermisst – aber in der wichtigsten aller hat es seinen Platz!

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Warship – „Supply and Depend“
Überhaupt nix erwartet habe ich mir vom neuen Projekt der beiden ehemaligen From Autumn to Ashes-Musikanten Mark Francis und Rob Lauritsen. Dafür rissen mich die letzten Veröffentlichungen ihrer Ex-Band einfach zu wenig mit. Umso erstaunter war ich über „Supply and Depend“. Es gibt zwar noch ein paar Parallelen zu FATA, doch ansonsten erschuf das Duo ein, gerade heutzutage, sehr eigenständiges Werk. Die Richtung von Warship zu definieren ist verdammt schwer. Neuer und alter Postcore/New School treffen auf 90er-Metalcore-Anleihen, eine dicke Portion Rock und eine vielschichtige Gitarrenarbeit, die von Metal über Mosh, bis hin zu Emo einiges abdeckt. Der Sound ist dabei erfreulich sperrig und weit entfernt vom heutigen, hochpolierten Kram. Ähnlich läufts beim Songwriting ab, das zwar nicht als progressiv zu bezeichnen ist, sehr wohl aber vielschichtiger und unberechenbarer daherkommt als zuletzt bei FATA. Warship gelingt es über 40 Minuten lang die Spannung aufrecht und den Abwechslungsgrad weit oben zu halten. Mutig ist das Ganze noch dazu, entfernt man sich mit diesem Werk doch viel stärker vom Mainstream. Das bewiesen auch die relativ verhaltenen Reviews. Schade, da kommt eine der frischesten Postcore-Scheiben der letzten Jahre und die große Masse kann damit nix anfangen. Wer übrigens noch ernsthaft die Frage stellt, ob „Supply and Depend“ nicht unter der alten Band rauskommen hätte können, der sollte wirklich noch mal hinhören…

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I not dance – „So you think you can stop me and spit in my Eyes“
Ich höre schon seit vielen Jahren sehr gerne Emo und Screamo. Ein Grund dafür ist sicherlich auch die DIY-Attitüde der ganzen Bands. Sämtliche Bands sind hier mit dem Herzen dabei. Die Bullshitrate im Genre ist nicht vergleichbaren mit anderen, trendigen Stilen. Man kann sich immer sicher sein, dass in jeder einzelnen Platte zumindest ein bisschen Seele steckt. Mit noch mehr Liebe dabei sein muss man, wenn man aus einem kleinen Land wie Österreich kommt. Hier gibt’s nicht sowas wie eine „Szene“. Anders als in Frankreich, wo jede neue Band sofort Vergleiche mit Größen wie Daitro kleben hat. Umso beeindruckender, dass es I not dance geschafft haben über lokale Grenzen hinaus bekannt zu werden. Zumindest innerhalb des Genres. Wer die Band schon vorher kannte, der wird wohl zustimmen, dass die früheren Sachen noch unscheinbarer klangen. Mit dem ersten Full Length hat sich das Trio nun sehr stark entwickelt. Auf eigenständige Art und Weise wird hier ein atmosphärisches, wie heftig rockendes Brett aufgefahren, das wohl gerade weil es anders als die anderen klingt, so viel Spaß macht. Natürlich gibt’s hier auch flächige Parts und diese düstere Stimmung – beides von so vielen Genre-Bands bekannt. Der Groove den die Österreicher erzeugen, sowie die nicht zu emo-mäßigen Vocals und der ein odere andere überraschende Part machen die Angelegenheit aber sehr spannend. „So you think…“ ist seit langem wieder mal eine starke Platte aus Österreich. Ja, wir haben hier wirklich mehr zu biten als DJ Ötzi und Hansi Hinterseer!

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Paint it Black – „New Lexicon“
Die Konsequenz mit der Paint it Black ihr Ding nun schon seit mehreren Jahren durchziehen, ist wirklich beeindruckend. „New Lexicon“ ist das dritte Album und abermals ein fester Tritt in die Weichteile aller sogenannten „Hardcore“-Bands. Abseits von jeglichen Trends sind Paint it Black derzeit wohl DIE Hardcore-Band schlechthin. Keine andere schafft es den ursprünglichen Geist und Charakter so perfekt einzufangen. „New Lexicon“ klingt unheimlich pissed und das auf eine derart rohe, ehrliche Weise, dass man unweigerlich an alte Helden wie Minor Threat, Dead Kennedys oder Black Flag denken muss. Apropos! Immer mehr klingen Paint it Black auch wie eine neuzeitliche Version von Black Flag, bringen sie doch einen ähnlich hasserfüllten Vibe rüber. Viel Charakter geben der Band die smarten Texte von Dan Yemin. Er beweist hier nämlich wunderbar, dass sich abgefuckter, straighter Hardcore und intelligente Texte nicht grundsätzlich ausschließen. So aggressiv die Musik rüberkommt, so vielschichtig und tiefsinnig sind die Aussagen dahinter, die Yemin in einmaliger Art und Weise formuliert. Selbst an die anfangs befremdlichen Electro-Interludes von „New Lexicon“ hab ich mich nach einiger Zeit gewöhnt. Sie bringen teilweise sogar Spannung rein. Diese Band ist wirklich GANZ wichtig und eines der wenigen Originale in der verwässerten Hardcore-Welt.

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United Nations – „United Nations“
In einem, verhältnissmäßig, relativ negativen Review zu dieser Platte habe ich gelesen, dass United Nations’ Werk schnell ins Ohr geht, dieses genauso schnell aber auch wieder verlässt. Und tja, es ist was dran. Die elf Stücke sprühen gerade zu vor eingängigen, starken Momente. Die 25 Minuten gehen vom ersten bis zum letzten Ton nahtlos ins Blut. Nach anfänglich exzessivem Hörgenuss habe ich die Platte nun schon längers nicht mehr gehört. Anders als bei anderen Platten in dieser Liste, die mich länger nicht mehr los ließen. Aber muss das grundsätzlich schlecht sein? Das Projekt-Album ist sicherlich kein Meisterwerk, an das man auch in 10 Jahren noch denken wird. Fakt. Aber es ist auch schwer der Band daraus einen Strick zu drehen. Zu sehr sind diese elf Nummern nämlich mit großartigen Hooks, Einfällen und Momenten vollgestopft. Ganz sicher wird dieses Album auch völlig unterschiedlich aufgefasst werden. Während Leute, die eher seichteren Stoff hören wahrscheinlich lange brauchen werden um „rein“ zu kommen, ist’s für geschulte Ohren bestenfalls kontrolliertes Chaos. Als vielleicht erste Band schafften es United Nations Screamo in ein hoch produzierten, poppig anmutendes Outfit zu stecken. Den Einfluss den diese Platte, heimlich, still und leise, die nächste Zeit nehmen könnte, wird vielleicht sogar unterschätzt. Denn United Nations’ LP könnte es durchaus gelingen Leute, die vorher Glassjaw und Co hörten, mit den Begriffen „Emo-Violence“, „Power-Violence“ oder „Grind“ in Verbindung zu bringen. Ob sich das bewahrheitet, wird man mit der Zeit sehen. Ob dies gut oder schlecht ist, sollte es so kommen, genauso. Vielleicht haben wir dieses All-Star-Projekt bis dahin längst vergessen. Was bleibt ist ein eigenständiges, starkes Stück Musik, das, wenn ich es mir so recht überlege, hier höchst verdient so weit oben unten steht.

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Have Heart – „Songs to scream at the Sun“
Groß war der Aufschrei als die neue Have Heart rauskam. Derart radikal wie sich die Band von ihrem Debüt „The Things we carry“ abgegrenzt hat. Vom schnellen, Pit-freundlichen Youth Crew-Hardcore vollzog man eine Änderung hin zu modernem, atmosphärischen Midtempo-Hardcore. Doch so viele Anhänger wie sich abgewendet haben, so viele neue gewann die Band damit dazu. Ich kann nur sagen: der Mut von Have Heart hat sich voll ausgezahlt, ist „Songs to scream at the Sun“ doch eines der besten Modern Hardcore-Alben überhaupt geworden. Mit einer unglaublichen Intensität erschuf die Band hier ein 20-minütiges Gesamtwerk. Ein Song fließt wunderbar in den nächsten über, jeder einzelne fährt mit zig Highlights auf. Ob das Gänsehaut erzeugende „Bostons“, das dramatische „On that Bird in the Cage“, das atmosphärische „Brotherly Love“ oder die Band-Hymne „Pave Paradise“. Die Aufzählung könnt noch weiter gehen. Natürlich ist das immer noch Hardcore. Allerdings wandeln Have Heart nicht auf ausgetretenen Pfaden, sondern versuchen etwas Neues zu kreieren. Und das gelingt ihnen. Denn trotz aller Modern Life is War-Vergleiche besitzen Have Heart verdammt viel eigene Trademarks. Allen voran die intensiven Vocals von Pat Flynn, sowies seine einmaligen, poetischen Lyrics. Das alles gibt „Songs to scream at the Sun“ einen völlig eigenen Charme. Schön zu sehen, dass im Hardcore wirklich noch einiges geht! Wenn sich nur die richtige Band mit den richtigen Ambitionen der ganzen Sache widmet.

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Off Minor – „Some Blood“
Die Faszination von „Some Blood“ zu beschreiben, ist fast unmöglich. Auch wenn es sich etwas käsig anhört, so denke ich doch, dass diese Platte eine gewisse Magie versprüht. Dieses gewisse Etwas, das nur ganz wenige Alben haben. Anfangs tut man sich ziemlich schwer „Some Blood“ überhaupt als „Full Length“ zu akzeptieren. Besteht es doch gerade mal aus 6 Stücken, mit einer Gesamtspielzeit von 20 Minuten. 8 davon gehen alleine für den epischen Rausschmeißer drauf. Das ist auch schon der einzige Kritikpunkt. Ein, zwei Songs mehr hätten definitiv nicht geschadet. Das was da ist, ist aber ganz groß. Off Minor klingen hier weit erwachsener als auf ihren älteren Releases. Die Jazz-Einflüsse sind so zwar noch vorhanden, aber viel unterschwelliger und dezenter als früher in den Sound eingeflossen. Viel mehr konzentriert sich die Band nun auf den eigentlichen Song und dessen Atmosphäre. Und das geht hier so gut auf wie noch nie. Besitzt „Some Blood“ doch eine gefangen nehmende, stringende Atmosphäre. Und das obwohl die Band viel Wert auf Abwechslung legte. Ob chaotisch oder nachvollziehbar, laut oder leise, katharsisch oder melodisch – es steckt so viel in diesen 20 Minuten. Während die A-Seite vielleicht etwas besser ineinander fließt und mit dem Abschluss „Everything explicit“ ein großes Highlight bietet, so finden sich auf der zweiten Hälfte die Überraschungen. Beinahe provozierend stellen Off Minor hier nämlich ihren bisher kürzesten neben ihren bisher längsten Song. Während „No Conversationalist I“ ein straighter Hardcore-Brecher ist, der unter einer Minute bleibt, folgt mit dem grandiosen „Practice abscene“ ein quasi „Pop-Song“, den man von der Band nie erwartet hätte. Über die intelligenten Lyrics braucht man kein Wort mehr zu verlieren, genauso wenig wie über die passionierte Vocal-Arbeit. Obendrauf passt auch der kantige, schiefe Sound wunderbar. Hier vereint sich alles zu etwas Ganzem. Schwer beschreibbar, aber wenn man mal gepackt wird, legt man „Some Blood“ immer und immer wieder auf.

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Verse – „Aggression“
Verse konnten mich mit ihrem letzten Full Length schon für sich gewinnen. Eine derart starke Entwicklung hätte ich ihnen trotzdem nicht zugetraut. Anders als „From Anger and Rage“ entweicht „Aggression“ nämlich viel mehr dem typischem Hardcore-Usus. Dieses Album ist ein Gesamtwerk, in dem ein Song nahtlos in den anderen überfließt. Jeder Ton, jedes Instrument, jede Sekunde klingt hier einfach nur richtig. Sänger Sean Murphy erinnert in seiner predigenden Art fast schon an Zack de la Rocha. Die Texte sind politischer denn je, im Gegensatz zu den meisten Bands, die in eine ähnliche Richtung gehen, steckt bei Verse allerdings viel mehr dahinter. Diese Band befasst sich wirklich mit dem Thema und schreibt zudem Songs, die über plattes Phrasendreschen hinausgehen. Man höre sich nur mal das drei-teilige Epos „Story of a free Man“ an! Natürlich sind Verse penetrant, wenn es darum geht eine Thematik in den Mittelpunkt zu rücken. Aber mal ehrlich: war das nicht mal ein (!) Grund warum viele Musik spielen? Heutzutage zählen Verse sicherlich zu den wenigen Bands, die in diese Kerbe schlagen. Und es fühlt sich hier einfach nur gut an. Weil Verse Substanz haben und um ihre Botschaften ein makelloses Paket schüren. Gerade in musikalischer Hinsicht beweisen sie, dass ein mitreißendes Album nicht platte Hooks, Breakdowns, Sing-a-longs oder Moshparts braucht. Ansatzweise findet man das natürlich auch hier. Doch viel eher bestechen die Songs durch ihre unzähligen, kleinen, aber doch so großartigen Momente, die sich auf wundersame Art und Weise zusammenfügen. Die Dynamik, die Verse erzeugen ist sensationell. „Aggression“ zeigt eindrucksvoll wie viel in diesem vemeintlich beschränktem Genre noch drin ist.

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Dillinger Four – „Civil War“
Der einfachste Indikator für so eine Liste ist meistens, die Zeit, die man einer Platte gewidmet hat. Demnach stehen Dillinger Four verdient so weit oben. Erwartet hab ich mir hiervon überhaupt nix, konnte ich mit den drei Alben davor doch nicht so viel anfangen. Schlecht war das Ganze nie, doch der letzte Kick fehlte mir. Den bietet „Civil War“. Was wohl vorallem an der melodischeren Ausrichtung und der cleaneren Produktion liegt. Denn wo D4 früher noch sehr kantig klangen, da ist „Civil War“ viel polierter und zugänglicher. Nicht umsonst erinnern mich D4 anno 2008 sehr stark an die Lawrence Arms. Und das ist gut so! Entwickelt sich doch jeder Song früher oder später zum lupenreinen Hit. „Civil War“ ist eine dieser Platten, bei der man mit jedem neuen Durchlauf seinen Lieblingssong wechselt. Während anfangs noch alles gleich klingt, entdeckt man mit der Zeit, wie abwechslungsreich das Album eigentlich ist. Und das obwohl D4 durchwegs die „Vers-Chorus-Vers“-Schiene fahren. Viel mehr als irgendwelche Songwriterqualitäten macht diese Platte aber die Passion aus, mit der die Musiker rangegangen sind. Vorallem die bissigen Texte, die mitten aus dem Leben sind, helfen mit dabei, dass man sehr schnell an „Civil War“ wächst. Sie regen zum nachdenken an, bringen einen zum Lachen oder einfach nur zum lautstarken Mitsingen. „Civil War“ ist zusammen mit Lawrence Arms’ „Oh! Calcutta!“ die beste melodische Punkrock-Scheibe der letzten Jahre und ganz große Herzenssache!

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Barra Head – „Go, get beat up“
Es ist interessant zu beobachten. Die Platten, die eiem mit der Zeit wirklich wichtig werden, sind meistens die Platten, die man überhaupt nich auf der Rechnung hatte. Barra Head kannte ich bis vor einem Jahr noch gar nicht. Mittlerweile habe ich mich mit ihrem Backkatalog beschäftigt und kann nur sagen: beeindruckend wie sich die Dänen entwickelt haben. Klangen die beiden Vorgänger noch epxerimentel und überambitioniert, so schafft man auf „Go, get beat up“ den Spagat aus „Bauch“ und „Kopf“. Vom früheren Postcore-Sound hat man sich zwar nun stärker in eine Indierock-beeinflusste Richtung etwickelt – weichgespült klingen diese 10 Stücke deswegen keinesfalls. Trotz seiner klaren Struktr und der erwachsenen Herangehensweise, strotzt „Go, get beat up“ geradezu vor Emotionalität. Sänger Arvid trifft mich mit seinem leidenschaftlichen, aufbrausenden Gesang mitten ins Herz. Die Gitarren hauen verträumt-melancholische Melodien oder messerscharfe Riffs raus. Und die meisterhafte Rhythmusabteilung sorgt dafür, dass den Songs der richtige Arschtritt verpasst wird. Zusammengehalten wird das alles von einem einfallsreichen, wie dramatischen und stets hitverdächtigen Songwriting. Kategorien sind hier unwichtig. Ob Indie, Postcore oder Emo. Scheiß drauf, Barra Head kreieren einen völlig eigenen Sound. Anfangs wirkt alles so unscheinbar, aber mit der Zeit wachsen einem diese Songs immer mehr ans Herz. Glaubts mir, diese Platte hat mich fast durchs ganze Jahr hindurch begeleitet. Lobend erwähnen sollte man auch nochmal Produzent Tim O’Heir, sowie Mixer J. Robbins, die dem Album einen perfekt klaren, aber nie zu polierten Sound verpassten. Dieses Trio klingt SO dicht! Und, genau: die Lyrics. Auch hier glänzen Arvid und Co mit selbstreflektierenden Texten, die einerseits persönliche Dinge ansprechen, aber sich auch auf Gesellschaft oder Politk stürzen. Auf eine erwachsene, unverbrauchte Art und Weise, allerdings. Einige Stücke haben dadurch absoluten Hymnencharakter. Doch jetzt ist’s genug mit der Lobeshymne! Ich hoffe mit diesem ersten Platz konnte ich einige auf diese starke Band aufmerksam machen. Und wenn’s nur einer ist, hat es sich gelohnt. Schließlich wurde Barra Head’s „Go, get beat up“ sträflich unterbewertet. Oder gar übersehen…

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