Verfasst von: jetsetradio | 8. Februar 2010

Adorno – “Said and unsaid”-7inch (Adagio 830/Purepainsugar)

Adorno sind Portugal’s Importschlager in Sachen Emo- und Post-Hardcore. Ich fand die Band schon immer klasse, doch leider hat es bisher nie zu einem richtigen Album gereicht. Neben der “Year One”-Collection veröffentlichte man bisher noch zwei Splits. Auch in 2010 sollen einige Splits folgen. Den Anfang macht aber die schick aufgemachte Solo-Single “Said and unsaid”. Und Adorno haben sich entwickelt! Man geht weniger in Richtung vertraktem Post-Hardcore, sondern gibt sich poppiger und melodiöser. Nicht nur die Gitarren klingen klarer, auch der Gesang ist weniger angeschrägt und konzentriert sich mehr aufs Singen, denn aufs Schreien. Nichtsdestotrotz ragt der kindliche, aber unheimlich leidenschaftliche Gesang weiterhin heraus. Beeindruckend ist auch der Drummer, der den versöhnlichen Stücken die nötige Portion “Kick-Ass”-Charakter gibt. Die Gitarren setzen wiederum vermehrt auf melodiöse Leads. Besonders der Titelsong strahlt durch ein hitverdächiges Lead! Im davor liegenden “Untitled” ist die Melodie ebenso präsent, erschafft aber eine schön melancholische Stimmung. Ob die neuen oder die alten Adorno nun aufregender sind, ist definitiv Geschmackssache. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht entscheiden und finde das gesamte bisherige Schaffen der Portugiesen höchst empfehlenswert. Zusammen mit Daitro beweisen Adorno, dass Europa in Sachen Emo weiterhin seinen eigenen Charakter hat. Neben Daitro’s letztem Werk musste ich bei “Said and unsaid” auch an Snowing’s “Fuck your Emotional Bullshit” denken. Aber auch Freunde von Kidcrash könnten hieran Gefallen finden. 8/10

Verfasst von: jetsetradio | 8. Februar 2010

By a Thread-Album rückt näher!

Unglaublich, aber wahr: das neue By a Thread-Album könnte 2010 endlich raus kommen! Laut diesem Eintrag  ist der Nachfolger zu “The Last of the Daydreams” fix im Kasten. Revelation Records wollen das selbstbetitelte Werk endlich veröffentlichen. Die Petition, zu der By a Thread aufgerufen haben, könnte ein Beweggrund dafür sein. Denn vor einiger Zeit stellte sich das Traditionslabel noch quer. Wer damals eine E-Mail an Revelation schrieb, darf sich nun drei mal auf die Schulter klopfen!

Ich freue mich auf das Album. Unfassbar, dass eine Platte, die schon seit JAHREN in der Mache ist, nun wirklich rauskommen soll. Immerhin ist “The Last of the Daydreams” von 1999! Die letzte Veröffentlichung der Band, der Split mit Still Life Projector, datiert aus 2004.

Verfasst von: jetsetradio | 2. Februar 2010

Thoughts paint the Sky – “Bis zum Geht-nicht-mehr”

Wurd zwar schon auf Locked Groove gepostet. Aber wann hat man schon mal ein Video einer deutschen Emo-Band in seinem Postfach?

Ich weiß nicht ob ich das Video “voll emo” oder “voll emo” finden soll. Konsequent und nett gemacht, isses allemal. Der Song ist jedenfalls ein richtig schöner Emo-Fetzen zum Dahinschmelzen. I like! Lustig finde ich auch das Youtube-Startbild, bei dem man meinen könnte, der Sänger gibt grad ein Interview, während der Gitarrist die passende Untermalung zu gibt.

Verfasst von: jetsetradio | 31. Januar 2010

The Saddest Landscape/Trophy Scars – “Split”-7inch (Bear)

Auch bei Screamo-Kapellen sind Reunions grad voll im Kommen. Nur nimmt man davon oft erst wahr, wenn die Bands schon wieder vor der neuerlichen Auflösung stehen. Haha! Bei The Saddest Landscape läuft’s anders! Sie waren zu ihrer Zeit sowas wie die Superstars des Screamos und schafften es auch außerhalb der Szene bekannt zu werden. U.a. deswegen, aber auch wegen ihrer extremen, klischeehaften Emo-Attitüde polarisierten die Jungs seit jeher. Nach der Auflösung 2005, ist man seit vergangenem Jahr wieder zusammen. Und man hat einiges vor! Nach einer 7inch, ist dieser Split schon die zweite Veröffentlichung. 2010 sollen noch ein Album und ein weiterer Split folgen. Außerdem ersetzt man Fire Team Charlie auf dem “Connections”-Sampler. Lange Rede, kurzer Sinn: diesen Song hier sollte man sich auch anhören, wenn man ihr altes Material verabscheut. Denn The Saddest Landscape sind reifer geworden. “So lightly thrown” klingt durchdachter als sämtliches Material zuvor. Das gebrochene, sich überschlagende Geschrei ist zwar weiterhin vorhanden, doch musikalisch ist dieser Song um einiges definierter. Die mal unterschwelligen, mal präsenten Gitarrenmelodien erzeugen eine tolle Atmosphäre und harmonieren perfekt mit der Rhyhtmusabteilung. Das ist episch, ohne völlig ausgeladen zu werden. Erinnert mich spontan an Aussitot Mort! Bin jedenfalls aufs Album gespannt. Nimmt man “So lightly thrown” als Gradmesser, kann man sich davon einiges erwarten! Trophy Scars auf der anderen Seite, sind ein Thema für sich. Ihr fünfminütiges “August, 1980″ ist eine ruhige (sic!) Ballade, bei der man die Band kaum wieder erkennt. Ganz eindeutig im Stil des letzten Albums “Bad Luck” fröhnt man hier eher melancholischem Indierock denn aufbrausendem Postcore. Ich finds, ganz wertfrei gesagt, stinköde. Aber beim Album gings mir ja ähnlich. Wer “Bad Luck” aber als großes Glück empfand, dem wird auch dieser Song zusagen. Für mich ein zweischneidiges Schwert, dieser Split.

Verfasst von: jetsetradio | 30. Januar 2010

Reaching Away

Ich muss hier unbedingt eine Band abfeiern! Reaching Away ist die neue Combo von drei ehemaligen The Pine-Mitgliedern. Mit ihrer Vorgängerband konnte ich wenig anfangen… doch diese drei Songs laufen bei mir derzeit auf Heavy Rotation. Das ist reduzierter Indie/Emo, der von seinem großartigen, ziemlich originellem Gesang lebt. Der Sound klingt schwer nach Proberaum, was aber wunderbar zur Band passt. Ich liebe vorallem diese entspannte, verträumte Stimmung. Schwer einzuordnen das Ganze, aber gerade deswegen SO faszinierend.

Aufmerksam wurde ich auf Reaching Away über die Jungs von Skream your Lungs out. Danke dafür!

Download

Verfasst von: jetsetradio | 27. Januar 2010

20 aus 09

20Horse the Band – Desperate Living

Eins ist klar: mit ihrem nunmehr fünftem Album gewinnen Horse the Band keine Innovationspötte mehr. Der Stil, der damals so frisch und durchgeknallt klang, ist mittlerweile schon ein alter Hut. Die Kombination aus Nintendo-Gedudel, durchgeknalltem Spastencore und Über-Drüber-Breakdowns wurde mit den Jahren zum Markenzeichen der Band. Deswegen kann man auch nicht abstreiten, dass sich mit “Desperate Living” ein paar Abnutzungserscheinungen offenbaren. An der Band selbst liegt dieser Umstand aber nicht! Horse the Band gaben sich große Mühe ihren Sound weiterzuentwickeln und auf ein erwachseneres Niveau zu bringen. Und e voila: es gelang ihnen. Allerdings ohne komplett mit ihren Trademarks zu brechen. Die größte Veränderungen gabs bei den Keyboard-Sounds. Statt minimalistische 8-Bit-Sounds rauszurotzen, klingt die Elektronik nun deutlich flächiger, atmosphärischer und… tja, erwachsener. Das erinnert dann nicht selten an New Wave der 80er. Typisch Horse the Band gehen die einzelnen Songs dabei immer wieder in eine andere Richtung. Meine persönlichen Favoriten könnten konträrer nicht sein: während “Sciene Police” ein tanzbarer Pop-Song ist, der glatt etwas an Men at Work (sic!) erinnert, dürfte “HORSE the Song” mit seinen Singalongs und den Breakdowns zum Live-Liebling werden. Das epische “Rape Escape” wiederum zeigt gerade beim berührenden, höchst atmosphärischem Klavier-Outro, dass bei Horse the Band, hinter der ulkigen Fassade, viel mehr steckt. Ehrlich gesagt rangiert “Desperate Living” für mich in der bandeigenen Diskografie zwar hinter “R. Borlax” und “A Natural Death” – doch das zeigt nur, wie viele starke Platten diese Band die letzten Jahre produzierte. “Desperate Living” ist nämlich von vorne bis hinten schwer unterhaltsam!

 

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Japandroids – Post-Nothing

Mal ehrlich: das Debütalbum der Japandroids hat seine Schwächen – sowohl in struktureller als auch in musikalischer Hinsicht. Doch juckt das irgendwen? Bei so einer Platte? Nein! Denn “Post-Nothing” lebt einzig und allein von seinem Feeling. Und das ist einfach einzigartig. Noch nie brachte ein Album besser das Gefühl rüber, dass einem wiederfährt, wenn man vom Jugendlichen zum Erwachsenen wird. Ein komischer Prozess, bei dem sich schlagartig alles verändert. Ein Gefühl zwischen Euphorie, Wehmut und naiven Zukunftsängsten. “We used to dream. Now we worry about dying”, fassen die beiden Kanadier die Gesamtsituation mit einer Zeile zusammen. Das Schöne ist, dass dieses Gefühl jeder nachvollziehen kann. Während der eine diese Phase schon Jahre hinter sich gelassen hat, steht sie beim anderen kurz bevor. Und wer mitten in diesem Schlamassel steckt, der hat in “Post-Nothing” wenigstens den passenden Soundtrack.

 

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Brand New – Daisy

Selbst wenn “Daisy” größtenteils gute Reviews kassierte, war es 2009 eine der kontroversesten Platten. Während einige erst nach vielen Durchläufen reinkamen, funkte es bei anderen nie. Und so gab es logischerweise auch ein paar Verrisse. Kein Wunder! Denn für eine derart mainstream-orientierte Band wie Brand New ist “Daisy” ein ausgesprochen mutiges Album. Hätten sie eine zweite Version ihres über-hypten “The Devil and God are raging inside me” gemacht, hätte man die Jungs jederorts abgefeiert – doch Brand New wollten eine neue Richtung einschlagen und sich musikalisch weiterenwickeln. Trotz relativ kurzer Spielzeit geben sich Brand New nämlich so experimentell und vielschichtig wie nie zuvor. Statt ein Stakkato ewig lang wirken zu lassen, gehen die neuen Songs immer wieder in eine neue Richtung – und das nicht schnörkellos, sondern hakenschlagend! Natürlich finden sich auch auf “Daisy” ein paar schöne, ruhige Nummern. Schließlich haben Brand New nicht per se mit ihrer Vergangenheit gebrochen. Nur sind diese Nummern im Stile von ”You stole” oder “Bed” diesmal irgendwo zwischen dem verschrobenen Anfangs-Blast “Vices” und dem psychedelischem Interlude “Be Gone” eingemottet. Warum das einigen zu viel war, ist fraglich?! Denn selbst wenn “Daisy” etwas Zeit braucht, ergibt es am Ende absolut Sinn. Der Verlauf der Platte ist genauso eingängig, wie die vielen starken Ideen, die während dieser 40 Minuten verbraten werden. Im Großen und Ganzen fehlen vielleicht die Songs, die einen komplett umhauen. Dafür gibt es aber auch keinen einzigen Ausfall! Der Gesamteindruck ist sowieso rund. “Daisy” ist bei weitem nicht so “groß” und “schön” wie sein drei Jahre alter Vorgänger. Doch als Zwischenschritt könnte es, für den weiteren Karriereverlauf von Brand New, ein ganz wichtiges Album sein… Lies mehr…

Verfasst von: jetsetradio | 27. Januar 2010

CMAR 2010-Lineup

Einfach mal Copy & Paste vom Durchde, welcher selbiges ganz offensichtlich auch gemacht hat:

THE SADDEST LANDSCAPE
TITAN
ALPINIST
GRINDING HALT
RESURRECTIONISTS
DING DONG DEAD
HAMMERS
FARGO
ZANN
ME AND GOLIATH
MILVAINS
DOLCIM
PLANKS
COMADRE
PUNCH
GLASSES
ISAIAH
BATTLE OF WOLF 359
MERKIT
DOLCIM
DANSE MACABRE
JUNE PAIK
LOUISE CYPHRE tbc

Ich wäre dieses Jahr echt gewillt hinzufahren, nachdem ich noch nie da war. BOW359 und Comadre würden mich reizen, auch wenn ich beide schon gesehen habe. Richtig interessant wären allerdings The Saddest Landscape und Louise Cyphre. Natürlich ist auch der Rest nicht zu verachten.

Einziges Problem: wahrscheinlich gehts dieses Jahr ab zum Nova Rock, das zwei Wochen vorher stattfindet. Zwei Festivals in einem Monat geht aus mehreren Gründen nicht! Außerdem hätte ich fürs CMAR wohl keinen Comadre Compadre, mit dem ich fahren könnte. Vielleicht reist ja jemand aus Österreich oder Umkreis München dorthin… lasst es mich wissen!

Anmerkung: die Jahres-Hitliste kommt die Tage. Garantiert!

Verfasst von: jetsetradio | 8. Januar 2010

Fuckup Awards 2009

2009 war für mich, musikalisch gesehen, einer der besten Jahrgänge in der abgelaufenen Dekade. Es erschienen einige Platten, die sich bei mir über Jahre hinweg halten werden. 2009 war bunt und bot vermutlich für jeden etwas. Aus beinahe allen meiner Lieblingsgenres kam zumindest eine höchst hörenswerte Platte. Altbekannte Haudegen enttäuschten das eine mal, bestätigten das andere mal ihren Status. Das Rennen machten bei mir am Ende, wie IMMER, die Platten, die ich eigentlich so gar nicht auf der Rechnung hatte. Überraschungseffeke vs. zu hohe Erwartungshaltung – same business as every year! 2009 schloss dieses mehr als unterhaltsame Jahrzehnt gebührend ab. Doch bevor ich anfange über die “Noughties” zu philosophieren, starten wir mit den Awards fürs abgelaufene Jahr!

Lies mehr…

Verfasst von: jetsetradio | 5. Januar 2010

Worn in Red – “In the Offing” (No Idea)

Die Veröffentlichungen auf No Idea Records sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist das Label aus Gainesville, Florida ein absolutes Qualitätslabel, bei dem man als Fan beinahe blind zugreifen kann. Andererseits ist ihr stilistische Portfolio halt relativ beschränkt. Jede neue Platte die auf No Idea erscheint, klingt irgendwie nach Hot Water Music. Natürlich macht da auch das Debütalbum von Worn in Red keine Ausnahme. Allerdings sind Worn in Red meilenweit davon entfernt ein weiterer HWM-Abklatsch zu sein. Die Band aus Virginia spielt zwar ebenfalls erdigen, emotionalen Post-Hardcore, mit Reibeisen-Gesang – aber DA hören die Parallelen schon wieder auf. Im Vergleich zu den typischen Flannel-Hemden-Bands sind Worn in Red eine äußerst verspielte, experimentelle Band. Sechs der acht Stücke überschreiten die 4-Minuten-Marke! Sie winden und drehen sich, schlagen Haken, fröhnen instrumentalen Einlagen, pendeln ständig zwischen wütenden und melancholischen Launen. Deswegen braucht “In the Offing” auch seine drei, vier konzentrierten Durchläufe, damit es funkt. Die Stücke bleiben, trotz der vorhandenen Komplexität, zwar immer nachvollziehbar – richtig eingängig ist allerdings keines davon. Zumindest würde man nicht auf Anhieb eines als Überhit bezeichnen. Mit dieser verschrobenen Herangehensweise erinnern mich Worn in Red ziemlich stark an Tribute to Nothing zu “Act without Words”-Zeiten. Hier und da noch ein Schuss Planes mistaken for Stars, Frodus oder Snapcase und der Mix ist perfekt. Das wäre aber zu einfach. Denn was bei Worn in Red beinahe komplett wegfällt, sind diese lichteren Momente die es bei Tribute to Nothing oder Hot Water Music zu Hauf gibt. Diese aufmunternden, hymnische Passagen. Die die dir sagen “auch wenn alles scheiße ist, steh auf und mach weiter!”. “In the Offing” ist ein ziemlich depressives, düsteres bis melancholisches Werk geworden. Es ist alles andere als unmelodisch. Herrje, die Melodien die das Quarttet schreibt sind nicht nur hervorragend, sie sind oft auch die Quintessenz des Songs. Wenn die eine Gitarre eine dieser Melodien zelebriert, während die andere dissonanten Riffs raushaut und zudem noch der Sänger mit seinem verzweifeltem Geschrei ertönt, erreichen Worn in Red ihren Höhepunkt. Die Balance innerhalb der Songs stimmt einfach. Melancholische Instrumentals verschmelzen mit verworrenen Arrangements und direkten, punkigen Abgehparts. Es scheint keine wirkliche Formel zu geben, klingt aber jederzeit homogen. Im Gegensatz zu so vielen anderen HC-Bands schaffen Worn in Red den Kompromiss aus “Herz” und “Kopf”. “In the Offing” lege ich somit jedem Freund von ehrlichem, anspruchsvollem Post-Hardcore ans Herz. Beste No Idea-Band seit… ja… seit… Hot Water Music?! 8/10

Verfasst von: jetsetradio | 2. Januar 2010

Kismet – “Hiatus” (Midsummer/Beep Beep)

Kismet aus dem holländischen Utrecht punkten gleich beim ersten Durchgang durch ihre sympathische Zurückhaltung. Hier will eine Band etwas ausdrücken. Und sie macht dies mit dem was sie kann. Kismet übernehmen sich nicht. Sie klingen nicht aufgesetzt oder überladen, sondern in jeder Sekunde ehrlich. Das gilt sowohl für die Musik, als auch für die Texte. Letztgenannte sind mitten aus dem Leben – sie sind simpel, aber erzielen gerade dadurch eine starke Wirkung. “Not everything is lost, just remember that the memories fading away. Stay same and try to live your life alone” heißt es im berührenden Abschluss von “White Castle”. In Parts wie diesen erzeugen Kismet eine ganz besondere Intimität. Natürlich nützt das alles nichts, wenn man nicht den Sänger hat der diese Gefühle passend rüberbringt. Doch auch den haben Kismet in Form von Temy Phem. Besonders in den einfühlsamen Passagen trifft dieser mit seinem ausdrucksstarkem Gesang ins Schwarze und intoniert Zeilen, die einem Gänsehaut bescheren. So viel Gelaber und noch kein Wort zur Musik? Kismet spielen eine Mischung aus 90er-Emo und verspieltem, modernen Indierock, der mit Postrock-mäßigen Gitarren abgerundet wird. Was sich anfangs stark nach alten Cursive oder Waxwing anhört, kriegt in den treibenden Parts einen anderen Anstrich und erinnert dann gar an deutsche Kollegen wie Slut oder Alias Caylon. Die größte Kunst von Kismet ist aber, dass sie es schaffen nicht in einem Tränen-Meer unterzugehen. Die Songs sind fast durchwegs melodisch und melancholisch, besitzen aber so viele Ecken und Kanten, dass es immer spannend bleibt. Außerdem haben die Holländer ein Händchen für richtig große Momente. Vielleicht hätte dem Album in der zweiten Hälfte etwas mehr Variation gut getan. Nach dem starken Beginn, der mit “White Castle” und “We are all so busy” gleich zwei hervorragende Stücke bietet, gibts später ein paar zähere Passagen. Aber es muss ja noch etwas Luft nach oben bleiben für diese neue, hoffnungsvolle Band. Zweifelsfrei: der erste ”Hiatus” von dem man gern hört! 7/10

Verfasst von: jetsetradio | 2. Januar 2010

Prize Country – “…With Love” (Hex)

Prize Country gehören zu der Sorte von Bands, die mittlerweile fast ausgestorben ist. Die letzten beiden ähnlichen Bands die mir in den Sinn kommen sind Sabertooth Tiger und The Grey. Beide brachten ein Album raus und lösten sich dann auf. Bei Prize Country läuft es anders und so ist zwei Jahre nach dem Debüt auch schon der Nachfolger draußen. Wie erwähnte Bands sind Prize Country ganz tief im 90er-Post-Hardcore und -New School-Sound verankert. Sie vereinen Elemente von Snapcase, Drive like Jehu, Quicksand, 108 oder Fugazi, kombinieren diese mit einer dicken Portion Midwestern Rock und trohnen über allem mit hohem musikalischem Talent. Einerseits ist “…With Love” ein Album geworden, dass die Durchschlagskraft und den Rotz von Snapcase und Co verinnerlicht hat, andererseits ist es auch ein lupenreines Rock-Album mit unaufhaltsamen Riff-Attacken. Es pendelt ständig zwischen diesen beiden Polen und lässt sich so nie richtig einordnen. Die 8 Songs (+Intro) leben vorallem von ihrer einmaligen Gitarrenarbeit. Prize Country bringen den Groove zurück in den Hardcore, zwingen einen unweigerlich mit dem Kopf mitzunicken und dem Bein mitzuwippen. Die Gitarren können alles! Sie fahren Riffwände auf, schieben etwas Noise dazwischen, verschmelzen an gewissen Punkten kongenial und zaubern wie aus dem Nichts einen unheimlichen Melodiebogen hervor. Es ist unglaublich welche Wege die Gitarren innerhalb eines Songs zurücklegen und wie die einzelnen Parts miteinander verschmelzen. Sie harmonieren perfekt mit der Rhyhtmusabteilung, die einfach nur pumpt, pumpt und nochmal pumpt. Veredelt wird diese Mischung durch den charismatischen Gesang von Jacob Depolitte. Irgendwie erinnert dieser an eine Mischung aus Snapcase’s Daryl Taberski, Kiss it Goodbye’s Tim Swinger und Soundgarden’s Chris Cornell. Er klingt rotzig bis zynisch in den einen Teil, dann wieder völlig angepisst, um im nächsten Moment wieder etwas Gesang anzustimmen. Jedenfalls verleiht er “…With Love” die letzte Portion an Lebendigkeit. Er und die instrumentale Abteilung kommen sich nie in den Weg. Sie harmonieren perfekt und stehen meist zusammen im Rampenlicht, erzeugen aber beide viele erinnerungswürdige Momente. Natürlich ist das Zweitwerk von Prize Country kein Hook-Feuerwerk. Es lebt von seinem Grundgefühl, den vielen coolen Gitarren-Parts und kurzen, aber dann umso genialeren Momenten. Nichtsdestotrotz gelang es den Jungs aus Oregon, besser als auf dem Vorgänger, die Stücke mit einigen Hooks zu versehen. Die 8 neuen Songs wirken schlicht kompakter. Wo auf dem ungeschliffenen “Lottery of Recognition” noch etwas Leerlauf herrschte, da ist “…With Love” dicht wie Sau. Dazu bei trägt sicher auch die kürzere Spielzeit von 35 Minuten, sowie die druckvollere Produktion. Es bleibt nur mehr eins zu sagen: wem heutiger Post-Hardcore zu vorhersehbar, zu ausgelutscht, zu eintönig und schlicht zu modern (sic!) ist, der wird mit Prize Country eine neue Lieblingsband finden. Ich bin jedenfalls heilfroh, dass es solche Bands immer noch gibt. 9/10

Verfasst von: jetsetradio | 28. Dezember 2009

The Lawrence Arms – “Buttsweat and Tears”-7inch (Fat Wreck)

Dreieinhalb lange Jahre musste man auf ein Lebenszeichen der Arms warten. Nach dem Meisterwerk “Oh! Calcutta!” war die Erwartungshaltung natürlich hoch. Für meinen Geschmack können die Chicagoer nicht ganz da anknüpfen wo sie aufgehört haben. Schlecht sind diese vier Songs nicht, allerdings wird nicht diese Hitverdächtigkeit, diese Durchschlagskraft der meisten “Oh! Calcutta!”-Songs erreicht. Stilistisch erinnert “Buttsweat and Tears” eher and “The Greatest Story ever told”. Die Verschmelzung der beiden Stimmen, die auf dem letzten Album so hervorragend gelang, ist hier nicht mehr so ausgereift. Gesangstechnisch sind die Stücke wieder etwas klarer aufgeteilt. Der erste Song gehört Brendan, der Zweite Chris, der Dritte wieder Brendan. Zum Abschluss teilen sich Chris und Brendan einen Song, aber trennen ihre Stimmen dabei voneinander. Somit fehlt den vier neuen Songs etwas die Genialität der zwölf Songs davor. Die “Tears”-Seite gibt sich etwas melancholischer, melodiöser und kann bei mir nicht wirklich punkten. Selbst wenn das Spieltempo immer recht hoch bleibt. Besser gefällt mir da schon die “Buttsweat”-Seite, die mit “Spit shining Shit” und “The Slowest Drink…” zwei typische Arms-Hymnen bietet. Am Ende ist diese 7inch eine feine Sache für Fans, Neueinsteigern würde ich aber eher zu den beiden Alben davor raten. Denn, auch wenn es hier nicht so rüberkommt: die Arms sind eine der bewegendsten, ehrlichsten und schlichtweg besten Punk-Bands die es auf diesem Planeten gibt! 7/10

Verfasst von: jetsetradio | 27. Dezember 2009

Defeater – “Lost Ground”-EP (Bridge 9)

“Travels”, das Debütalbum von Defeater, gehört zu den besten Platten die in den letzten Jahren aus dem Modern Hardcore-Bereich kamen. Dass diese Band aber nie den Status des Newcomers hatte, liegt wohl am bisherigen Schaffen ihres Frontmannes Jay Maas. Was Defeater vollbracht haben war alles andere als Zufall. Produzierte Jay Maas doch wichtige Genre-Bands wie Verse, Shipwreck A.D. oder The Carrier. Maas erlebte die Entwicklung dieses Sounds hautnah und versucht nun mit seiner eigenen Band die Tiefsinnigkeit im Hardcore weiter voranzutreiben. “Travels” fungierte als Konzeptalbum mit stilsicherem Artwork. Die neue EP “Lost Ground” macht genau dort weiter. Das Textblatt erzählt, in Kombination mit den Lyrics, die Geschichte eines Vagabonds, auf der Suche nach einem Grund, der es Wert ist gesucht zu werden. Musikalisch bestätigen Defeater, dass sie mittlerweile in die Fußstapfen von Modern Life is War getreten sind. Die sechs neuen Songs gehen in eine ähnliche Richtung wie erwähnte Band zu “Witness”-Zeiten. Es wirkt trotzdem nie wie ein Abziehbild, fügen Defeater doch viele frische Elemente in ihren Sound ein. Defeater führen den musikalischen Grundgedanken von Hardcore/Punk nicht nur einmal ad absurdum. Hier ist nichts mit ewig gleichen Rhyhtmen, Abgehparts, Crew-Shouts oder Moshparts. Stattdessen kreiert die Band eine spannungsgeladene Atmosphäre zwischen groovigen Midtempo-Parts, melancholischen Melodien, langsamen Build-Ups und kurzen Ausbrüchen. Obwohl die Songs einem gewissen Muster folgen, bleiben sie in ihren Facetten unberechenbar. Mal entlädt sich die ganze Spannung, mal eben nicht. Mal entwickelt der Song eine gewisse Epik, mal bleibt er klein und verschroben. Nichtsdestotrotz geben sich Defeater auf “Lost Ground” etwas zugänglicher als auf “Travels” – was wohl an den immer wiederkehrenden, höchst anfixenden Melodien liegt. Überhaupt: wenn Defeater in diesem Genre derzeit eins besser machen, als sämtliche andere Bands, dann ist das die Kreierung von ergreifenden, hitverdächtigen Melodien. Schon der Opener “The Red, White and Blues” fährt einen Melodiebogen auf, der einem einfach nur unter die Haut fährt. “Home ain’t never Home” packt einen mit seiner nackten Reduziertheit. Selbes gilt wohl für den Rausschmeißer “Beggin in the Slums”. Wenn man Defeater etwas vorwerfen möchte, dann ist das die Klangfarbe des Shouters. Er kommt zwar immer emotional und intensiv rüber, klingt aber auch völlig verwechselbar. Und das finde ich etwas schade. Nevertheless gehört “Lost Ground” zu den Genre-Highlights des Jahres. SO viel Liebe zum Detail würde man sich bei mehreren EPs/Singles wünschen… 8/10

Verfasst von: jetsetradio | 24. Dezember 2009

Frohe Weihnachten

Die letzten Tage waren stressig, weshalb ich hier zu nix gekommen bin. Deswegen wünsch ich euch Pissnelken allen ein paar geruhsame Tage – ob bei der Familie oder mit dem Bier in der Kneipe.

Amber Daybreak aus Belgien gehören für mich zu den Überraschungen des Jahres. Die Band ist zwar schon einige Jahre aktiv, aufmerksam wurde ich auf sie aber erst mit ihrem ersten Album “Sentinels”. Und das bietet modernen Screamo/Emo-Sound wie ich ihn gerne mag – das ist zu jeder Zeit verspielt, aber niemals ausladend, sondern mit einer gehörigen Portion Punk-Energie ausgestattet. Die fünf Jungs ordnen sich anhand ihrer Einflüsse selbst ziemlich gut ein. Denn diese acht Songs erinnern beizeiten wirklich an Bands wie Kidcrash, Suis la lune, Comadre, Yage oder A Day in Black and White. Besonders die melodische Gitarrenarbeit, die in den meisten Songs vertreten ist, erinnert frappierend an Kidcrash zu “Jokes”-Zeiten. Darum stricken Amber Daybreak kurze, einfallsreiche Songs, die größtenteils mit catchy Passagen vollgestopft sind. Und selbst wenn die Band mal etwas weniger nachvollziehbar ans Werk geht, punktet “Sentinels” durch seine rohe Energie. Alleine das leidenschaftliche Geschrei trägt viel dazu bei. Die Stimmung ist verzweifelt und düster, aber niemals ohne ein Fünkchen Melancholie on top. Das Songwriting ist unberechenbar und variabel – kurze Fetzen wie “Boat Trip”, das wie ein Hoffnungsschimmer am grauen Himmel erscheint, stehen neben dem ausladenden Closer “No one on Arrival”. Überhit des Albums ist aber wohl das Titelstück, welches in seiner Kombination aus epischer Melodie, verträumter Gitarrenarbeit und arschtretender Rhythmik, herausragt. Und das Finale erst! Einen richtigen Füller gibt es auf “Sentinels” sowieso nicht. Das Debütalbum der Belgier überzeugt mich von vorne bis hinten. Hoffen wir nur, dass sich die Band nicht gleich wieder auflöst und den eingeschlagenen Weg noch ein paar Jährchen weitergeht. 8/10

Verfasst von: jetsetradio | 12. Dezember 2009

Coalesce – “OXEP” (Relapse)

Was macht man, wenn man für ein Album zu viel Songs hat? Man behaltet sich die Stücke für das nächste Album auf, bietet sie zum Download an, bringt irgendwann eine Raritäten-Sammlung raus oder kloppt das Zeug komplett in die Tonne. Coalesce haben nix davon gemacht, sondern bringen nichtmal ein halbes Jahr nach dem “OX”-Album, die “OXEP” raus. Natürlich mag man hier von Resteverwertung sprechen. Doch die sei einer Band wie Coalesce, die uns zehn Jahre auf dem Trockenen sitzen ließ, in jeder Hinsicht erlaubt. Abgesehen davon, hält das übrig gebliebene Material das Niveau der LP. Nach einem Percussions-Intro startet der erste Song “The Blind Eye” sofort mit dem typischem Coalesce-Groove und dem einzigartigen Geschrei von Sean Ingram. Stilistisch stehen die Songs natürlich im Zeichen des 09er-Albums und weil das Ganze in der selben Aufnahme-Session entstand, ändert sich natürlich auch nix am dreckigem Sound. Ungewöhnlich ist, dass die EP, für Band-Verhältnisse, relativ ruhig ausgefallen ist. Das Interlude “Joyless in Life” wird von einer Akustik-Gitarre getragen. Auch “To my Ruin” bietet einen zurückhaltenden, epischen Ausklang. Während es “Absent in Death” anders macht und bedacht startet. Zwar folgt Ingram’s Geschrei, doch die Gitarren bleiben clean, der Rhythmus langsam. Auch ”Through Sparrows I rest”, das Highlight der EP, ändert daran nicht viel. Das Stück bleibt melodisch und entwickelt durch den Hintergrund-Gesang, der mit Ingram’s Shouting gekoppelt wird, ein episches Gefühl – selbst wenn der Song nach 2 Minuten wieder vorbei ist. “Ore to Earth” beschließt die Platte ähnlich wie sie der Opener lostrat. Nach 16 Minuten ist auch schon wieder Schluss. Coalesce zeigen abermals wie man progressiven Metalcore mit genrefremden Zutaten vermixt. Diese Gitarrenarbeit, die sich sehr stark an klassischem Rock’n'Roll und Americana anlehnt, macht ihnen so schnell keiner nach. Trotzdessen würde ich die “OXEP” nur Fans des Vorgängers empfehlen. Auf dem Album bekommt man für sein Geld einfach mehr Inhalt geboten… 7/10

Verfasst von: jetsetradio | 6. Dezember 2009

Cold Cave – “Love comes close” (Heartworm/Matador)

And now for something completely different… Cold Cave! Die neue Band von Wes Eisold, ex-American Nightmare, ex-Some Girls. Was vor einigen Jahren als experimentelles Soloprojekt startete, wuchs nun zu einer vierköpfigen Band heran. Ich gebe es ja zu: ich habe in das Album nur reingehört, weil ich interessiert daran war, was Eisold aktuell so macht. Allerdings könnte statt ihm genauso gut Max Mustermann in dieser Band spielen – es würde keinen Unterschied machen. Man würde selbst nie auf die Idee kommen, dass der ehemalige HC-Shouter hier dabei ist. Ich betrachtete diese Tatsache aber als glücklichen Zustand, weil ich mir Cold Cave sonst nie angehört hätte. Cold Cave spielen Musik, die sich irgendwo zwischen Synth-Pop und Dark/New Wave ansiedelt. Auch wenn ich im elektronischen Bereich nicht sonderlich bewandelt bin, höre ich hier Depeche Mode, New Order und auch ein bisschen The Cure raus. So recht passen wollen diese Vergleiche aber auch nicht, klingen die Songs auf “Love comes close” doch zu unterschiedlich. Starten tut das Album relativ gemächlich mit “Cebe and me”, das eher als Intro denn als richtiger Song fungiert. Danach folgt das Titelstück, welches eine verträumte Synth-Melodie in den Raum wirft, die neben dem Sprechgesang von Eisold das zentrale Element darstellt. Überhaupt hört man in einem Großteil der Stücke Eisold’s eigenwillige “Sangeskunst”. Seine Vocals stellen oft den Kontrast zu den eingängigen Melodien dar – er klingt abgeklärt und düster, dann wieder melancholisch und schafft es stets die Stimmung des Songs einzufangen. Es folgt der große Hit des Albums: “Life Magazine”. Hier klingen Cold Cave so richtig poppig. Diesen Song könnte man sich auch im Radio oder in einer geschmacksvollen Disco vorstellen. Und weil hier Eisold’s Vocals nur unweigerlich gepasst hätten, übernimmt seine Mitstreiterin das Mikro. Die Melodie ist catchy as fuck! “The Laurels of Erotomania” gibt sich wieder etwas düsterer und erinnert mit seinen leicht altmodischen Keyboard-Sounds frappierend an die Anfangsphase von Depeche Mode. Anno “Speak and Spell”, wohlgemerkt. “Heaven was full” steht dank seiner dunklen Soundfläche ebenfalls in der Tradition von Depeche Mode – aber eher zu Zeiten von “Black Celebration” oder “Music for the Masses”. Beeindruckend auf dem Album ist, dass die Songs allesamt ihre Eigenheiten besitzen und sich kaum etwas gleich anhört. Ein Beweis dafür ist auch “The Trees grew Emotions and died”, welches mit seinem angeschrägten, tanzbarem Beat und den “Boy vs. Girl”-Vocals wiederum in eine neue Richung geht. Das kurze “Hello Rats” ist anschließend eher sowas wie ein Interlude, bevor die Platte in seine starke Endphase geht. “Youth and Lust” beschreibt das Album wunderbar – es ist düster, melancholisch und hat einen eingängigen Refrain. Mit dem saucoolen Rausschmeißer “I.C.D.K.” hat die Band dann noch einen tanzbaren Song an Bord. Und das Schöne: nach 31 Minuten ist die Platte vorbei. Wäre sie doppelt so lang geworden, wären Füller wohl nicht ausgeblieben. Doch so finde ich in der Tracklist keinen richtigen Schwachpunkt. Schön, dass Eisold wenigstens in der Beziehung Punk geblieben ist, haha!! Man mag mir schlussendlich vorwerfen, dass ich von elektronischer Musik wenig verstehe: aber “Love comes close” ist ein großartiges Album geworden. Und das sage ich als großer Hasser von typischen Techno- und Rave-Dissen. ”Love comes close” ist luftiger und entspannter als die heutige, kommerzielle Elektronik-Schiene. Es geht einem nicht mit überpräsenten, in Dauerschleife programmierten Beats aud die Nüsse, sondern kreiert immer wieder neue, einfallsreiche Beats und wahnsinnig eingängigen Melodien. Jeder Song klingt anders, aber nicht so sehr dass das Album keinen homogenen Eindruck mehr hinterlassen würde. Es ist atmosphärisch und verträumt, fordert einen mit seinen Grooves aber auch auf die Tanzfläche. Es ist altmodisch im Sinne von Depeche Mode, zeigt aber auch, wie kommerzielle Elektro-Mucke aussehen KÖNNTE. Mark my Words: die werden noch groß… aber nicht in unser Welt! 8/10

Kommen wir zu einer weiteren interessanten Screamo-Band aus England: MeAndGoliath. Die zweite Band von Battle of Wolf 359’s Chris. Im Gegensatz zum brutalen Sound seiner Hauptband, agieren MeAndGoliath um einiges melodiöser. Doch nur weil der Bulldozer im Schrank gelassen wird, heißt das nicht, dass dieses Album entspannend wäre. Zwischendrin bindet das Trio auch härtere, rasende Parts in ihren Sound ein – allerdings sind diese geschickt über die gesamte Spielzeit verteilt. Dazwischen setzt man auf ein paar langsame, ruhige Passagen, frickelige Gitarrenarbeit und spannungserzeugende, doch niemals aufgeblasene Build-Ups. Diese Mischung klingt ziemlich modern, lässt beizeiten aber auch an ältere Emo-Bands wie Saetia oder You and I denken. Die Songs leben vorallem von ihrer Unberechenbarkeit – wo man bei ähnlichen Bands oft weiß, dass nach dem ruhigen ein lauter und danach wieder ein ruhiger Part folgt, da ist das Songwriting von MeAndGoliath erfrischend unkonventionell. Als Beispiel sei das originelle “Medic” genannt, indem die Band abrupt zwischen Lautstärken und Tempi wechselt, von einem brutalen Blast den Weg in reduziertes Geklimper findet - das erinnert dann frappierend an die älteren Battle of Wolf 359. Ein weiteres Highlight ist der Abschluss der A-Seite, in dem die Band ein typisches Crescendo erzeugt und die Intensität von Sekunde zu Sekunde erhöht. Schön unterschwellig bleibt dabei das Geschrei. Ebenfalls ziemlich gut finde ich den rohen, ungeschliffenen Sound, der viel zum Gesamteindruck beiträgt. Wer diesen modernen Screamo/Emo-Sound mag, der bekommt von mir abermals eine Kaufempfehlung! Gesagt sei noch, dass die 10inch mit ihren 21 Minuten Full Length-Charakter hat und keine verkappte 7inch dahintersteckt… 7/10

Verfasst von: jetsetradio | 29. November 2009

Daitro – “Y” (Purepainsugar)

Zusammen mit Amanda Woodward und Sed Non Satiata kann man Daitro zweifelsfrei zum Dreigestirn des französischen Screamos zählen. Erwähnte Bands definierten diesen Sound in den letzten Jahren und machten ihn populär. Natürlich brachte dieser Trend eine Welle von Bands hervor, die sich im gleichen Fahrwasser bewegen. Daitro hatten genug davon und liefern nun mit “Y” das frischeste Screamo/Emo-Album ab, das seit Jahren aus Frankreich kam. Grundsätzlich kann man sagen, dass Daitro anno 2009 weniger als zuvor auf Härte und auf Postrock-mäßige Songstrukturen setzen. Die neuen Songs sind aufgeräumt, luftig, reduziert und allen voran… melodiöser. Schön, dass es eine Band mal geschafft hat simpler und poppiger zu klingen, aber dabei trotzdem voller unkonventioneller Einfälle sprüht und sich niemals irgendwo anbiedert. Jeder Song besteht aus irgendeiner neuen, zumeist verdammt coolen, Idee und entwickelt von Beginn an eine gewisse Spannung, die sich mal entlädt, mal aber auch nicht. Veredelt wird “Y” von seinen kristallklaren Gitarren, die eine wunderschöne, verträumte Stimmung erzeugen. Aber auch wenn es mal härter oder rockiger wird, fügt sich das hervorragend ins Gesamtbild ein. Die gekonnte Gitarrenarbeit macht “Y” aus – das straighte Drumming und die variablenVocals, zwischen Geschrei, spoken words, sowie richtig gutem Gesang, harmonieren perfekt damit. Und obwohl ich wirklich kein Fan der französischen Sprache bin, reißt mich die Vocal-Performance von Daitro richtig mit. Das ist voller Leidenschaft! Es klingt abefuckt, wenn es so klingen muss und klingt einfach nur schön, wenn es so klingen muss. Sogar auf Singalongs muss man nicht verzichten – da möchte man dann doch der französischen Sprache mächtig sein! Im Vergleich zu ihrem früheren Schaffen ist “Y” relativ leichte Kost. Seine Melodiösität und die vielen Hooks sorgen dafür, dass man gewisse Parts schon nach drei, vier Durchläufen richtig zuordnen kann und sehnsüchtig erwartet. Allerdings setzt man weiterhin nicht auf typische Songkonstrukte, sodass auch genug Komplexität vorhanden ist. Überstrapaziert oder in die Länge gezogen ist auf “Y” gar nix. Alles greift ineinander und sorgt für einen Hörgenuss, wie man ihn beim früheren Schaffen nicht hatte. Wenn man Daitro etwas vorwerfen könnte, dann vielleicht, dass das Ende etwas prompt und ohne richtigen Höhepunkt kommt. Dieser eine Schritt fehlt “Y” auch zu einem richtigen Überflieger. Selbst wenn die Fangemeinde “Y” bisher gemischt aufgenommen hat, finde ich, dass das dritte Album der Franzosen ihr bis dato Bestes ist. Stark finde ich, dass es in seiner Art und Weise ziemlich einmalig klingt. Es besitzt zwar noch viele bandtypische Charakteristiken, hat mit dem generischen Screamo/Postrock-Mix aber nicht mehr viel am Hut. “Y” ist so frisch und unverbraucht wie sein quietschgelbes Cover – und das sollte man in diesem Genre würdigen! 8/10

Verfasst von: jetsetradio | 26. November 2009

BATS – “Red in Tooth & Claw” (Richter Collective)

BATS haben mit “Red in Tooth & Claw” ein besonderes Album geschrieben. Eines dieser Alben, die man beim ersten Hören für zu überfrachtet hält, bei dem sich nach jedem weiteren Durchgang aber immer mehr in der Schädeldecke festsetzt. Bis man nicht mehr anders kann, als die Platte immer und immer wieder aufzulegen. BATS kommen aus Irland (ja, da gibt’s außer U2 auch noch andere Bands!) und spielen eine wüste Mischung aus Post-Hardcore und Dance-Indie-Punk. Vielerorts wurde die Band mit Q and not U verglichen. Und das zurecht! Kreieren BATS doch ähnlich tanzbare, luftige, angeschrägte und unheimlich verspielte Musik wie die frühere Dischord-Band. Allerdings verbinden die Iren diese Komponenten mit der Durchschlagskraft von At the Drive-In, Circle takes the Square oder den Blood Brothers. Sprich, die Songs sind zwischendrin einfach härter und besser zum Abgehen geeignet, als die von Q and not U. Was BATS mit all diesen Bands ebenfalls gemein hat: das ausgeklügelte Songwriting. Denn obwohl die Stücke verzwackt sind und selten einem Schema folgen, besitzt “Red in Tooth & Claw” allerlei anfixende Melodien, Hooks und Mitsing-Parts. Sämtliche Bausteine, ob leicht verdaulich oder eingängig, fügen sich perfekt zusammen und sorgen dafür, dass früher oder später jedes der elf Stücke klickt. Interessant ist, dass das Album unheimlichen Druck macht und es einem keine Verchnaufspausen gönnt. Die Gitarrenmelodien sind allgegenwärtig, werden aber niemals in den Mittelpunkt gerückt, sondern müssen sich gegen das Querdenkertum der anderen Instrumente behaupten. Ungewöhnlich für eine solche Band, ist die Tatsache, dass die Gitarren in einigen Songs gar moshig und leicht metallisch werden. Aber das passiert nur recht selten, fügt sich ins ungewöhnliche Gesamtkonzept ein und sorgt dafür, dass “Red in Tooth & Claw” noch eigenständiger klingt. Was man von den Vocals vielleicht nicht behaupten kann… denn diese erinnern schon ziemlich stark an die von Circle takes the Square und auch Trophy Scars – egal ob gesungen, gesprochen oder geschriehen, der Sänger hat eine ähnlich ungewöhnliche Klangfarbe. Allerdings macht er seine Sache gut, sorgt immer wieder für Überraschungen und steigert sich so richtig schön in seinen Part hinein. Er ist schlichtweg “over the place” und wird dabei hervorragend von seinen (Sanges-)Kollegen ergänzt, die ihn mal im Hintergrund unterstützen, um beim nächsten Mal voll Karacho miteinzusteigen. Ein perfektes Beispiel dafür, wie sehr gute, wandlungsfähige Vocals zum Gesamterlebnis beitragen können! Wer bei einer solchen Band Texte über zerbrochene Beziehungen erwartet, der hat in letzter Zeit wohl zu viel Emo gehört. Denn natürlich sind auch die Texte angeschrägter Scheiß – BATS gehen ihren ganz eigenen Weg und schreiben undurchsichtige Geschichten (?), die durchtränkt sind von wissenschaftlichen Referenzen und fantasievollen Formulierungen. Das passt nicht nur, sondern sorgt auch für viele hängenbleibende Zeilen. Kein Wunder dass ich bei “Shadow-fucking” anfangs verstanden habe “this dance is my distance” – wär ja auch zu cool gewesen. Hat man sich also immer schon mal einen Querschnitt der erwähnten Bands gewünscht, dann hat man hier den Soundtrack seines Lebens. Trotz massivem Namedropping sei gesagt, dass “Red in Tooth & Claw” eins der frischesten und besten Post-Hardcore-Alben der letzten Jahre ist. Voll von Energie und Experimentierfreude, sowie der richtigen Balance aus Schräg-/Fremdheit einerseits und Catchiness/Tanzbarkeit andererseits. 9/10

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