The Fall of Troy – „In the Unlikely Event“ (Equal Vision)
6. November 2009
Das letzte Album von The Fall of Troy warf Schatten und Licht gleichermaßen. Die Ausfälle konnten aber durch ein paar Stücke, die ganz im alten Stil waren, wieder wettgemacht werden. Trotzdem war die Erwartungshaltung für die nunmehr vierte LP, zumindest meinerseits, nicht sonderlich hoch. Spätestens als dann noch das schreckliche Artwork auftauchte, das so überhaupt nicht zur Band passen will, musste man Schlimmes befürchten. Da wo „Manipulator“ zu einem Teil Neues versuchte und zum anderen Teil band-typisch klang, da hat „In the Unlikely Event“ nur mehr wenig mit den Frühwerken zu tun. Sowohl die frickeligen Gitarrenarrangements, als auch die Vocal-Arbeit von Thomas Erak sind weiterhin markant, aber haben sich doch merklich verändert. Musikalisch bietet „In the Unlikely Event“ eher eine Mischung aus Math- und Poprock. Die wirklich durchgeknallten Hardcore-Momente von früher, sind hier höchstens noch ansatzweise vorhanden. Wobei die Gitarrenarbeit weiterhin ziemlich technisch ist und die Songs immer wieder in eine andere Richtung treibt. Alte Fans dürften somit zumindest vom Anfangsdoppelschlag „Panic Attack!“ und „Straight-Jacket Keelhauled“ angetan sein. Auch „Battleship Graveyard“ startet verzwackt, entwickelt sich nach nicht ganz drei Minuten aber zu einem käsigen Pop-Song. Es folgt zwar noch Geschrei und Frickelei, doch vorallem der schwülstige Gesang von Thomas Erak macht den Mittelteil fragwürdig. Das folgende „A Classic Case of Transference“ ist dann ein, mehr oder minder, lupenreiner Pop-Song. Und selbst wenn er, wie so vieles auf dem Album, kitschig klingt, finde ich vorallem den Refrain ziemlich catchy. Mit das größte Problem auf „In the Unlikely Event“ ist aber der Gesang. Erak war noch nie ein großartiger Sänger, aber für die beschränkten Gesangsparts der „klassischen“ The Fall of Troy-Stücke reichte es immer vollkommen aus. Die neuen Songs sind anders und einfach viel stärker auf den Gesang ausgelegt. Und dem kann Erak’s Stimme einfach nicht standhalten. Vielleicht traut sich der begabte Gitarrist zu viel zu und versucht seine Stimme in Höhen zu bringen, in die sie niemals vordringen kann. Jedenfalls nervt das Gejaule des Frontmannes beizeiten gehörig und sorgt unfreiwillig für den ein oder anderen Fremdschäm-Moment. Als Tiefpunkt des Albums sei an dieser Stelle „Empty the Clip, The King has been slain, long live the Queen“ genannt. Das hat nicht nur einen bescheuerten Titel, sondern auch einen Thomas Erak, der es mit seinem schrecklichen Falsett-Gesang endgültig auf die Spitze treibt. In vielerlei Hinsicht ist das neue Album also gar nicht so unähnlich wie „Manipulator“ – ein Auf und Ab, mit Highlights und vielen Ausfällen. Allerdings sind die schwächeren Stücke auf „In the Unlikely Event“ nicht nur vielzähliger, sondern zumeist auch komplett für die Tonne. Die coolen Gitarrenlicks, die immer wieder druckvollen Rhythmen, die paar eingängigen Refrains und das richtig gelungene „People and their Lives“ können das Gesamtpaket leider nicht rausreißen. Es steht fest: „In the Unlikely Event“ ist der schwächste Output des, eigentlich so talentierten, Trios. Eigentlich schade – selbst wenn man es im Gefühl hatte. 4/10
Captain Planet – „Inselwissen“ (Unterm Durchschnitt)
4. November 2009
Man kann eine Platte anhand von so vielen Faktoren bewerten. Sei es die Technik mit der die Musiker ans Werk gehen, der Sound der im Aufnahmestudio zusammengezimmert wurde, die Tiefe der Texte samt deren Lesefluss oder die Zusammensetzung der Tracklist. Ist ein Album nur eine Aneinanderreihung von netten Songs oder kommt am Ende ein rundes Gesamtwerk bei raus. Oder lebt es, im schlimmsten Falle, nur von seinen drei Überhits, während der Rest einfach stinkt? Nicht zu vergessen seien Dinge wie Innovationswut, rüberkommende Energie oder schlicht Sympathie für die jeweilige Band. Haben wir schon die Vocals erwähnt? Die zerstörten schon viele Platten! Manchmal… ja, manchmal tut dies alles nix zur Sache. Dann, wenn es einfach nur um das Gefühl einer Platte geht. Captain Planet sind so eine Band, die etwas ganz Besonderes an sich hat. Vielleicht nennt man es einfach „Charme“. Zumindest ist es das, was diese Platte ausmacht. Musikalisch bietet „Inselwissen“, genau wie sein Vorgänger, nicht sonderlich viel Herausragendes. Das ist Emopunk auf deutsch! Allerdings klauen Captain Planet ihre Songs nicht einfach von irgendwelchen amerikanischen Bands und übersetzen deren englische Texte ins Deutsche. Viel eher scheinen die Hamburger von ihrem eigenen Umfeld beinflusst worden zu sein. Denn gewissermaßen ist Captain Planet für die Leute gemacht worden, denen Tomte und Kettcar immer zu uncool waren. Mehr Punk, mehr Direktheit! Weniger intellektuell klingen wollende Poesie, weniger hornbrillentragende Studenten! Die Texte sind greifbar und einfach, klingen aber niemals stumpf, sondern punkten durch enorm viel… Charme! Ständig wird man selbst angesprochen. „Nur so spürst DU dass DU alles kannst“ / „DU weißt es nicht“ / „DU hast’s gesehen“ / „Suchst nach der Form die DU sein wilst“. Das macht den Captain zum perfekten Beifahrer auf sonst so einsamen Autofahrten. Und wenn sich das hübsche Mädel vom Supermarkt endlich mal abholen lässt, dreht sie den Lautstärkeregler, den man höflichkeitshalber vorher zurückdrehte, von selbst wieder hinauf! „Inselwissen“ ist somit mehr als nur ein weitres Album, das man irgendwo einordnen oder irgendwie bewerten muss. Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, warum sämtliche Reviews zu dieser Platte ebenfalls so putzig in der „DU“-Form geschrieben sind. Um meiner Linie nicht komplett untreu zu werden, seien ein paar trockene Fakten doch noch erlaubt: „Inselwissen“ ist eigentlich genauso wie „Wasser kommt, Wasser geht“. Qualitativ schenken sich die beiden Alben nicht viel. Durch die druckvollere Produktion gefällt mir der Sound auf „Inselwissen“ etwas besser. Allerdings denke ich, dass Captain Planet noch nicht da angekommen sind, wo sie hinkommen könnten. Denn vom Gefühl her folgt nach zwei mitreißenden Songs noch immer ein nur ordentliches Stück. Aber nicht mal das kann am Wert dieser Platte rütteln. Schließlich könnte man den Obersympathen aus dem hohen Norden ewig zuhören. Schlussfolgerung: diese Platte wächst einem ans Herz! Unterstütze DU den Captain! 8/10
This City – „We were like Sharks“ (Epitaph)
3. November 2009
Ich finde die Myspace-Seite von This City einfach klasse! Ich kann mir dort Videos der Jungs anschauen! Ich kann mir einen Bonus-Track runterladen! Es gibt sogar einen Flash-Banner, den ich, nebenbei erwähnt, auf meinen Blog bald einbauen werde! Nicht zu vergessen seien die coolen Fotos meiner neuen Lieblingsband! Ach Gott, ich könnte Stunden auf dieser Seite verbringen! Nur Klingeltöne gibts keine. Menno, das ist echt mal doof! Nicht falsch verstehen! This City sind nicht der Untergang des Morgenlandes. Sonst hätte ich mir ihr Debütalbum „We were like Sharks“ auch nicht komplett durchgehört. Was das Image und die ganze Aufmachung angeht, sind es aber genau solche Bands, die dafür sorgen werden, dass Hardcore in ein paar Jahren absolute Pop-Musik wird. Auf erwähnter Seite steht, dass This City klingen wie eine Mischung aus At the Drive-In und Bloc Party, mit ein paar Elementen von den Blood Brothers (!) und 80er-Dischord-Bands (!!!) . Dieser Vergleich ist so ungefähr der schlechteste den ich seit langem gehört habe! Einzig und allein der Sänger versucht ansatzweise so zu klingen wie Cedric Bixler anno dazumal. Allerdings singt er weder, noch schreit er. Viel eher würde ich sagen, dass der Typ einfach nur spricht. Das natürlich etwas lauter und aufgebrauster, aber nie so extrem, dass sich irgendeiner dran stören könnten. In jedem Fall ist der junge Mann unheimlich bechränkt und schafft es gerade in den, zig vorhandenen, melodiösen Parts nicht die Stimmung des Songs einzufangen. Vocals und Musik passen zumeist schwer zueinander. Abgesehen davon, nervt das Pudel-Gebelle auf Dauer ungemein. Musikalisch könnte man This City als extrem poppige Version von Bands wie Billy Talent oder noch besser Disco Ensemble bezeichnen. Sowohl die dort noch vorhandenen Kanten, als auch die Energie und das Gespür für gute Hooks blieben allerdings auf der Strecke. Und wenn hier mal wirklich etwas hängen bleibt, dann hat das damit zu tun, dass der Refrain in jedem Song gefühlte 50 mal wiederholt wird. Auch der, meiner Meinung nach, beste Song, die Single „We move“, leidet unter diesem Problem. Während die zwei, drei anderen, etwas schnelleren Songs noch akzeptabel sind, sind es besonders die melodiösen, im Midtempo versumpfenden, Nummern, die für Grauen sorgen. Und die Halbwertszeit der ganzen Platte dürfte geringer sein als die von einem Liter Milch. Bleibt nur noch eine Frage: Wo zum Kuckuck bleibt jetzt der Klingelton? Kann doch nicht so schwer sein, Meeeenschhhh!! 3/10
Kidcrash – „Snacks“ (Denovali/Init)
2. November 2009
Es ist ein Kreuz mit der Erwartungshaltung. Wenn eine Band eine Platte veröffentlicht, die in kürzester Zeit zu seinen persönlichen Lieblingen aufsteigt, freut man sich natürlich wie Bolle auf das nächste Werk. Kidcrash gelang dies vor zwei Jahren mit „Jokes“, einem epochalen Werk zwischen frickeligen Arrangements, bezaubernden Emo-Melodien und kurzen Screamo-Ausbrüchen. „Snacks“ ist nun alles andere als ein schlechtes Album geworden, kann mit seinem Vorgänger aber keineswegs mithalten. Man kommt als schreibender Musikliebhaber natürlich nicht davon weg, Vergleiche anzustellen. Wobei es fast unfair wäre die beiden Alben gegenüberzustellen. Zu unterschiedlich sind sie sich nämlich. Ein Lob muss man Kidcrash dafür aussprechen, dass sie sich erneut neu erfunden haben – der neue Sound ist für meine Begriffe um einiges weniger zugänglich. Ja, auch „Jokes“ war verworren, ging dabei aber immer auf ein Ziel zu. „Snacks“ hört sich öfter nach einem einzigen Jam an. Musikalisch geben sich Kidcrash jedenfalls weiterhin dicht wie eh und je. Man kann den vier Jungs keinen Vorwurf machen, sie beherrschen ihre Instrumente. Das Problem mit den sieben neuen Stücken ist aber, dass sie zu selten in eine Richtung gehen. Drummer Buster zeigt abermals wie begnadet er ist, genauso wie die beiden Gitarristen, die ständig auf Achse sind. Jede Sekunde des Albums klingt unglaublich kompakt. Dabei fehlen aber die durchgängigen, epischen Melodien und die straighten Beats, die es auf dem Vorgänger noch zu Hauf gab – von den Hooks ganz zu schweigen. Zu oft gehen die vier Musikanten in eine andere Richtung, statt gemeinsam den Song voranzutreiben. Zu oft erklingen sie alle, statt eine der Komponenten, sei es die Drums oder die Vocals, in den Mittelpunkt zu rücken. Die eben angesprochenen, nun häufiger auftretenden, Vocals geben der Platte leider auch nicht den nötigen Kick. Da war das „wenig, aber intensiv“-Motto von „Jokes“ um einiges aufregender. Auf dem Konzert neulich stimmten Aussitot Mort übrigens die markante Eröffnungsmelodie vom „Jokes“-Opener „Turtlephant“ an – sowas fehlt auf „Snacks“ leider zu oft. Ein gutes Beispiel dafür ist „Sleeper Wave“, das ziemlich spannend aufgebaut ist, aber am Ende irgendwie auf den Höhepunkt vergisst. Da flossen die alten Stücke einfach besser ineinander. Ziemlich viel Kritik für die neue Platte einer Lieblingsband?! Ja und doch hat „Snacks“ seine Momente! Besonders die A-Seite bietet ein paar Highlights, wobei hier „Where Nerves were“ und „Grim Collections“ meine Favoriten sind. Gelingt es einem die Platte für sich zu betrachten, bekommt man ein ordentliches, musikalisch zwar anspruchsvolles, aber gleichzeitig auch entspanntes Album. Musik für den Moment, statt solche die vollgepackt ist mit tonnenweise Hooks und Ohrwurm-Melodien. Sicherlich wird das neue Album seine Freunde finden, im Vergleich zu „Jokes“ allerdings… naja, das hatten wir ja schon. Erwartungshaltung und so… 5/10
At the Drive-In-Retrospektive
31. Oktober 2009
Torsten Meyer hat auf seiner Webseite „Unartig“ eine beeindruckende Retrospektive über At the Drive-In zusammengestellt. Sie umfasst 6 volle Sets, die die Band zwischen 1999 und 2001 in Deutschland gespielt hat. U.a. das vorletzte Konzert überhaupt, sowie ein abgedrehtes Konzert in einer viel zu kleinen Bar.
The Great Disappointment – „s/t“ (DIY)
30. Oktober 2009
Obwohl Vorarlberg das zweitkleinste Bundesland in Österreich ist, hat es in den letzten Jahren immer wieder HC-Bands ausgespuckt, die auch über ihre lokalen Grenzen hinaus bekannt wurden. Within Walls sind wohl das beste Beispiel dafür, bekamen sie letztes Jahr doch viele lobende Worte unserer deutschen Nachbarn. Wie erwähnte Band kommen The Great Disappointment aus Dornbirn. Musikalisch sind sie aber eher mit, den ebenfalls aus Vorarlberg stammenden, I not dance verwandt. Screamo und Emo ist vielleicht der Grundstein - The Great Disappointment schaffen es aber die Grenzen davon auszuloten. Was rumkommt, ist ein überraschend facettenreiches Album, mit keinerlei Berührungsängsten. Beim Opener „Himsa pt. 1&2″ meint man noch, es mit einer weiteren Platte irgendwo zwischen Screamo und Postrock zu tun zu haben. Dissonante Schreiparts und eine Wall of Sound wechseln sich ab mit ruhigen, melancholischen Teilen. Das Ende des Stückes fließt perfekt ineinander mit dem giftig beginnenden „Walls“, das schon kurz darauf wieder eine dieser traurigen Melodien bietet. Zum Ende hin wird der Song ryhtmisch und fast schon tanzbar, bevor er abrupt und zerrissen beendet wird. Zur Abwechslung kommt folgendes „Of Life and Afterlife“ schnörkellos und düster daher – bis mit dem Interlude „The Wonderful Wizard of Oz“ wieder Ruhe einkehrt. „Flesh & Bones“ kann man einfach nur als „schön“ bezeichnen. Das Stück enwickelt sich über eine epische Melodie und diesen geilen, At the Drive-In-mäßigen Gitarren hin zur absoluten Ruhe… bis der Chorus einsetzt, der den kurzen, aber alles sagenden Text erklingen lässt: „we are. only. flesh and bone“. Genial wäre es natürlich gewesen den Song noch etwas auszudehnen und die Lyrics am Ende von einem zig-Kehlen-starken Chor intonieren zu lassen. Es bleibt reduziert und melancholisch. Der hohe, etwas schiefe Gesang zu Beginn von „Thy Kingdom come“ ist zwar etwas fragwürdig, doch kurz darauf kommt die Band mit einem donnernden Groove um die Ecke, der mich von den Gitarren her an Kenzari’s Middle Kata erinnert. Das französisch betitelte Instrumental zeigt abermals eine neue Klangfarbe und könnte auch von Godspeed you! Black Emperor stammen. Danach verlieren mich The Great Disappointment, ganz ehrlich gesagt, etwas. Der dissonante Beginn von „…that will lead us home“ lässt zwar aufhorchen, aber in den letzten drei Stücken schaffen es die Vorarlberger nicht mehr einen draufzusetzen. Auch der Closer „Dorothy“ endet etwas zu üblich. Das schadet dem Gesamteindruck des Albums aber nicht sonderlich. Im Gegenteil! Denn dieser ist mit die größte Stärke hier. The Great Disappointment haben sich hier wirklich Gedanken über die Tracklist gemacht und es, im Gegensatz zu so vielen anderen Bands heutzutage, geschafft ein ganzes, in sich geschlossenes, Album zu schreiben. Die Übergänge zwischen den einzelnen Songs, sowie die Stimmungswechsel sind teilweise wirklich fantastisch. Eigentlich richtig schade, dass man sowas nicht über seinen Plattenspieler anhören kann. Aber vielleicht wird das ja noch was. Wer bis dahin nicht mehr warten kann, der lädt sich das Album am besten hier herunter. Nebenbei erwähnt, bittet die Band sogar darum… 7/10
Dominic – „Nord“ (Denovali/Great Northern/Not another Record Label)
29. Oktober 2009
Dominic aus Norwegen sind nun auch schon ein paar Jährchen dabei. Und dank regelmäßiger Besuche in Deutschland und Österreich, sollten sie in unseren Breitengraden auch schon einige Anhänger haben. Nachdem man Anfang des Jahres einen kleinen Appetizer in Form eines Splits mit The Third Memory veröffentlichte, ist seit kurzem endlich das zweite Album draußen. Schon nach dem ersten Durchlauf wird klar, dass Dominic gereift sind und um einiges subtiler ans Werk gehen als früher. Den Opener „End of Man“ kennt man schon, war er doch auf dem Split drauf. Und irgendwie höre ich zwischen dem „Nord“-Opener und dem Opener der ersten LP einige Parallelen raus. Ja, eigentlich ist „End of Man“ sogar ähnlich strukturiert wie der Überhit „Time to change“ – statt auf Power-Chords und pumpende Rhythmen zu setzen, zentralisiert er aber eine immer wiederkehrende, hängenbleibende Melodie. Selbst wenn „End of Man“ nicht so tanzbar ist wie sein drei Jahre alter Vorgänger, ist es symbolisch für das ganze Album. „Nord“ geht subtiler zu Werke als das erste Album. Die Rhythmusabteilung ist so kompakt wie eh und je, steht aber nicht mehr so sehr im Mittelpunkt. Auch das Geschrei ist gezügelter, dabei aber stets präsent. Der Sound wirkt voller, detailverliebter und im Endeffekt dann auch um einiges atmosphärischer. Dabei ist es überraschend wie düster „Nord“ im Endeffekt geworden ist – über dem ganzen Album hängt ein dunkler Schleier, der aus melancholischen bis trostlosen Melodien und befremdlichen Gitarrenarrangements gestrickt wird. Gut ist, dass Dominic, trotz allem künstlerischen Anspruch, nie auf den richtigen Beat, den richtigen Hook oder den richtigen Refrain vergessen. Vielleicht ist es das, was „Nord“ so besonders macht – es ist melancholisch und atmosphärisch, dabei aber niemals ruhig, zäh oder ausschweifend. Alles findet hier innerhalb der üblichen drei Minuten seinen Platz, bleibt schwungvoll und dabei trotzdem anspruchsvoll. Die Texte vermitteln ein ähnliches Gefühl wie die Musik, sind aber stets aufrichtig – egal ob Kritik an der Gesellschaft, der Politik oder dem System an sich ausgeübt wird. Interessant ist dabei, dass die Texte fast durchwegs aus gereimten Zeilen bestehen. Statt plump zu klingen, hören sie sich aber äußerst durchdacht an. Wie z.b. in „Get rich and die trying“, indem es heißt: „Pick a side. Fight or hide. Take a stand. Truth or dare. Cuts the air. The End of man.“. Solche Zeilen fließen einfach wunderbar ineinander. Vorallem im Gestamtpaket ist Dominic mit „Nord“ ein großer Sprung nach vorne gelungen. Das zweite Album ist nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch reifer, vielschichtiger und versierter. Ein gutes Beispiel dafür ist auch das spannende Instrumental „Loss of Breath“, das in grandioser Art und Weise mit dem Closer „Ink for Bullets“ verschmilzt. Die darin verwendeten Worte sind auch nur allzu passend für „Nord“: „Writing straight from my beating heart for a world gone cold and hard. Raise my voice to a screaming spark to rise truth from the dark. Done with shooting blanks. Now i use ink for bullets.“. 8/10
Neues Jahr, alte Gewohnheiten…
29. Oktober 2009
Wie ich immer zu sämtlichen Freunden, Kollegen und Verwandten sage: den einzigen Geburtstag den ich nicht vergesse, ist mein eigener! Denn traditionell hab ich natürlich auch in diesem Jahr den Geburtstag meines eigenen Blogs vergessen. Am 27. Oktober, vor gerade mal zwei Tagen, war es nämlich soweit: er wurde stolze 4 Jahre alt! Vielen Dank an jeden der hier vorbeiklickt… ob auf der Suche nach neuen Bands oder einem guten, ungarischen Fick.
Ich setz mir schon jetzt mal den Reminder für nächstes Jahr – denn 5 Jahre müssen ordentlich gefeiert werden!
Aussitot Mort, Kidcrash & Denmark im Kafe Kult
28. Oktober 2009
Anno 2007 sollten Kidcrash eigentlich schon ins Kafe Kult kommen. Aus irgendwelchen Gründen wurde die Show gecancelt. Gestern hat’s endlich geklappt!
Die Besucherkulisse am gestrigen Dienstag war ziemlich enttäuschend. Zu Kidcrash hin wurden es zwar eine Handvoll mehr Leute, mehr als 30 bis 40 zahlende Leutchen dürften’s am Ende aber nicht gewesen sein. Schade eigentlich, bei so einem starken Paket.
Beginnen durften den Abend Denmark aus Augsburg. Anscheinend musste man sich, aufgrund einer gleichnamigen ungarischen Band, noch kurzfristig umbennen – denn angekündigt waren die vier Jungs immer als Kernel Panic. Nichtsdestotrotz kannte ich die Band vor dem Konzert nicht. Doch mit den paar Stücken die sie darboten durften, haben sie mich absolut überzeugt – das war druckvoller, verspielter Post-Hardcore im Stile von Kenzari’s Middle Kata oder Trip Fontaine. Wieder mal ein Beispiel dafür, dass die bayrische Musiklandschaft zumeist unterschätzt wird. Denmark haben übrigens schon eine 4-Track-Ep draußen.
Nicht Aussitot Mort, sondern Kidcrash machten weiter. Die Qualitäten der Band sind onehin bekannt – und live klingt das Ganze noch einen Tacken intensiver als auf Platte. Es macht vorallem Spaß Buster, dem Drummer, bei seinem Handwerk zuzuschauen. Unglaublich was der gute Mann drauf hat! Da ist es auch erlaubt, wenn man nach dem Konzert ein vollgeschwitztes Shirt hat. Aber auch die anderen drei sind, zusammen mit dem Drummer, hervorragend eingespielt. Kidcrash sind einfach unglaublich tight! Bis auf ein Stück, gab’s übrigens nur neues Material vom Album „Snacks“. Obwohl das musikalisch beeindruckend war, fehlten etwas die Höhepunkte – aber dazu mehr im Review zu „Snacks“.
Abschließen durften die Franzosen von Aussitot Mort – und das zurecht! Waren sie für mich doch der Gewinner des Abends. Ich war wirklich gespannt ob sie die Virtuosität und den Perfektionismus, der ihr letztes Album auszeichnete, auch live rüberbringen… und muss sagen, ja! Sie schafften es! Aussitot Mort kreierten atmosphärische Soundlandschaften zwischen zerstörerischen und ruhig-sphärischen Passagen. Auch hier muss man den Drummer hervorheben. Zu den Highlights zählten die beiden Stücke, in denen er selbst ins Mikrofon brüllte – und das so barbarisch wie ein Wildschwein zur Brumftzeit! Im Übrigen spielten die Franzosen auch zwei neue Stücke, welche mehr als vielversprechend klangen. Ich schätze mal, dass man nächstes Jahr neues Material der Band erwarten kann.
Summa Summarum ein sehr gelungener Abend, mit drei sehr starken Bands. Auf bald!
Horse the Band – „Desperate Living“ (Vagrant)
28. Oktober 2009
Selbst wenn Horse the Band aktuell nicht mehr ganz zufrieden sind mit „A Natural Death“ und es als „gezwungen“ und „gefühlslos“ bezeichnen, denke ich über das letzte Album der Band ganz anders. Klar, es war vollgepackt mit Einflüssen und Songs die konträrer kaum sein sollten, suhlte sich dabei in allerlei Soundscapes. Für meine Begriffe ging der Mix aus atmosphärischen Interludes, typisch durchgeknallten Parts und poppigen Hooks aber hervorragend auf. Außerdem schwebte über allen Songs der Gedanke des Wild West-Konzepts. Ich fands auf jeden Fall sehr frisch und unterhaltsam. Das neue Album „Desperate Living“ folgt einigen Pfaden, die der Vorgänger vorgab, etwas konkreter. Selbst wenn es bescheuert wäre, Horse the Band nun als erwachsen oder ernsthaft zu bezeichnen… nunja, zumindest die Musik ist das in vielen Teilen definitiv. Wo es sich früher alles darum drehte möglichst wahnsinnige Songs zu kreieren, da geht man nun etwas songdienlicher und abgespeckter zu Werke. Schon der Opener „Cloudwalker“ macht dies klar. Trotz des angeschrägten Beginns verläuft das Stück nie aus dem Rude und erinnert mit seinen Crew-Shouts zum Ende hin fast etwas an Enter Shikari. Der Titelsong „Desperate Living“ gibt dann relativ früh die Richtung vor in die das Album gehen wird. Herausstechen tun vorallem die Keyboard-Sounds, die in ihrem Volumen eher an 80er-New-Wave-Acts denn an Nintendo-Gedüdel erinnert. Letzteres findet man zwar immer noch, tendenziell geht man mit den elektronischen Elementen dieses Mal aber in eine ernsthaftere Richtung. Das Keyboard wird zentralisiert und darf öfter denn je alleine im Raum stehen, statt als Begleitmusik zu fungieren. Weitere Highlights sind etwa „Science Police“, das vielleicht sogar das poppigste HTB-Stück überhaupt ist und einfach nur zum Tanzen anregt. In der inoffiziellen Bandhymne „Horse the Song“ zeigt die Band, wie vielschichtig sie ist. Der Song ist zwar ebenfalls ein perfekter Partysong und dürfte schnell zum Live-Liebling (ich sage nur „1-2-3, H the B!!!“ ) mutieren, bietet zum Ende hin aber auch diese atmosphärischen Synths. Überhaupt verstehen es Horse wieder hervorragend für zig Überraschunge zu sorgen. Aus dem anfangs ziemlich verschrobenen „Shapeshift“ schält sich zum Ende hin, wie aus dem Nichts, eine unglaublich hitverdächtige Melodie hervor. So ungefähr läuft es mit den meisten Songs auf „Desperate Living“ ab. Zwar bietet es eine ähnliche Mischung wie sein Vorgänger, wirkt musikalisch gesehen aber noch etwas dichter und versierter. Die Athmo-Parts sind nun etwa gut in die Songs verpackt, statt leer im Raum zu stehen. Außerdem ist „Desperate Living“ trotz seiner, für Punk-Verhältnisse, statttlichen Spielzeit von 54 Minuten unglaublich kurzweilig. Es gibt zwar zwei, drei Songs, die dezent abfallen. Doch das kann man verkraften. Gerade weil es mit „Rape Escape“ einen epischen Abschluss gibt – selbst wenn der richtige Closer erst kurz danach mit „Arrive“ folgt. Inhaltlich lässt sich über das neue Horse-Album sagen, dass über dem Gesamtpaket kein grundsätzliches Thema mehr schwebt… doch auch „Desperate Living“ macht schnell klar, in welche Richtung HTB gehen wollten. Das Zitat aus „Horse the Song“ gibt dies wohl am Besten wider: „Living at the top, when you’re at the fucking bottom“. Anscheinend ist das Album, inhaltlich gesehen, stark durch die Welttournee der Band geprägt worden. Die im Booklet enthaltenen Pics sind wohl auch aus dieser Zeit. Im Großen und Ganzen kann man nur begrüßen, dass es Horse geschafft haben wieder mal anders zu klingen, sich dabei ihre Markanz aber beizubehalten. Welches ihrer Alben nun am Besten ist, ist wohl Geschmackssache. Fakt ist, dass Horse the Band immer noch unglaublichen Spaß machen! 8/10
Touche Amore – „To the Beat of a Dead Horse“ (6131/Collect)
22. Oktober 2009
Touche Amore ist eine relativ neue Band aus Los Angeles, die mir fast entgangen wäre. Was ich zu allererst an dieser Band liebe ist, dass sie sich relativ schwer einordnen lässt. So wie es scheint kommen sie aus der starken kalifornischen Screamo-Szene um Comadre und Loma Prieta… gleichzeitig wird man aber auch von Thursday’s Geoff Rickley unterstützt, der die Band nicht nur mit auf Tour nahm, sondern auf ihrem Debütalbum auch einen Gastauftritt hat. Und um die Verwirrung perfekt zu machen, kommt Modern Life is War-Shouter Jeff Eaton zur selben Ehre. Doch irgendwie ergibt all das einen Sinn. Klingen Touche Amore auf „To the Beat of a Dead Horse“ doch sehr eigenständig und vielschichtig - Modern Hardcore ist der größte Bestandteil, wird aber mit Screamo-Facetten und emo-mäßigen Melodien zusammengeführt. Dazwischen ist noch Platz für reduzierte, atmosphärische Passagen und zig hitverdächtige Hooks. Der Opener „And now it’s mine“ marschiert dabei mit höherem Tempo und einer melancholischen Melodie nach vorne, um zum Ende hin in sich zusammenzubrechen. Es bleibt keine Verschanufspause, folgt kurz darauf doch „Honest Sleep“, das dreckig startet, aber in der Mitte zu einem epischen Part ansetzt. Der Schlusschor („i’m loosing sleep, i’m loosing friends, got a love hate love with the city I’m in…“) reißt dermaßen mit, dass man schon nach dem dritten Durchlauf lauthals mitschreien muss! Ich denke „Honest Sleep“ könnte für Touche Amore auf Konzerten das werden was „Hit me up on my Celly Cell“ für Comadre ist. Man kann sich direkt vorstellen wie der Chor aus zig geprügelten Kehlen rausgequetscht wird. Das anschließende „Cadence“ bietet den zweiten, wirklich grandiosen, Chor, der passend zum Albumtitel verlauten lässt „I am marching to the Beat of a Dead Horse!“. Ganz anders klingt da schon „Throwing Copper“, das im Midtempo verläuft und stark auf düstere Atmosphäre setzt. Auffällig ist natürlich auch „Histroy reshits itself“, indem Geoff Rickley zu seinem Auftritt kommt. Nicht nur wegen dem mal geschriehenen, mal markant gesungenen Part von Rickley erinnert der Song an Thursday – nein, auch die melancholische, aber irgendwie auch hoffnungsvolle Leadgitarre erinnert an die Band des Supporters. Die B-Seite wird eröffnet vom intensivsten Vocal-Part des Touche Amore-Sängers, indem er mit verzweifelter, rauchiger Stimme „the sinking feeling when you’re not yourself: searching for a reason for some kind of help, but all that comes is empty promises and feeling anxious and useless…“ in den Raum wirft. Das simpel betitelte „Nine“ beweist, dass Touche Amore auch in schlappen 44 Sekunden perfekt auf den Punkt kommen können. Genauso wie es „Always running never looking back“ schafft in etwas über zwei Minuten eine unheimliche Epik zu erzeugen. Hier hört man übrigens Jeff Eaton, der allerdings weniger auffällt wie Rickley zuvor. Das abschließende „Adieux“ führt dieses makellose Debütalbum zum perfekten Abschluss. Hier heißt es: „i was not born with a strong voice, it’s never been one to boom. But I’ll be damned to go out quiet, if it’s the only thing I’ll lose“. Unaufdringlich, beinahe abrupt, aber auch höchst atmosphärisch und über allem thronend schließen die Kalifornier ihr Album ab. Es ist beeindruckend wie viel in gerade mal 18 Minuten und 32 Sekunden passieren kann! Touche Amore gehen musikalisch und von der Aussage her zwar in eine ähnliche Richtung wie Modern Hardcore-Bands a la Modern Life is War oder Ruiner, schaffen es aber durch ihre kurzen, aufregenden Songs und ihr intelligentes Songwriting völlig eigenständig zu klingen. Hinzu kommen Seiten, die an Screamo-Bands wie Battle of Wolf 359, Orchid oder Comadre erinnern – vorallem bei den Melodien und den verzweifelten Vocals machen sich diese bemerkbar. Auf jeden Fall gehen Touche Amore wesentlich emotionaler als die meisten modernen HC-Bands zu Werke, ohne ihre Lyrics dabei übertrieben persönlich zu gestalten. Die Texte sind immer noch in genug Metaphern und erinnerungswürdige Poesie verpackt, als dass es zu konkret wird. Dabei pendelt „To the Beat of a Dead Horse“ ständig zwischen Verzweifelung, Hass und einem Funken Hoffnung – und DAS fühlt man hier in jeder beschissenen Sekunde! 9/10
Brand New – „Daisy“ (Interscope/Universal)
15. Oktober 2009
„The Devil and God are raging inside me“ – was war das für ein Album! Über die Qualität des letzten Brand New-Werkes lässt sich sicherlich debattieren. Der Status als absolute Konsensplatte ist aber unbestritten. Schließlich schafften es Brand New jede mögliche Sparte zu Begeisterungsstürmen zu animieren - Kritiker, Kommerzhörer, tighte Leute die sonst nur unbekannte Bands mit kryptischen Namen hören und alles dazwischen. Umso überraschender ist es, dass es Brand New weder sich selbst, noch den Käuferschichten leicht machen. Denn schon nach dem ersten Durchlauf wird klar, dass „Daisy“ höchstens aufgrund der vorhandenen Reputation mit seinem Vorgänger mithalten kann. Aber auch hier spreche ich hauptsächlich für die Allgemeinheit. Mir persönlich sagt „Daisy“ nämlich mehr zu. Die Platte ist mit Sicherheit schroffer und weniger zugänglich als „The Devil and God are raging inside me“. Aber von einer übertriebenen Vertraktheit zu sprechen, wäre übertrieben. Schon nach drei, vier Durchläufen kristallisieren sich viele viele Hits heraus. Vielleicht sind diese nicht so große wie die besten Stücke auf „Devil“, doch als Gesamtwerk funktioniert „Daisy“ prächtig. Mein größtes Problem beim Vorgänger war die Tatsache, dass einige Songs schlicht zu lange dauerten und deswegen auch einiges an Leerlauf vorhanden war. Grad zum Schluss hin wurd mir die Angelegenheit zu zäh. „Daisy“ ist da um einiges kompakter. Statt einer knappe Stunden werden die elf neuen Songs in etwas über 35 Minuten rausgeballert. Und nicht nur das, nein! Brand New schaffen es in dieser kurzen Zeit auch wesentlich facettenreicher und abwechslungsreicher denn je zu klingen. Keine der Nummern artet in Stakkato-Gefummel aus oder lässt einen zu lange im Dunkeln rumtappen. Ein interessanter Part folgt auf den nächsten. Dabei kommt nicht mal annähernd Langeweile auf. Ich kann verstehen, wenn einige meinen, dass „Daisy“ nicht mehr so „groß“ ist. Das stimmt irgendwie auch. Ein paar Nummern klingen, im Vergleich zu den epischen Brechern auf „Devil“, geradezu zerrissen und fragmenthaft – gerade die lauteren Fetzen. Doch im Grunde bleiben sich Brand New gerade mit ruhigeren Stücken wie „You stole“ oder dem Titelstück „Daisy“ doch relativ treu. Nur sind diese nicht mehr so übertrieben aufgeblasen. Auch Songs wie „Bed“, „Bought a Bride“ oder „Noro“ bieten diese melancholische, düstere Atmosphäre, die man von der Band liebt. Nur finden sich in diesen Songs nun halt auch ein paar schrägere Parts. Das sorgt aber nicht dafür, dass sie unzugänglich wären – im Gegenteil, sie geben der Platte mehr Kanten, mehr Charakter. Und dann wären am Ende noch die heftigeren Stücke, die einfach perfekt mit den ruhigen Stücken harmonieren. Das giftige „Vices“, das an eine Kombination aus 108 und Glassjaw erinnert, an den Anfang zu stellen, ist dabei natürlich eine geniale Entscheidung. Hier sieht man wie Brand New mit den Erwartungen spielen. So angeschrägt und „hart“ klingen die anderen zehn Stücken aber niemals. Wenn in „Gasoline“, „Sink“ und „In a Jar“ auch etwas geschriehen wird. Doch, was soll ich sagen? Selbst das beherrscht der wandlungsfähige Jesse Lacey perfekt. Überhaupt vollbringt er auf „Daisy“ seine stärkste Sangesleistung! Im Großen und Ganzen ist „Daisy“ ein überraschend mutiges, doch genauso gelungenes Album geworden. Es besitzt neben größerem musikalischen Gespür auch seinen völlig eigenen Charakter. Definitiv kann sich dafür nicht jeder so begeistern… doch wem beim Vorgänger die Leerläufe störten und die eingeschränkte Abwechslung fehlte, der könnte mit „Daisy“ richtig glücklich werden. 8/10
Ruiner – „Hell is empty“ (Bridge 9)
9. Oktober 2009
Schon ihre ersten Veröffentlichungen zeigten, dass Ruiner im Hardcore-Bereich zu den hoffnungsvollsten Bands zählen. Trotzdem fehlte sowohl den EPs, als auch dem ersten Album der letzte Kick. Wirklich viel hab ich mir vom zweiten Langspieler dann auch nicht erwartet – umso mehr beeindruckt bin ich, wie stark sich Ruiner entwickelt haben! „Hell is empty“ ist definitiv anders. Was zuerst auffällt, ist der Sound. Als Produzenten schnappte man sich übrigens weder Jay Maas, noch Kurt Ballou oder Jim Siegel. Nein, es war J. Robbins. Und dass der in dieser Sparte schon große Arbeit verrichtete, zeigen die letzten Alben von Paint it Black, Modern Life is War oder Killing the Dream. Typisch Robbins verstand er es Ruiner einen Sound zu verpassen, der einerseits aufgeräumt und reduziert klingt, andererseits aber mit viel Wucht, Aggression und Dreck wieder beschmutzt wird. Auf jedenfall passt das neue Klangbild besser zu Ruiner als ihre alten, etwas matschigen Aufnahmen. Nicht vergessen sollte man dabei, dass die Produktion hervorragend zu den Songs der Band passen. Denn auch hier haben sich Ruiner relativ stark verändert. Wo man auf den EPs auf Tempo setzte und „Prepare to be let down“ atmosphärische Parts mit Knüppelnummern mischte, da agiert man auf „Hell is empty“ viel songorientierter. Endlich gibt man den Stücken auch ihre durchschnittlich zweieinhalb Minuten um sich zu entfalten. Stilistisch ist das Ganze dann wesentlich langsamer, rockiger und melodischer. Natürlich gibt’s auch noch ein paar schnelle Passagen… doch sie wurden zugunsten von groovenden Midtempo-Parts stark reduziert. Auch die Melodien sind nun einfach zentraler und vordergründiger, was dem Album noch mehr Hitpotenzial verleiht. „Hell is empty“ klingt einfach frischer und moderner als alles das Ruiner zuvor gemacht haben. Sicherlich siedelt sich das irgendwo zwischen den letzten Werken von Verse und Have Heart an – es hat aber auch sehr viele eigene Charakteristiken. Eine davon ist natürlich Shouter Rob Sullivan. Mit seinem angepissten, aber nie übertrieben brutalem Organ gefiel er mir schon auf den älteren Releases sehr gut – doch auch er profitiert viel vom aufgeräumten Gesamtbild und der gesattelten Geschwindigkeit. Endlich versteht man wirklich jedes Wort von ihm! Und es lohnt sich ihm zuzuhören. Versteht er es doch perfekt seine, zumeist persönlichen, Geschichten zu erzählen. Es ist wirklich beeindruckend wie sehr die Lyrics hängen bleiben. Selbst wenn Sullivan’s Geschichten zumeist „typisch Modern Hardcore“ sind, kommen sie authentisch rüber. Ob das an seinem kraftvollem Gesang oder den starken Texten liegt, lässt sich schwer sagen. Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus beidem. Im Übrigen harmonieren die Vocals nun auch viel besser mit der Musik. Das Zusammenspiel aus heftig pumpenden Rhyhtmen, sägenden Riffs, epischen Melodien und passionierten Vocals funktioniert so gut wie selten zuvor in diesem Genre. Dabei ergeben die einzelnen Fragmene von “Hell is empty“ ein funkelndes Gesamtwerk. Die einzelnen Stücke fließen perfekt ineinander und wirken in ihrer Zusammensetzung sehr homogen – selbs wenn man konträre Nummern wie „Part one“ und „Part two“ nebeneinaner stellt. Das absolute Highlight haben sich Ruiner dann aber für den Schluss aufgespart. „Solitary“ ist ein perfekter Rausschmeißer, in dem nicht nur der Shouter, sondern auch seine Kollegen ihren Höhepunkt erreichen. Über einen Killer-Rhythmus und einer eindringlichen Gitarrenmelodie skizziert Rob Sullivan das Schicksal eines Freundes. Und das in einer derart mitreißenden, emotionalen Art und Weise, dass einem die Spucke wegbleibt. Nur das grandios aufgebaute Finale kann da noch einen draufsetzen. „Solitary“ ist in seinen 3:32 epischer als jeder noch so lange, um Dramatik bemühte, Closer der letzten Jahre. Bei den meisten Platten würde man sagen: der Rest kann da nicht mithalten! Aber das ist hier nicht der Fall! Denn selbst wenn es käsig klingt, aber: auf „Hell is empty“ hat jeder Ton seinen richtigen Platz. Ruiner legten mit ihrem zweiten Album einen fetten Sprung hin… mit Abstand DIE Modern Hardcore-Platte des Jahres! Kaufbefehl! 9/10
Thrice – „Beggars“ (Vagrant)
1. Oktober 2009
Thrice sind wohl ein Musterbeispiel dafür, wie eine Band reifen kann. Vor einigen Jahren gehörten sie nocht zu den Vorreitern der damals explodierenen Post-Hardcore-Bewegung. Wo andere Bands an ihrem Stil festhielten und drei mal das gleiche Album rausbrachten, da entwickelten sich Thrice immer weiter. Nicht immer zum Guten, so fand ich „The Artist in the Ambulance“ doch viel zu glattgebügelt. Doch Thrice zogen ihre Lehren daraus und leiteten schon mit dem darauffolgenden „Vheissu“ eine neue Ära ein. Nach dem experimentellen „The Alchemy Index“ war klar, dass die Band endgültig mit ihrer Vergangenheit gebrochen hatte. Wo der „Fire“-Teil vielleicht noch an alte Zeiten erinnerte, da erschlossen Thrice mit den anderen drei Elementen völlig neue Soundsphären. Gespannt konnte man nun sein, in welche Richtung das erste „normale“ Album seit „Vheissu“ gehen wird. Eins kann man schon nach wenigen Durchläufen feststellen: „Beggars“ fühlt sich, im Gegensatz zum „Alchemy Index“, wieder wie etwas Ganzes an. Die Songs passen von ihrer Gesamtkomposition her perfekt zueinander und vermitteln ein verträumtes, melancholisches und intensives Gefühl. Doch sie können auch für sich stehen und unterscheiden sich in ihren Facetten doch stark voneinander – und das obwohl Thrice eigentlich „nur“ ein Rock-Album aufgenommen haben. „Nur“ heißt so viel, dass man auf die allzu extremen Bestandteile des Index’ verzichtete. Nichtsdestotrotz klingt „Beggars“ am ehesten wie eine Kombination aus „Vheissu“ und „The Alchemy Index“. Ob reduziert und verträumt wie in „Circles“, aufbrausend wie in „Talking through Glass“ oder episch wie in „Beggars“ – doch alles von vorne! Der Opener „All the World is mad“ klingt selbst für Thrice-Verhältnisse ziemlich eigenartig. Einerseits gibt er sich kaputt mit verzerrten Gitarren und einem dreckig singenden Dustin Kensrue – andererseits klingt er, vorallem im Refrain, pompös und erhaben. Ungefähr so könnten Muse heute klingen, wenn sie mehr Eier hätten… nicht zuletzt wegen Dustin’s Gesang, der mich hier glatt an Herrn Bellamy erinnert. Was danach folgt ist einer der besten Songs des Jahres: „The Weight“. Ein anfangs relativ bedachtes, wenngleich auch rockigs Midtempo-Stück, das im hochdramatischen Refrain seine volle Stärke ausspielt. Thrice brauchen anno 2009 keine Lautstärke und kein Geschrei mehr, um tief emotional zu klingen. „Circles“ gibt sich anschließend völlig ruhig, erzeugt aber auch eine sphärische, verträumte Atmosphäre. Schon diese ersten drei Songs zeigen, wie vielschichtig „Beggars“ trotz seiner Reduziertheit klingt. Weitere Highlights sind „In Exile“, das in einer Fan-Abstimmung zur ersten Single gewählt wurde, das schnellste Stück „At the Last“ oder das grandiose „Talking through Glass“, auf dem Kensrue anfangs sogar loskeift, bis sich der Song immer mehr hochschaukelt und in einer überragenden Bridge, dem vielleicht besten Moment auf dem Album, gipfelt! Nicht zu verachten ist auch der epische Rausschmeißer „Beggars“, der die Platte zwar in vorhersehbarer, aber auch nur allzu passender Art und Weise beendet. Natürlich hat „Beggars“ seine Schwächen – diese sehe ich vorallem in den ruhigeren Stücken wie „Circles“, „Wood and Wire“ oder „The Great Exchange“. Während ich an den ersten beiden zumindest noch etwas finde, lässt mich letzteres völlig kalt. Dieses erinnert mich abermals frappierend an Muse – doch leider gefielen mir schon bei den Engländern die ruhigeren Stücke nicht. Zudem passt „The Great Exchange“ atmosphärisch auch nicht wirklich auf die Platte – der einzige, richtige Aussetzer, meiner Ansicht nach. Der Rest passt, zumindest im Gesamtbild, perfekt zusammen. Ja klar, Thrice sind mit „Beggars“ endgültig im großen Rock-Universum angekommen. Bands wie Radiohead oder Muse sind ihnen näher denn je. Im Gegensatz zu diesen besitzen Thrice aber einen Dustin Kensrue. Und dieser ist nicht nur derjenige, der die Verbindung zum alten Stoff herstellt… nein, er macht hier auch den Unterschied aus! Dustin hat seine Stimme hervorragend weiterentwickelt, klingt mal rauchig, mal soulig, mal sensibel, mal aufbrausend, aber stets intensiv - „Beggars“ ist für ihn, als Sänger, sein bisher größtes Werk! Ein weiteres Beispiel für eine konsequente Weiterentwicklung bei Thrice. Und tja, selbst wenn viele immer noch nach einem zweiten „The Illusion of Safety“ schreien werden, ist diese Entwicklung nur allzu logisch. Nicht nur das! Sie fühlt sich auch völlig natürlich, völlig echt an. Ohne Zweifel: eine richtig starke Platte! 8/10
Rika/Everton – „Split“-12inch (Goddamn)
29. September 2009
Dieser Split ist ein schöner Beweis dafür, dass auch in Österreich Emo gespielt wird. Genauer gesagt 2nd-Wave-Emo, der von Bands wie Sunny Day Real Estate, Jimmy Eat World oder Mineral bekannt gemacht wurde. Beginnen dürfen Rika, die teils aus Braunau in Oberösterreich und teils aus unserer Hauptstadt Wien kommen. 2005 gegründet, nahm die Band schon ein Demo und ein eigens produziertes Album auf. Alles in überschaubarer Stückzahl. Dieser Split, der 500 Exemplare umfasst, ist die bis dato größte Veröffentlichung von Rika. Und ehrlich gesagt hat die, mir bis dahin völlig unbekannte, Band auch leicht die Nase vorne gegenüber ihren Split-Kollegen. Ganz im Stile von Mineral oder Christie Front Drive kreieren die vier Herrschaften eine verträumte, melancholische Atmosphäre, wie man sie als Fan dieses Stils liebt. Die Stücke bleiben dabei sehr ruhig – selbst wenn im Opener „Harbor“ auf einen Höhepunkt hingearbeitet wird, geben Rika die Kontrolle nicht aus der Hand. Gut gefällt mir dabei der zurückhaltende, sanfte Gesang. Denn wie wir oft genug gehört haben, können falsche Vocals solche Musik geradezu zerstören – da weiß man die unkitschigen Töne des Rika-Sängers noch mehr zu schätzen. Die Gitarren wiederum verrichten viel atmosphärische Arbeit, mit ausgedehnten Melodien, bringen aber auch schroffere Töne in den Sound. Nach einem großen Alleinstellungsmerkmal braucht man gar nicht erst zu suchen! Rika erfinden das Rad nicht annähernd neu – aber ich habe schon lange nicht mehr eine so gute, makellose Interpreation dieses Sounds und dessen Gefühl gehört. Beide Daumen hoch! Auf der anderen Seite liefern Everton ebenfalls drei Songs ab. Ich weiß nicht warum, aber im Gegensatz zu Rika, habe ich von Everton schon einiges gehört – wenngleich ich mich nie mit ihnen auseinandergesetzt habe. Die vier Wiener brachten es bisher ebenfalls auf zwei Veröffentlichungen – eine EP und ein Album. Beides in Eigenregie. Und stilistisch weichen Everton gar nicht großartig von ihrer befreundeten Band ab. Auch hier erwartet einen verträumter Indie/Emo a la Mineral. Wenngleich es im Sound schon einige Unterschiede gibt. Everton’s Stücke klingen nämlich durchwegs moderner und effektgeladener. Besonders fällt dies bei den Gitarren auf – die Melodien sind auffälliger, vordergründiger und die lauteren Parts sind vielleicht etwas zu glatt. Den größten Unterschied macht dann wohl der Sänger, der dramatischer und weinerlicher klingt, aber seine Sache trotzdem sehr ordentlich macht. Everton sorgen mit „Bluebird“, dessen Finale einfach wunderschön ist, für einen großen Höhepunkt dieses Splits. Nicht nur durch dieses Stück erinnern mich Everton im Endeffekt eher an poppige Genrevertreter wie The Juliana Theory – mir persönlich sagt das Zurückhaltende von Rika etwas mehr zu. Wirkliche Qualitätsunterschiede sind aber nicht auszumachen, weshalb diese Split von meiner Seite aus höchst empfehlenswert ist. Wer Emo/Indie der 90er hören will, der bekommt im europäischen Raum derzeit nicht viel Besseres. 7/10
Get in the Van: On the Road with Black Flag
28. September 2009
„Get in the Van“ fasst die Tagebuch-Einträge von Henry Rollins während seiner Zeit in Black Flag zusammen. Doch dieses Buch ist mehr als eine Aneinanderreihung von Anekdoten. Es schildert auf erschreckend ehrliche Art den Alltag einer frühen Hardcore-Band wider und lässt tief in die Seele einer der größten Charaktere die dieses Bewegung je hatte, blicken. Ursprünglich erschien „Get in the Van“ 1994. Zum 10-jährigen Jubiläum wurde es in einer erweiterten Edition neu aufgelegt.
Das Buch startet in der Zeit, in der Rollins nicht mehr als ein Black Flag-Fan war. Schon damals hielt er die Band für das Beste dass er je auf einer Bühne gesehen hatte. Als Black Flag nach dem Abgang von Keith Morris einen neuen Sänger benötigten, wurde Rollins während einer Show auf die Bühne geholt und konnte dort zeigen, was er drauf hatte. Tage später bekam er einen Anruf aus Los Angeles und wurde somit prompt vom Eisverkäufer zum Frontmann von Black Flag.

Japandroids – „Post-Nothing“ (Unfamiliar/Polyvinyl)
27. September 2009
Japandroids sind ein Lo-Fi-Garagen-Rock-Duo aus Kanada, das aktuell ziemlich angesagt ist. Lo-Fi? Und Duo? Zwei Trends auf einmal?! Kann DAS gut gehen? Ja, es kann! Denn die beiden Youngsters legen sehr viel Leidenschaft in ihre Musik. Anders als bei anderen Bands aus dieser Richtung ist das Herzblut hier viel wichtiger als arty-farty Gehabe. Und so würden die Songs auch als Trio und in einem polierten Gewand funktionieren. Wer bei „Lo-Fi“ gleich Grausen bekommt und an schwer hörbares Zeug wie die Sachen von Wavves denkt, der sollte Japandroids eine Chance geben. Der verzerrte Sound ist zwar auch ein Stilmittel der beiden Jungs, jedoch sind die Stücke nicht unhörbar oder übertrieben chaotisch. Sicherlich muss man sich an den eigenen Sound gewöhnen. Aber unter der Fassade stecken wundervoll simple Songs, die von ihren eingängigen Melodien und den poppigen Hooks leben. Statt übertrieben viel Noise zu erzeugen, lassen die Japandroids ihren Stücken die nötige Luft zum Atmen. Und was dabei rausspringt ist ein unerwartet leichtfüßiges, beschwingtes Album, das einem durchwegs Lächeln auf die Lippen zaubert. Zu einem Großteil liegt das sicherlich auch an der Attitüde, die die beiden Kanadier an den Tag legen. Am Besten spiegelt sich dieser juvenile Charme wohl in den Texten wieder. Selten vermittelte ein Album das Gefühl „vom Jugendlichen zum Erwachsenen werden“ besser wie „Post-Nothing“. Die Songs drehen sich um das Verlassen der Heimat und dem damit verbundenen Zwiespalt aus Aufbruchsstimmung einerseits und Zukunftsängsten andererseits. Mittendrin gibt’s natürlich allerlei schöne und weniger schöne Erfahrungen mit Mädchen. Im tollen Ausklang namens „I quit girls“ stellen die beiden fest: „she wears white six days a week… and if you’re lucky on the seventh day she’ll wear nothing… after her, i quit girls“. Am Besten beschreiben kann man das Gefühl des Albums aber wohl mit einer Zeile aus „Young Hearts spark Fire“, in dem es heißt: „we used to dream. now we worry about dying. I don’t want to worry about dying“. Die Texte passen wunderbar in reduzierte Gesamtkonzept und somit zeigt „Post-Nothing“ wunderbar, dass ein starkes Rock-Album nicht viel braucht. Dass der Sound dabei sehr viel Charme hat, trägt noch mehr dazu bei, dass Japandroids sehr eigenständig klingen. Denn für die Tatsache, dass die Kanadier nur zu zweit sind, machen sie ganz schön viel Radau. Der Gitarrist sorgt durch die Verzerreffekte für das nötige Volumen, während der Drummer viel mit Cymbals arbeitet, aber auch durch seine Fill-Ins für viel Abwechslung sorgt. Der rausgeleierte, aber zumeist melodische, Gesang der beiden ist zwar alles andere als perfekt, gibt dem Ganzen aber die nötige Lebendigkeit. Sicherlich ist „Post-Nothing“ nicht frei von Kritikpunkten. Genauer gesagt, überzeugt nicht jeder Song vollkommen. Der mit Abstand größte Schwachpunkt ist das monotone „Crazy/Forever“, das mit 6 Minuten auch noch viel zu lang geraten ist. Am großartigen Gesamteindruck kann aber nicht mal das etwas ändern. Denn im Großen und Ganzen ist den Japandroids ein tolles, kleines Album gelungen, bei dem schon nach kurzer Zeit ein gewisser Suchtfaktor einsetzt. 8/10
Kleiner Spaß von THE Muse!
26. September 2009
Man muss Muse (nicht mehr) gut finden, aber diese Aktion ist einfach ulkig!
Folgendes Szenario: Band eingeladen in einer italienischen TV-Show, soll ihre neue Single Playback spielen. Das wollen sie aber nicht so richtig und machen sich deswegen aus der ganzen Sache einen Spaß. Der Sänger und Gitarrist sitzt sich hinter die Drums, der ursprüngliche Drummer wird zum Frontmann mit Bass und der Basser übernimmt Gitarre und Keyboard – garniert durch massenweise über- oder untertriebene Gesten. Wer weiß wie leidenschaftlich der ursprüngliche Sänger Matthew Bellamy die Songs interpretiert, der muss zugeben, dass hier das perfekte Gegenstück gelungen ist. Ich hab mich jedenfalls schlappgelacht. Aber seht selbst…
AFI – „Crash Love“ (Interscope/Universal)
23. September 2009
Es ist immer schade, wenn eine talentierte Band den falschen Weg einschlägt. Wobei sich die Entwicklung, die AFI nun vollzogen haben, schon mit dem letzten Album abzeichnete. „Decemberunderground“ hatte zwar noch Elemente vom Meisterwerk „Sing the Sorrow“, war im Großen und Ganzen aber schon um einiges seichter. Das schreckliche Cover (der Titel für „Hässlichstes Cover des Jahres“ ist vergeben!!!) deutet schon Schlimmes an – und tatsächlich sind AFI mit „Crash Love“ endgültig im belanglosen Pop-Rock der 00er angekommen. Die Band selbst meinte, dass man ein pures, reines Rock-Album eingespielt hat. Stimmt irgendwie auch. Auf Synthesizer oder großartige Effekte verzichtete man nämlich. Man muss der Band indes ein Kompliment dafür machen, dass sie ihr Ding wenigstens konsequent durchziehen. Sprich, richtig schnelle oder gar harte Momente gibt es auf „Crash Love“ überhaupt nicht mehr. Die Songs klingen allesamt radiotauglich und melodiös, verlaufen zudem fast alle im Midtempo und besitzen typisch herausgearbeitete Refrains. Das Problem der ganzen Chose ist: dieser Umstand sorgt dafür, dass die Songs viel zu ähnlich klingen. Die Stücke, die etwas herausstechen, fallen dabei entweder komplett ab oder können sich zu wenig absetzen. Ob das die Schnulze „Darling, I want to destroy you“, das ordentliche „End Transmission“ oder die erste Single „Medicate“ ist. Irgendwie scheint’s so als ob sich keiner der Musiker etwas traute. Bezeichnend dafür ist wohl auch Sänger Davey Havok. Dieser klingt zwar professioneller als auf früheren Releases, geht allerdings an keiner Stelle aus sich heraus. Dabei war es gerade sein leidenschaftlicher Gesang, der die Vorgänger ausmachte. Beeindruckend ist, dass, bei aller Massenkompatibilität, nicht ein einziger Ohrwurm der Marke „Miss Murder“ bei rumspringt. Stattdessen regieren glattgebügelte Stadionrocker und jeder Menge schmalzige, theatralische Momente. Der hohe Gesang Havok’s in der Bridge von „Beautiful Thieves“ sei nur mal als Beispiel genannt. Von den Chören ganz abgesehen. Und wenn der liebe Davey die Hälfte der Songs mit seinem typisch gequältem „Ohhhh!!!“ eröffnet, nervt das auf Dauer ungemein. Auf „Sing the Sorrow“ kam das übrigens noch gut, weil es voller Inbrunst kam. Das sind die kleinen Indikatoren, die zeigen wie belanglos „Crash Love“ im Endeffekt ist. In einem Cafe würde mich das neue Album von AFI nicht sonderlich stören, aber um ihm mehr als vier aufmerksame Durchläufe zu gönnen, gibt’s aktuell einfach zu viel relevante Gitarrenmusik. Wo „Decemberunderground“ vielleicht kein Gesamtwerk war, aber von einigen Überhits lebte, da läuft „Crash Love“ höhepunktslos an einem vorbei. Die-Hard-Fans finden vielleicht noch den ein oder anderen Moment. Ich bin enttäuscht. 3/10