Platten 2008…so far Volume 1
März 31, 2008
Genghis Tron - “Board up the House” (Relapse)
Ziemlich aus dem Nichts kamen Genghis Tron anno 2006. Zumindest emfpand ich das so, immerhin veröffentlichten die Jungs vor ihrem Debütalbum schon eine EP. So oder so, “Dead Mountain Mouth” war eine sehr frische Angelegenheit. Beeindruckend war vorallem, dass die Band vollkommen auf Schlagzeug und E-Bass verzichteten. Stattdessen kreierte man seinen Sound aus Gitarren und Synthesizern und Drum-Computern. Obwohl das Ganze sehr frisch klang, klang es gleichzeitig auch sehr natürlich. Und genau das kann man von Genghis Tron’s Relapse-Einstand leider nicht mehr sagen. Viel zu sehr wird hier mit dem (hochgelobten) Mix aus Electro und Grind-Death-Chaos-core kokettiert. Gerade die elektronischen Passagen sind auf “Board up the House” ausgedehnter und erinnern phasenweise gar etwas an die 80er, an New Wave, an Depeche Mode oder New Order. Das funktioniert mal ganz gut, was ein paar nette Melodien beweisen. Mal klingts aber auch etwas gekünstelt und vollgestopft. Auch die neuen clean gesungenen Passagen dürften ziemliche Geschmackssache sein. Der Gesang ist zudem meist verzerrt und klingt relativ spacey-futuristisch. Klar, “Board up the House” hat definitiv seine Höhepunkte. Die erwähnten, teils sehr atmosphärischen Electroparts etwa. Ein Stück wie “City on a Hill”, dass mit einem überraschenden Nackenschlag startet, nur um dann von einer wave-igen Melodie entzaubert zu werden. Oder auch der epische (gähn) Rausschmeißer “Relief”, der stark an Prog-Bands wie Yakuza oder Baroness erinnert. Doch im Großen und Ganzen klingt das neue Werk etwas zu überambitioniert. Die einzelnen Songs und Passagen wirken etwas zu willkürlich aneinandergestückelt. “Dead Mountain Mouth” schaffte diesen Spagat einfach besser und klang dabei einfach eher wie ein Stück Ganzes. Em Ende unterlegen Genghis Tron, wie so viele Bands in letzer Zeit, ihrem eigenen Anspruch. Denn das Ausschweifen in zu viele Richtungen tat auch ihrem Album nicht sonderlich gut. 5/10
Parachutes - “Vultures” (Redfield)
Mehr oder minder entdeckt wurden die Parachutes ja von Tribute to Nothing. Und genau für deren Label veröffentlichten die Parachutes auch ihr Debüt. Nicht schlecht, denn so konnte man sogar in England ein paar Anhänger für sich gewinnen. Nichtsdestotrotz bringen die Saarländer den Nachfolger “Vultures” auf dem deutschen Redfield-Label raus. Und Tribute to Nothing haben auf jeden Fall nen guten Riecher bewiesen, denn “Vultures” ist durchaus eine positive Überraschung. Was man im ausgelutschten Fake-Screamo-Genre gar nicht glauben mag. Klar: die alte Aussage, dass hier nix neu erfunden wird, trifft auch hier wieder zu. Aber was zur Hölle soll man in dieser vermoderten Schublade auch noch aufgreifen, was schon nicht vorher von tausend anderen Teeniebands geritten wurde?! Die Parachutes schaffen es auf “Vultures” aber viel natürlicher zu klingen, als ein Großteil der Konkurrenz. Außerdem umschifft einen Großteil der gängigen Klischees. Und zu guter letzt, nahm man sich einfach die richtigen Vorbilder. Welche Platte, die Saarländer im letzten Jahr am öftesten hörten, sollte schon nach einem Durchgang klar sein: die letzte Underoath. Denn auch wenn der Sound nicht ganz so dick ist wie bei den Amis, kommt er doch relativ nahe dran. Außerdem erinnert vorallem die Vokalarbeit an Underoath. Ähnlich intensiv schreit sich einer die Seele aus dem Leib, während der andere gekonnte Gesangsmelodien einwirft. Das Wechselspiel aus Hardcore, Metal, Emo und Rock erinnert zudem sehr oft an Hand to Hand oder die seligen Beloved. Vielleicht hört man hier und da auch etwas FATA raus. Wie man also merkt, nahm man sich schlicht gesagt, die besten Bands aus diesem Genre zum Vorbild. Und man adaptierte den Sound richtig gut. Die Produktion ist klasse, das Songwriting recht abwechslungsreich. Und Songs wie das freche “Fists up and Boots off” oder das Titelstück “Vultures”, in dem man gekonnt mit Dynamiken spielt, sind lupenreine Hits. Gerade in der zweiten Hälfte ist mir die Platte vielleicht etwas zu sehr im Emo getränkt. Denn am besten sind Parachutes einfach, wenn sie schnelle und rotzige Parts in die Songs einbinden. Was aber nix dran ändert, dass man hier den Hut ziehen muss. Denn “Vultures” ist aus diesem Bereich eine der besten Veröffentlichungen die man bisher aus Deutschland hörte. Den Sound “amerikanisch” zu bezeichnen, mag zwar beleidigend klingen, kann aber hier absolut als Kompliment aufgefasst werden. Weiter so, Saarland! 6/10
Protest the Hero - “Fortress” (Vagrant)
Tja, wenn der Größenwahnsinn Überhand nimmt. Es war ja nicht unbedingt anzunehmen, dass Protest the Hero auf ihrem zweiten Album plötzlich zarten Emo-Pop spielen… aber dass sich die Kanadier dem Prog-Hype anschließen müssen, ist doch etwas enttäuschend. Höher, schneller, lauter, leiser und vorallem mehr mehr mehr hieß wohl die Devise. Was auf dem Debüt “Kezia” eigentlich noch sehr ambitioniert klang, nimmt hier einfach Überhand. “Fortress” bietet mehr Emo, mehr Pop, mehr Metal, mehr Gefrickel, mehr Breaks, mehr Epik - mehr von allem halt, aber der rote Faden geht dabei einfach verloren. Klar, ein paar schöne Parts finden sich hier durchaus. Doch neben diesen stehen auch zig schmalzige oder kaum nachvollziehbare Parts. Und auch nach mehreren Durchläufen habe ich einfach keine durchwegs knallende Nummer gefunden. Die gabs auf “Kezia” durchaus noch. Das Songwriting ist schlichtweg überladen und viel zu wenig auf den Punkt. Weniger wäre hier durchaus mehr gewesen. Wer auf solches Mucker-Gewichse a la (aktuelle) Between the Buried and me, Coheed and Cambria oder The Mars Volta allerdings steht, könnte mit “Fortress” durchaus glücklich werden. Für meinen Geschmack sind die Kanadier aber einfach übers Ziel hinausgeschossen. Eine gewisse Balance im Songwriting zu halten und dabei trotzdem anspruchsvoll zu klingen, ist einfach schwieriger als alles, dass man kann, in 40 Minuten aneinanderzureihen. 3/10
Slut - “StillNo1″ (EMI)
Tja, Slut sind mittlerweile auch schon sowas wie alte Hasen. Seit 13 Jahren besteht die Band mittlerweile und veröffentlichte nun schon ihr sechstes Album. Und für dieses ließ man sich so viel Zeit, wie nie zuvor. Dreieinhalb Jahre liegt das grandiose “All we need is Silence” nämlich jetzt zurück. Allerdings waren Slut nicht ganz untätig, sondern schrieben zwischendrin auch ein paar Lieder für die “Dreigroschenoper”. Und genau dieses Projekt hat sich wohl ziemlich auf den Sound von “StillNo1″ ausgewirkt. War “All we need is Silence” noch eine straighte, reduzierte Rock-Scheibe, mit klassischen Strukturen, vielen Hooks und eingängigen Refrains, so hat das neue Baby wenig damit zu tun. Auf “StillNo1″ werden die Strukturen aufgebrochen und verdammt viel Freidenkertum mithineingenommen. Die aggressiven Töne blieben komplett draußen, stattdessen sind die Songs um einiges ruhiger, verstehen es sich im Verlauf aber trotzdem immer wieder zu steigern. Das geschieht aber eben nicht auf plumpe, sondern auf durchwegs sehr atmosphärische Art und Weise. Siehe z.b. auch das Titelstück, das zum Schluss hin einem leichten Orkan gleicht. Aber nicht falsch verstehen: dieses Album ist wohl das ruhigste und “un-rockigste” Stück Musik, das Slut je aufgenommen haben. Allerdings sind die Stücke hier weit von “schläfrig” entfernt. Die Band erzeugt immer wieder eine sanfte, sehr hypnotische, verträumte Atmosphäre, die Christian Neuburger’s melancholische Stimme perfekt umgarnt. Auch er klingt hier so gefühlsvoll und melodisch wie noch nie, verzichtet auf Experimente und konzentriert sich eher darauf die Atmosphäre zu unterstützen. Für erste sorgen nämlich die Instrumentalisten. Denn trotz der softeren Ausrichtung gibts hier viele Einfälle, ob Pianos, Streicher, Bläser, Chöre, Percussions, usw. Aber auch beim Songwriting gibts grad im späteren Verlauf ein paar nette Überraschungen. Man siehe z.b das ungewöhnlich beschwingte “Odds and Ends”, das dann doch mit einem hochdramatischen Refrain berührt. Oder auch das rockige “Better Living”, das wohl am ehesten aufs letzte Album passen würde. Überhaupt zieht “StillNo1″ gerade in der zweiten Hälfte richtig an. Ab der grandiosen Piano-Ballade “Wednesday” nimmt die Platte ihren ganz eigenen Fluss. Wirklich beeindruckend wie reif und versiert Slut mittlerweile klingen. Da könnten sich selbst Radiohead noch ein Scheibchen von abschneiden. Nichtsdestotrotz finde ich persönlich den rockigen Ansatz von “All we need is Silence” unterhaltsamer. Das ist aber voll subjektiv, denn für sich betrachtet ist das neue Album wieder mal sehr gut geworden. 7/10
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