Nneka - Heartbeat

April 19, 2008

Bei Gott! Hier gehts um Hardcore/Punk, Screamo, Emo usw. - aber bei Zeiten hör ich neben dem Einschlafen auch gerne mal etwas MTV. Dieses Fernsehschlafen ist aber eine Vorliebe vieler Menschen, wie ich schon erfahren habe. Was ich gestern im Halbschlaf allerdings hörte, ließ mich gleich wieder munter werden. Nneka heißt die junge Frau. Halb deutsch, halb Nigerianerin. Und der Song “Heartbeat” ist einfach nur der Hammer! Besonders der Refrain beschert mir derzeit ne Gänsehaut wie schon lange kein Stück Musik mehr. Aber auch die Bridge trieft vor Intensität. Das Video ist übrigens auch klasse. Hab ich mir heute schon einige Male angesehen. Stilistisch ists sowas wie ne Mischung aus Soul, Reggae und afrikanischen Einflüssen. Tolle Sache, das.

Ja, sowas läuft auf MTV. Konnts auch nicht glauben.

Barra Head - “Go, get beat up” (Play/Rec)
Jeder der sich so intensiv mit Musik beschäftigt wie ich, der kennt das: man lernt eine neue Band kennen, hört gerade ihr Debütwerk und ist begeistert davon. Nach kurzer Recherche stellt man allerdings fest, dass gehörte Scheibe gar nicht das Debüt ist und die Band eigentlich schon seit ner halben Ewigkeit zusammen ist. Am Ende fragt man sich nur, warum man diese Band nicht eher entdeckt hat?! Barra Head aus Kopenhagen sind so ein Fall. “Go, get beat up” ist nämlich schon das dritte Album der Dänen. Obwohl es sich heutzutage sehr frisch anhört, klingen die drei Musiker sehr versiert und abgeklärt. Ihre Einflüsse beziehen Barra Head hauptsächlich aus den 90ern und kreieren dabei einen relativ eigenen Sound, der mich höchstens an den von Marr erinnert. Marr waren ja die deutsche Band, die 2004 ein tolles Album rausbrachte und dann in der Versenkung verschwand. Barra Head gehen in eine ähnliche Richtung und vereinen ebenfalls melodische mit etwas sperrigeren Momenten. Kopf und Herz gehen hier Hand in Hand. Ihre Wurzeln haben Barra Head definitiv im Hardcore und Punkrock. Die Jungs sind aber mit den Jahen auch etwas älter geworden und spielen nun auch Musik die sich so ahört. Trotzdem toll, wie treu Barra Head ihren Wurzeln bleiben. Im Grunde ist das also wahrer Post-Hardcore. Ergänzt durch tanzbarem Indie, etwas Punkrock und Emo für Erwachsene. Die Bands die ich hier raushöre, lassen sich schwer in den selben Topf werfen. Vorallem Fugazi, aber auch At the Drive-In oder Drive like Jehu dürften hier Einflüsse dargestellt haben. Diese Dynamiken, diese Rhythmen, diese Verbindung von sanften und kratzigen Momenten. Barra Head liegen aber wohl noch viel mehr am melodischen Punkrock, denn teilweise ist’s beeindruckend welch hymnische Refrains die Dänen in ihre Songkonstrukte einbauen. Das erinnert dann stark an Hot Water Music. Die melodische Gitarrenarbeit bezieht dagegen auch Einflüsse vom 90er-Emo und erinnert desöfteren an Funeral Diner. Die Band schafft es aber einen völlig eigenständigen Sound auf die Beine zu stellen, dessen Einflüsse nur unterschwellig zu vernehmen sind. Denn bei all den Referenzen: als Hardcore würde Barra Head wohl keiner (mehr) bezeichnen. Von der Lautstärke und der Klarheit des Sounds her liegt man doch viel näher am Indierock. Kein Wunder also, dass man neben trockenen Beats, Punk-Parolen und emotionalen Melodien auch genug tanzbare Momente zu höre bekommt. Highlights sind vorallem die schnelleren Songs, die durch ihre packenden Refrains und ihre tolle Gitarrenarbeit, zu absoluten Hits werden. Die beiden ersten Stücke sowie das grandiose “Legitimate” sind jetzt schon drei der besten Songs des Jahres. Die ruhigeren, längeren Stücke bieten dann die nötige Tiefe. Dabei bleibt der Sound stets entspannt. Unglaublich eigentlich wie viel Wut, Härte und Emotionen Barra Head trotz der Abwesenheit von Geschrei, harten Gitarren oder pumpendem Schlagzeug rüberbringt. Der Gesang ist hier sowieso ein ganz großes Highlight. Sänger Arvid trifft mich mit seiner entspannt-sanften, aber immer wieder aufbrausenden und sehr ausdrucksstarken Stimme wirklich mitten ins Herz. Viel dazu bei tragen auch die sehr cleveren Texte, die sich dank ihrer Markanz schon nach kurzer Zeit in mein Gehirn fraßen. Barra Head behandeln hier hauptsächlich gesellschaftliche und politische Themen. Beeindrucked ist, wie tief das hier geschieht. Auf platte Phrasen wird z.b. komplett gepfiffen. Was soll ich zu dieser Scheibe noch sagen? Ich hab eh schon genug geschrieben. Sie schaffte es die Kidcrash nach Monaten von meinem “immer und überall”-Platz zu verdrängen. Und genau diese beiden Platten ließen mich in letzter Zeit wieder an gute Musik glauben. Definitiv ist “Go, get beat up” schon jetzt ein Kandidat für die Platte des Jahres. 9/10

Fire in the Attic - “Cum Grano Salis” (Redfield)
Die Neue von Fire in the Attic hab ich mir weder gekauft, noch runtergeladen. Und auch nicht gestreamt. Ne, sie flatterte einfach so in mein Postfach. Schließlich hab ich seit Jahren ein Abo der Visions. Ja, richtig gehört. Redfield schloss mit der Visions einen Deal ab und so liegt das komplette Full Length gratis dem Heft bei. Statt einer richtigen Verpackung muss man halt mit nem Pappschuber auskommen. Auch das Booklet fehlt natürlich. Ob man diese “neue” Art der Veröffentlichung gut heißen kann oder nicht, ist sicherlich Ansichtssach. Ich persönlich finde es scheiße, peinlich und definitiv den falschen Weg. Aufmerksamkeit kriegen FITA dadurch sicherlich. Und weil sich ein hoher Bekanntheitsgrad auf längere Sicht mehr auszahlt als ein höherer Umsatz, nutzte man diese Gelegenheit. Ich kam somit immerhin zu einer Scheibe, die ich mir sicherlich nicht gekauft hätte. Schließlich wurde ich bisher nie so richtig war mit FITA. Auch wenn’s mir bei solchen Aktionen recht schwer fällt vorurteilsfrei zu urteilen, muss ich sagen: “Cum Grano Salis” ist das beste Werk der Band. Der große Mangel bei FITA war für mich bisher immer ihre Monotonie. Und daran hat man kräftig gearbeitet, klingt man aktuell doch so vielschichtig wie nie. Neben einem leichten Metal-Crunch in den Gitarren gibts auch etwas Crossover-Anleihen, (Schweine-)Rock und sogar etwas Elektronik. Und auch die bisher bekannten Gebiete werden noch etwas weiter erforscht und so hört man so poppige Klänge wie nie zuvor und so schmalzige Emo-Harmonien wie nie zuvor. Verschrecken sollten FITA ihre alten Fans damit aber nicht, weil man sie größtenteils klar wiedererkennt. Ihr Stil ruft immer noch Vergleiche mit Hot Water Music und Boysetsfire hervor, allerdings flechteten die Deutschen viele weitere Einflüsse mitein. Durchaus mutig. Allerdings änderte das nur geringfügig was an ihrem größten Problem. Zwar macht “Cum Grano Salis” durchaus mehr Spaß als der Stoff davor, allerdings reiten FITA immer noch zu sehr auf dem bekannten “Vers-Chorus-Vers”-Schema. Und auch die zwar guten, aber irgendwann auch vorhersehbaren hymnischen Refrains langweilen mit der Zeit. Außerdem sind den Jungs auf der Hälfte der Strecke wohl die guten Songs ausgegangen. Für ein paar Hits ist die Scheibe aber allemal gut. Überflieger werden FITA in meinen Augen allerdings nie werden. Wer Intresse hat: gibts am Kiosk für 5 Euro, eingehüllt in bedrucktem Papier. 5/10

Lack - “Saturate every Atom” (Play/Rec)
Wa man auch sagen möchte, aber Lack ist eine Band, die einfach Relevanz hat. Vor einigen Jahren waren sie für mich persönlich die erste dänische HC-Band, die ich wahrgenommen habe. Kurz darauf kamen die grandiosen Complete. Und bis auf die beiden kenn ich auch heute nicht mehr Bands aus Dänemark. Erwähnte Complete lösten sich leider schon auf, Lack bringen indes ihr mittlerweile drittes Album raus. Und das zeigt sich wieder mal stark verändert. Ging man anfangs stark in die New School-Ecke, klang “Be there Pulse” schon um einiges verträglicher. Grooviger Postcore dominierte hier eher. Und mit “Saturate every Atom” setzt man die Entwicklung, hin zum eingängigen Sound, fort. Erstmal finde ich das Konzept hinter dem Album schon mal ganz große Klasse. Der Titel soll nämlich nix anderes als das Reduzieren auf das Nötigste ausdrücken. Das herrlich schlichte Artwork, mit seinem einmaligen Cover stimmt schon mal prächtig darauf ein. Und auch musikalisch zieht man das Konzept vollkommen durch. Nicht nur, dass hier die 13 Songs in gerade mal 26 Minuten runtergezockt werden. Auch die Instrumetierung ist schön reduziert. Und das führt zu einem sehr luftigen, dennoch beschwingten Sound. Irgendwo zwischen Postcore und Indierock angesiedelt leben Lack dabei ihre Liebe zu poppigen, als auch zu experimentellen Klängen aus. Die Zeiten von undurchdringbaren Riffwänden, wütendem Geschrei oder epischem Gehabe ist endgütlig vorbei. Stattdessen dominiert ein trockener Postpunk-Beat, der von einem sich zurückhaltendem Bass und abwechslungsreichem, aber ebenso straighten Gitarrenspiel ergänzt wird. Die Gitarrenarbeit variiert dabei zwischen den Polen melodiös, rockig, groovig und schräg. Und über dem Ganzen schwebt mit Thomas Buro ein GANZ charismatischer Sänger. Mit seinem hohen Falsett-Gesang intoniert er sowohl melodiöse, als auch schräge oder gesprochene Momente. Damit erinnert er mich auch irgendwie an den Sänger von Sounds like Violence. Und die sind irgendwo auch ein guter Anthaltspunkt. Auch wenn Lack viel trockener und weit weniger emotional zu Werke gehen als diese. Aber irgendwie scheint sich da in Skandinavien eine neue Welle an Rock-Bands anzubahnen. Lack erreichen auf jeden Fall eine ähnliche Eigenständigkeit wie ihre schwedischen Kollegen. Kaum zu glauben, aber erwähnte Sounds like Violence werden hier mit The International Noise Conspiracy, Jane’s Addiction, Shellac und Billy Talent unter einen Hut gebracht. Kleine Elemente dieser Bands werden zu einem schrägen Sound kombiniert, der nie wie eine Kopie klingt. Nicht vergessen sollte man auch die ehrlichen, kritischen und unheimlich selbstreflektierenden Lyrics von Buro. Zwischen Szene-Bashs, Affären-Hass und der eigenen Porno-Sucht gibts hier wirklich einiges zu entdecken. Und wenn am Ende Hits wie “Behead” oder “Bombing the Moon” bei rum kommen, ist das Konzept wohl voll aufgegangen. Logischerweise gibts bei dem Konzept aber auch schwächere Momente. Aber das sollte man verkraften können. Schließlich bleiben Lack auch auf ihrem dritten Album noch aufregend. Und das heißt heuzutage schon was… 6/10

Mt. Helium - “Faces” (DIY)
Mt. Helium hießen bis vor kurzem eigentlich noch The Apex Theory. Konsequenterweise benannte man sich vor dem Fertigstellen des neuen Albums um. Denn es gab nicht nur personelle Änderungen, sondern auch eine neue musikalische Richtung. Das 2002er-Album “Topsy-Turvy” interpretierte damals auf originelle Art und Weise den Crossover oder New Metal-Sound. Da dieser Sound schon längst tot ist, reiten Mt. Helium nicht mehr auf ihm rum. Der Nachfolger klingt deutlich ruhiger, melodiöser, erwachsener, progressiver. Man legt den Fokus deutlich mehr auf die Atmosphäre. Tanzflächenfüller, die gleich beim ersten Mal zünden, sucht man somit vergebens. Die Art und Weise wie Mt. Helium ihre alternative, progressive Rockmusik vortragen ist und bleibt aber trotzdem sehr originell. Die armenischen Folk-Einflüsse hört man deutlicher denn je raus. Neben einer sehr spacigen, hypnotischen Atmosphäre gibts somit immer wieder ein paar mysteriöse, entfremdende Passagen. Einflüsse nahm an diesmal wohl am ehesten von Bands wie Radiohead, Tool oder auch den Deftones. Bei all den atmosphärischen und ruhigen Momenten gibts zwischendurch aber immer wieder mal schnellere Passagen oder Parts mit tiefer gestimmten Gitarren. Der Kontrast ist somit durchaus noch da, nur verschwimmt er mit der Zeit und ist eindeutig nich so krass wie früher. Vorallem der Sänger konzentriert sich komplett darauf zu singen. Und das macht er ziemlich gut. Er versteht es sich in den Refrains wunderbar zu steigern, während er in den Strophen spacey und verträumt klingt. Als großer Fan von “Topsy-Turvy” kann ich die neue Ausrichtung vielleicht nicht hundertrprozentig unterstützen. Aber es war nach all den Jahren auch nicht mit nem klassischen Nachfolger zu rechnen. So weit auseinander liegen die beiden Platten aber auch nicht. Denn wohl gemerkt wird trotz einiger Experimente weiterhin das klare Vers-Chorus-Vers-Schema bedient. Nur eben auf eine kreativere Art und Weise. In Zeiten wie diesen pfeiffen Mt. Helium übrigens auf ein Label und veröffentlichen “Faces” in eigener Hand. Schade, denn somit bleibt mir persönlich nur der Stream auf ihrer myspace-Seite. Aber das ist ja ne feine Sache. Wer will kann sich allerdings auch eine gebrennte CD direkt von der Band bestellen. 7/10

Trip Fontaine - “Dinosaurs in Rocketships” (Redfield)
Trotz ihres grandiosen Debüts “Lilith” blieben Trip Fontaine bisher eigentlich noch sehr unbekannt. Album Nummero 2 sollte dies schleunigst ändern. Schließlich liefert die Band hier das Album ab, dass die Blood Brothers nach oder auch zwischen ”Piano Island” und “Crimes” machen hätten können. Zwar sind durchaus noch Parallelen zwischen den beiden Trip Fontaine-Alben zu erkennen, doch im Großen und Ganzen erfanden sich die Jungs komplett neu. Wo “Lilith” noch recht düster, verzweifelt und hart klang, da schweben sich Trip Fontaine mit einer Leichtigkeit durch die zwölf Songs hindurch. Viel trägt hier sicherlich auch die verbesserte Produktion bei. So zerissen und ungeschliffen wie auf dem Vorgänger tönt’s nämlich nicht mehr aus den Boxen. Vorallem der Gitarrensound ist nun um einiges wärmer und nicht mehr so martialisch-scheppernd wie früher. Doch Produktion hin oder her, den größten Schritt machten die Musiker wohl selbst. Statt Post-Hardcore gibts nun schlichtweg experimentelle Rockmusik, irgendwo zwischen schrägen Experimenten, entspanntem Indie-Gehabe, lustvollem Gefrickel und den GANZ großen Pop-Gesten. Gleich zu anfang scheuen sich Trip Fontaine nämlich nicht eine herzzereißende Melodie zu singen. Ja, zu singen, nicht zu röcheln oder zu schreien. Überhaupt überzeugt die Band vorallem durch die verschiedenen Gesangsstile. Neben Blood Brothers-ähnlichem Falsett-Gesang gibts auch schmalzigen Pop-Gesang, Emo-Harmonien, gesprochene, geschriehene und brüchig intonierte Zeilen. Und alles klingt durchwegs einfach nur gut. Das alles klingt sehr schräg, aber passt seltsamerweise. So bunt das Cover, so vielschichtig die Songs. Einer klingt anders als der andere. Während “Astronaut” gleich zu Anfang stark an die Blood Brothers erinnert, könnte “Shine on you Lazy Liaison” doch glatt von At the Drive-In sein. Die zwei hektischen, frickeligen Instrumentals erinnern hingegen durchaus an die instrumentalen Parts von The Fall of Troy. Und irgendwie seh ich bei den etwas entspannteren Momenten auch eine Parallele zu den Landsleuten von Kenzari’s Middle Kata. Auch der Gitarrensound klingt ähnlich funky und leichtfüßig wie der der Bayern. Auch wenn bei den ersten ein, zwei Durchgängen kein Überhit rauskristallisiert, gewinnt “Dinosaurs” mit jedem neuen Durchlauf hinzu. Es gibt genug tolle Momente. Und genau das ist wohl das Stichwort schlechthin! Denn “Dinosaurs” ist eine Platte für den Moment. Eine Platte die vorallem von seinen überraschenden, schrägen oder beizeiten auch ergreifenden Momenten lebt. Spontan könnte man die Musik auch nennen. Und wenn man bis zum Ende noch nicht warm wurde mit dem Album, so sollte man doch spätestens beim grandiosen Abschlussepos “Das Ende vom Zelt” dahinschmelzen, das alle Facetten der Band in einem (eigentlich geteilten) Song vereint. Melancholie, Pop, Spastigkeit und Muckertum. Auch wenn ich “Lilith” aufgrund seiner stringenden Atmosphäre ein Stück besser finde, ist “Dinosaurs in Rocketships” Unterhaltung auf höchstem Niveau. Die Scheiben lassen sich aber auch schwer miteinander vergleichen. Und genau das macht diese Band wohl aus. Sie versucht definitiv neue Wege zu bestreiten. Und das ist auch gut so. “Dinosaurs in Rocketships” ist somit nichts weiter als das erste waschechte Highlight im Jahre 2008. 8/10

Genghis Tron - “Board up the House” (Relapse)
Ziemlich aus dem Nichts kamen Genghis Tron anno 2006. Zumindest emfpand ich das so, immerhin veröffentlichten die Jungs vor ihrem Debütalbum schon eine EP. So oder so, “Dead Mountain Mouth” war eine sehr frische Angelegenheit. Beeindruckend war vorallem, dass die Band vollkommen auf Schlagzeug und E-Bass verzichteten. Stattdessen kreierte man seinen Sound aus Gitarren und Synthesizern und Drum-Computern. Obwohl das Ganze sehr frisch klang, klang es gleichzeitig auch sehr natürlich. Und genau das kann man von Genghis Tron’s Relapse-Einstand leider nicht mehr sagen. Viel zu sehr wird hier mit dem (hochgelobten) Mix aus Electro und Grind-Death-Chaos-core kokettiert. Gerade die elektronischen Passagen sind auf “Board up the House” ausgedehnter und erinnern phasenweise gar etwas an die 80er, an New Wave, an Depeche Mode oder New Order. Das funktioniert mal ganz gut, was ein paar nette Melodien beweisen. Mal klingts aber auch etwas gekünstelt und vollgestopft. Auch die neuen clean gesungenen Passagen dürften ziemliche Geschmackssache sein. Der Gesang ist zudem meist verzerrt und klingt relativ spacey-futuristisch. Klar, “Board up the House” hat definitiv seine Höhepunkte. Die erwähnten, teils sehr atmosphärischen Electroparts etwa. Ein Stück wie “City on a Hill”, dass mit einem überraschenden Nackenschlag startet, nur um dann von einer wave-igen Melodie entzaubert zu werden. Oder auch der epische (gähn) Rausschmeißer “Relief”, der stark an Prog-Bands wie Yakuza oder Baroness erinnert. Doch im Großen und Ganzen klingt das neue Werk etwas zu überambitioniert. Die einzelnen Songs und Passagen wirken etwas zu willkürlich aneinandergestückelt. “Dead Mountain Mouth” schaffte diesen Spagat einfach besser und klang dabei einfach eher wie ein Stück Ganzes. Em Ende unterlegen Genghis Tron, wie so viele Bands in letzer Zeit, ihrem eigenen Anspruch. Denn das Ausschweifen in zu viele Richtungen tat auch ihrem Album nicht sonderlich gut. 5/10

Parachutes - “Vultures” (Redfield)
Mehr oder minder entdeckt wurden die Parachutes ja von Tribute to Nothing. Und genau für deren Label veröffentlichten die Parachutes auch ihr Debüt. Nicht schlecht, denn so konnte man sogar in England ein paar Anhänger für sich gewinnen. Nichtsdestotrotz bringen die Saarländer den Nachfolger “Vultures” auf dem deutschen Redfield-Label raus. Und Tribute to Nothing haben auf jeden Fall nen guten Riecher bewiesen, denn “Vultures” ist durchaus eine positive Überraschung. Was man im ausgelutschten Fake-Screamo-Genre gar nicht glauben mag. Klar: die alte Aussage, dass hier nix neu erfunden wird, trifft auch hier wieder zu. Aber was zur Hölle soll man in dieser vermoderten Schublade auch noch aufgreifen, was schon nicht vorher von tausend anderen Teeniebands geritten wurde?! Die Parachutes schaffen es auf “Vultures” aber viel natürlicher zu klingen, als ein Großteil der Konkurrenz. Außerdem umschifft einen Großteil der gängigen Klischees. Und zu guter letzt, nahm man sich einfach die richtigen Vorbilder. Welche Platte, die Saarländer im letzten Jahr am öftesten hörten, sollte schon nach einem Durchgang klar sein: die letzte Underoath. Denn auch wenn der Sound nicht ganz so dick ist wie bei den Amis, kommt er doch relativ nahe dran. Außerdem erinnert vorallem die Vokalarbeit an Underoath. Ähnlich intensiv schreit sich einer die Seele aus dem Leib, während der andere gekonnte Gesangsmelodien einwirft. Das Wechselspiel aus Hardcore, Metal, Emo und Rock erinnert zudem sehr oft an Hand to Hand oder die seligen Beloved. Vielleicht hört man hier und da auch etwas FATA raus. Wie man also merkt, nahm man sich schlicht gesagt, die besten Bands aus diesem Genre zum Vorbild. Und man adaptierte den Sound richtig gut. Die Produktion ist klasse, das Songwriting recht abwechslungsreich. Und Songs wie das freche “Fists up and Boots off” oder das Titelstück “Vultures”, in dem man gekonnt mit Dynamiken spielt, sind lupenreine Hits. Gerade in der zweiten Hälfte ist mir die Platte vielleicht etwas zu sehr im Emo getränkt. Denn am besten sind Parachutes einfach, wenn sie schnelle und rotzige Parts in die Songs einbinden. Was aber nix dran ändert, dass man hier den Hut ziehen muss. Denn “Vultures” ist aus diesem Bereich eine der besten Veröffentlichungen die man bisher aus Deutschland hörte. Den Sound “amerikanisch” zu bezeichnen, mag zwar beleidigend klingen, kann aber hier absolut als Kompliment aufgefasst werden. Weiter so, Saarland! 6/10

Protest the Hero - “Fortress” (Vagrant)
Tja, wenn der Größenwahnsinn Überhand nimmt. Es war ja nicht unbedingt anzunehmen, dass Protest the Hero auf ihrem zweiten Album plötzlich zarten Emo-Pop spielen… aber dass sich die Kanadier dem Prog-Hype anschließen müssen, ist doch etwas enttäuschend. Höher, schneller, lauter, leiser und vorallem mehr mehr mehr hieß wohl die Devise. Was auf dem Debüt “Kezia” eigentlich noch sehr ambitioniert klang, nimmt hier einfach Überhand. “Fortress” bietet mehr Emo, mehr Pop, mehr Metal, mehr Gefrickel, mehr Breaks, mehr Epik - mehr von allem halt, aber der rote Faden geht dabei einfach verloren. Klar, ein paar schöne Parts finden sich hier durchaus. Doch neben diesen stehen auch zig schmalzige oder kaum nachvollziehbare Parts. Und auch nach mehreren Durchläufen habe ich einfach keine durchwegs knallende Nummer gefunden. Die gabs auf “Kezia” durchaus noch. Das Songwriting ist schlichtweg überladen und viel zu wenig auf den Punkt. Weniger wäre hier durchaus mehr gewesen. Wer auf solches Mucker-Gewichse a la (aktuelle) Between the Buried and me, Coheed and Cambria oder The Mars Volta allerdings steht, könnte mit “Fortress” durchaus glücklich werden. Für meinen Geschmack sind die Kanadier aber einfach übers Ziel hinausgeschossen. Eine gewisse Balance im Songwriting zu halten und dabei trotzdem anspruchsvoll zu klingen, ist einfach schwieriger als alles, dass man kann, in 40 Minuten aneinanderzureihen. 3/10

Slut - “StillNo1″ (EMI)
Tja, Slut sind mittlerweile auch schon sowas wie alte Hasen. Seit 13 Jahren besteht die Band mittlerweile und veröffentlichte nun schon  ihr sechstes Album. Und für dieses ließ man sich so viel Zeit, wie nie zuvor. Dreieinhalb Jahre liegt das grandiose “All we need is Silence” nämlich jetzt zurück. Allerdings waren Slut nicht ganz untätig, sondern schrieben zwischendrin auch ein paar Lieder für die “Dreigroschenoper”. Und genau dieses Projekt hat sich wohl ziemlich auf den Sound von “StillNo1″ ausgewirkt. War “All we need is Silence” noch eine straighte, reduzierte Rock-Scheibe, mit klassischen Strukturen, vielen Hooks und eingängigen Refrains, so hat das neue Baby wenig damit zu tun. Auf “StillNo1″ werden die Strukturen aufgebrochen und verdammt viel Freidenkertum mithineingenommen. Die aggressiven Töne blieben komplett draußen, stattdessen sind die Songs um einiges ruhiger, verstehen es sich im Verlauf aber trotzdem immer wieder zu steigern. Das geschieht aber eben nicht auf plumpe, sondern auf durchwegs sehr atmosphärische Art und Weise. Siehe z.b. auch das Titelstück, das zum Schluss hin einem leichten Orkan gleicht. Aber nicht falsch verstehen: dieses Album ist wohl das ruhigste und “un-rockigste” Stück Musik, das Slut je aufgenommen haben. Allerdings sind die Stücke hier weit von “schläfrig” entfernt. Die Band erzeugt immer wieder eine sanfte, sehr hypnotische, verträumte Atmosphäre, die Christian Neuburger’s melancholische Stimme perfekt umgarnt. Auch er klingt hier so gefühlsvoll und melodisch wie noch nie, verzichtet auf Experimente und konzentriert sich eher darauf die Atmosphäre zu unterstützen. Für erste sorgen nämlich die Instrumentalisten. Denn trotz der softeren Ausrichtung gibts hier viele Einfälle, ob Pianos, Streicher, Bläser, Chöre, Percussions, usw. Aber auch beim Songwriting gibts grad im späteren Verlauf ein paar nette Überraschungen. Man siehe z.b das ungewöhnlich beschwingte “Odds and Ends”, das dann doch mit einem hochdramatischen Refrain berührt. Oder auch das rockige “Better Living”, das wohl am ehesten aufs letzte Album passen würde. Überhaupt zieht “StillNo1″ gerade in der zweiten Hälfte richtig an. Ab der grandiosen Piano-Ballade “Wednesday” nimmt die Platte ihren ganz eigenen Fluss. Wirklich beeindruckend wie reif und versiert Slut mittlerweile klingen. Da könnten sich selbst Radiohead noch ein Scheibchen von abschneiden. Nichtsdestotrotz finde ich persönlich den rockigen Ansatz von “All we need is Silence” unterhaltsamer. Das ist aber voll subjektiv, denn für sich betrachtet ist das neue Album wieder mal sehr gut geworden. 7/10

Platten 2007

Februar 24, 2008

01. Kidcrash - “Jokes” (Init)
Innovation und Frische braucht man heutzutage um beim Fan im Gedächtniss zu bleiben. Denn seien wir mal ehrlich: die meisten der aberhunderten Bands die sich Musiksüchtige wie wir jährlich so reinpfeiffen, scheitern schlichtweg daran, dass sie klingen wie Band xy, Band yx und Band xx. Kidcrash erfinden das Rad zwar jetzt nicht neu, klingen aber trotzdem frischer als 99% der anderen Bands, die ich dieses Jahr gehört habe. Auf wundersame Art und Weise schafft das Quarttet eine völlig natürlich klingende Symbiose aus Hot Cross, The Fall of Troy, 90er-Screamo und modernen Screamo-Bands wie Daniel Striped Tiger oder Funeral Diner. Schon der Opener beinhaltet mehr Ideen und klasse Momente als viele Alben ewig gleicher Copy-Cats. Obwohl der Frickel-Faktor der Songs relativ hoch ist und in der Beziehung absolut in einer Liga (eigentlich sogar etwas drüber) mit erwähnten Hot Cross oder auch The Fall of Troy spielt, ist die ganze Geschichte höchst eingängig und anfixend. Die Band schafft den perfekten Mittelweg aus höchst anspruchsvollen, mathigen Songkonstruktionen, emotionalen Melodien, deftigem Geschrei und einem dicken Schuss rotzigem Punk-Spirit. Wo man zu Beginn noch wild abrocken kann, da schleicht sich gleich eine wundervolle Melodie zum Dahinschwelgen ins Stück, nur um im nächsten Moment von einem unglaublichen Groove auf die Tanzfläche gebeten zu werden. Immer wieder bauen Kidcrash dicke Songgebilde auf, nur um sie ohne Vorwarnung wieder einzureißen. Trotz verdammt vielen, anfangs wahllos aneinandergereiht wirkender, Parts ergeben die Songs mit der Zeit allesamt einen “Sinn”. Obwohl die Band sowas von druckvoll um die Ecke kommt, ists unglaublich wie melodiös die Gitarren eigentlich sind. Im dicken Kontrast dazu steht die aggressive Rhythmus-Abteilung, die im Verlauf der Platte, jeden Song vorantreibt. Überhaupt ist der Drummer, was Sound und Technik angeht, höchst talentiert. Die Gitarren hauen aber nicht nur emotionale Melodien raus, sondern klingen auch mal jazzy oder leicht moshig. Geschrei wird zudem nur ganz selten eingesetzt und das (genregemäß) eher als “eigenes Instrument”. Kidcrash wären aber auch komplett instrumental eine absolute Wucht! Die vier Herren haben hier endlich wieder mal ein Album abgeliefert, dass Nacken, Beine, Herz und Kopf gleichermaßen beansprucht. Und sowas gabs schon längers nimmer. Einziger Schwachpunkt: nach dem grandiosen siebten Song, folgen leider zwei Songs die diesen nicht mehr toppen könnnen. Aber das ist nur ein Schönheitsmakel oder Jammern auf übelst hohem Niveau! 10/10

02. Antitainment - “Nach der Kippe Pogo?!” (Kidnap)
Ausnahmeband. Jawohl, das sind Antitainment aus Bad Vilbel bei Frankfurt. Der Band gelingt es nämlich perfekt sich von allen Schubladen zu drücken. Kein Wunder, denn genau diese verachtet die Band wohl aufs Übelste. Und so werden Szenetrends, Genres und die Gesellschaft überhaupt ständig auf die Schippe genommen. “Die Metal-Mosh-Maschine” ist wohl das perfekte Beispiel dafür, decken Antitainment hier doch auf, dass ein Moshpart am besten nach einer Minute und fünfundvierzieg Sekunden funktioniert. “1:45… oh, das ist ja jetzt schon!!! Na dann mal los…”. “We are (black) Metalrap” geht in eine ähnliche Richtung und sorgte unter Metallern schon für Anfeindungen. Anders als etwa Todd Anderson, die in von der Aussage her in eine ähnliche Richtung gehen, sind die Songs von Antitainment allerdings in verdammt viel Sarkasmus, Blödel-Humor und Spastigkeit getränkt. Gerade Frontmann Tobi hat einen ganz eigenen Stil, der mich in den gesprochenen Parts sogar an Komiker Didi Hallervorden (!) erinnert. Seine Intonierung in diesen Zeilen ist überhaupt ziemlich disharmonisch, sorgt aber gerade wegen seiner Spontanität für viele Lacher. Doch obwohl “Nach der Kippe Pogo?!” in vielen Teilen eine einzig große Comedy-Show ist, gelingt es der Band hervorragend den dominanten Humor-Faktor mit höchst anfixener Musik und der ein oder anderen ernsthaften Botschaft zu verbinden. Denn mal ehrlich: wenn auch etwas versteckt, sprechen die Texte einfach nur die bitterböse Wahrheit aus. Und wer seine Platte mit den Worten “ich habe keine Angst mehr Dinge falsch zu machen, ich tu sie einfach ohne Angst nicht richtig. Es gibt kein gesundes Leben im Kranken…”, der hat einfach alles richtig gemacht. Doch um am Ende doch noch mal auf Schubladen zurückzukommen: stilistisch erinnert das Ganze an eine Mischung aus Horse the Band, Turbostaat und den Blood Brothers. Antitainment verbinden assigen Deutsch-Punk mit spastischem Chaos-Hardcore, True Metal-Anleihen und parodistischem Metal-Mosh-Deathcore-Gewichse. Blitzschnelle Abgehparts gibts dabei ebenso wie herrliche Melodien, bitterböse Breakdowns oder bescheuerte Experimente. Abgerundet wird dieser Mix durch minimalistisches, aber höchst präsentes, Keyboard-Spiel und arschtretenden Youth Crew-back ups. Gerade das Zusammenspiel aus Keyboard und Gitarre macht die Songs trotz aller Spastigkeit einfach höchst eingänig. Da stört nicht mal die Spielzeit von 25 Minuten, denn Antitainment verzichteten wohl bewusst auf Wiederholungen. Ich vermisse ehrlich gesagt nur den epischen, zehn-minütigen, Abschluss. Hätte in diesem Kontext gut gepasst… 10/10

03. Horse the Band - “A Natural Death” (Koch)
“The Mechanical Hand”, das Zweitwerk von Horse the Band, war zwar alles andere als übel, doch es riss mich einfach nicht mehr mit. Die Unterschiede zwischen dieser Platte und seinem Vorgänger waren vielleicht einfach zu gering und im direkten Vergleich mit “R. Borlax” konnte sein Nachfolger nur den Kürzeren ziehen. Nun veröffentlichen die Verrückten mit “A Natural Death” ihr drittes Album. Und ja! Es gab die erhofften Veränderungen. Alleine thematisch hat das neue Werk nix mehr mit seinen Vorgänger zu tun, ist sind Horse the Band diesmal doch in einem fiktiven Wild Western-Szenario gefangen. Die Videospielanleihen blieben diesmal außen vor. Gerade textlich ist das Ganze weiterhin albern, doch wer sich gerne in solche Fantasiewelten hineinversetzen lässt, wird seine Freude daran haben. Aber es gab auch musikalisch so einige Veränderungen! Auch wenn es bei diese Chaotentruppe komisch erscheint, aber ja, die Band legt auf ihrer neuen Platte nun viel mehr Wert auf Atmosphäre. Zwischendrin darfs auch mal eine kleine Ambient-Nummer sein, ein spoken word-Track, eine ausgedehnte Melodie oder ein ruhiger Part. Und vergleichsweise ist “A Natural Death” sicherlich das ruhigste Werk der Band. Wobei “ruhig” gelogen wäre, setzt die Band doch immer noch auf frickelige Arrangements, heftige Keyboard-Eskapaden und einen psychopathischen Schreihhals. Eine ganz große Stärke von Horse the Band ist weiterhin die Art und Weise wie die Jungs Bilder mit ihrer Musik malen. In “Face of Bear” z.b. hat man genau vor Augen, wie der Bär vor einem erscheint, bis einige Zeit später der hektische Kampf ausbricht und man am Ende den heldenhaften Tod stirbt. Angst, Spannung und Wahnsinn werden dabei musikalisch perfekt vermittelt. In der gleichen Gangart gehts weiter. So ist “A Natural Death” einerseits zwar ein buntes Potpourri, das an vor lauter Abwechslung nur so strotzt… andererseits ist diese Scheibe als Gesamtwerk auch sehr intensiv und erdrückend. Die Band versteht es perfekt Spaß und Ernsthaftigkeit, Flappsigkeit und Anspruch, Poppigkeit und Experimentierfreude miteinander zu verbinden. Ein aggressiver Brocken wie “Treasure Train” steht beispielsweise neben einer Spaß-Nummer wie “Kangarooster Meadows” oder einer der vielen düsteren, sau-atmosphärischen Ambient-Einlagen. 4 Tracks an der Zahl sind alleine kleine elektronische Interludes. Ich habe bei sowas immer Bedenken, doch hier überzeugen diese Parts allesamt und machen im Kontext der Platte wirklich Sinn. Mit Songs wie “Murder”, “Super Sapphire” oder “Sex Raptor” gibts allerdings auch genug lupenreine Hits, die beim ersten Mal zünden. Früher oder später entfaltet dann doch jeder der 16 (!) Tracks seine Stärke. Trotz der langen Spielzeit von beinahe einer Stunde kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf. Ich hätts mir nach dem nur soliden “The Mechanical Hand” nicht träumen lassen, aber Horse the Band haben sich mit “A Natural Death” neu erfunden und nach dem Debüt erneut ein kleines Meisterwerk abgeliefert. Allerdings haben diese beide Alben einen komplett anderen Fokus und sind beide auf ihre Weise grandios. Vergleichen würde ich sie nicht. “A Natural Death” ist auf jeden Fall eins der ambitioniertesten und originellsten Werke in diesem Jahr. Vorerst mal 9/10, mit Tendenz nach oben. Kaufen! 9/10

04. Evergreen Terrace - “Wolfbiker” (Metal Blade)
Was man auch über Evergreen Terrace sagen möchte, aber diese Band hat definitiv Eier. Über das Cover-Album und das dezent angepasste “Sincerity is an easy Disguise in this Business” moserten zwar einige… doch nun hat sich die Band wieder in eine andere Richtung entwickelt. Schon der Opener “Bad Energy Troll” geht direkt nach vorne, mit schnellem Drumming, einem fetten Groove und dem bekannt angepisstem Geschrei. Hardcore/Punk, Metal, Rock und etwas Pop werden auch auf dem neuesten Werk miteinander verbunden und trotzdem klingt die Band wieder anders als davor. Und noch wichtiger: sie distanziert sich eindeutig vom 08/15-Metalcore. Der ganze Sound ist zudem etwas dreckiger und ungeschliffener als auf “Sincerity…”, aber trotzdem ziemlich fett. Die Eingängigkeit ist trotdzem vorhanden und kommt vorallem durch die cleanen Gesangsparts zu stande. Diese sind in gewissen Songs zwar wieder mal höchst pathethisch, doch hundertprozentig anfixend. Allgemein versprüht “Wolfbiker” auf voller Albumlänge einen hohen Partyfaktor. Songs wie “Chaney can’t quite riff like Helmet’s Page Hamilton” oder “Wolfbiker” dürften gerade live eine Mordsgaudi sein. Die Platte ist einfach positiv und bringt Spaß. Die Härte, die Wut, die Rohheit und auch die Ernsthaftigkeit gehen bei all den Hymnen aber nicht aus. Die Produktion der Platte ist auch mehr als gelungen. Die Grooves, die Melodien, die Breakdowns, hier klingt alles so, wie es klingen sollte. Soundtechnsich zeigen ET perfekt vor, wie man den Spagat aus “fett”, “eingängig” und “roh” hinliegt, ohne Glaubwürdigkeit zu verlieren. Vorallem in Sachen Abwechslungsgrad punktet diese Scheibe ungemein. ET verstehen es perfekt einzelne Facetten nicht überzustrapazieren. Der Bulldozer-Part in “Rip this!” bleibt er auf der Platte z.b. einmalig und wird nicht woanders wieder verwurstet. So wartet man bei jedem neuen Durchlauf voller Vorfreude auf diesen Killerpart. Doch neben richtigen dicken Moshparts, gibts hier auch genug ehrlichen Hardcore-Punk, genug hymnenhafte Refrains, genug ergreifende Melodien und schlichtweg genug tolle Einfälle, sodass die Platte steht’s auf einem sehr hohen Level bleibt. “Wolfbiker” ist in seiner ganzen Mischung, seiner Kombination… seiner Gesamtheit schlichtweg eins der eigenständigsten, frischesten Alben in diesem Jahr. Und das sollte Kompliment genug sein. 9/10

05. Hot Cross - “Risk Revival” (Equal Vision / Hope Division)
Hot Cross sind zurück! Nach 3 Jahren Pause, hat sich die Band zu einem “Revival” durchgerungen. Ob das allerdings großartig riskant ist, sei bei dem unverschämten Talent der vier Musiker mal dahingestellt. Vier? Jawohl, denn Josh Jakubowski verließ die Band in der Schaffenpause, ist auf “Risk Revival” aber irgendwie doch noch dabei. Als Produzent nämlich und als aktiver Gastsänger in zwei Stücken. “Produzent” ist übrigens ein gutes Stichwort, denn die Produktion von “Risk Revival” ist wahrscheinlich die größte Veränderung im Vergleich zu den vorigen Werken. Genau das ist auch der Punkt an dem sich die Geister scheiden werden. Die Rohheit die die früheren Werke auszeichnete ist nämlich etwas dahin. Dafür ist die Produktion einfach dicht wie Sau! Und genau DAS passt schlichtweg zur neuen Einstellung der Band. Hot Cross funktionierten als Einheit noch nie so perfekt wie auf “Risk Revival”. Wo früher jedes Instrument sein eigenes Süppchen kochte, da fokussiert sich nun die ganze Band auf das selbe: den Song. Rein stilistisch heißt das bei Hot Cross: weniger Chaos, weniger Screamo, weniger Mathematik. Dafür mehr Struktur, mehr straighter Punkrock. Das punkige, direkte “Kill the Name” etwa, mit seinem hymnenhaften Refrain wäre früher undenkbar gewesen. Der ungewöhnlichste Song ist wohl das hochmelodische “Silence is Failure”, das als einziger Song komplett im midtempo verläuft und ohne Gefrickel auskommt. Die zurückgelehnten Momente vermisst man ansonsten etwas, mal abgesehen vom Flamenco-Gitarren-Intro in “Exits and Trails” oder dem akustischen Intro von “Finance fuels the Sickness at Heart”. Ansonsten lässt einem die Platte trotz aller Struktur keine Sekunde Zeit durchzuatmen. Die beinahe überschäumende Spielfreude und Passion mit der die Musiker hier zu Werke gehen ist heutzutage so gut wie konkurrenzlos. Schlussfolgerung: wie auf jeder Scheibe klingen Hot Cross etwas anders, aber wie auf jeder Scheibe bleiben Hot Cross Hot Cross. Und dieses Mal ist es, aufgrund des stark veränderten Sound-Gewands, doch sehr beeindruckend wie viele Trademarks hier drinstecken. Auch ohne “Cryonics” zu toppen macht diese Band 95% aller aktuellen HC-Bands nass. Wer über zu wenig Innovation und Eigenständigkeit in diesem Genre jammert, der weiß, was er zu tun hat… 9/10

06. Emmure - “Goodbye to the Gallows” (Victory)
Das hier ist die Moshplatte des Frühlings! Die 5 Jungspunde zocken hier ohne weiteres ein kompromissloses Bulldozer-/Moshcore-Monster runter, dass einem die Spucke wegbleibt. Besonders an der Platte sind sicherlich die vielen massiven Midtempo-Parts, die einen mit ihrer Brutalität und ihrem unbändigen Groove einfach nur überrollen. Die Gitarren klingen dabei zwar sehr metallisch, aber eher auf eine technische Art. In gewissen Songs machen die Jungs gar Abstecher Richtung Doom-Metal. Und auch tolle Melodien schreiben können Emmure. Ein Song wie “Rusted over wet Dreams” entwickelt so zum Beispiel ein unglaublich hohes Hitpotenzial und erinnert gar an Bands wie Misery Signals oder Poison the Well. Ansonsten ordnet sich die Band eher bei anderen Mosh-Combos wie Bury your Dead oder Remembering Never ein, wobei man auch Parallelen zu Norma Jean nicht abstreiten kann. Also defacto wird hier ziemlich vieles vermischt, dass in den letzten Jahren im Metalcore-Bereich relevant war. Aber das wird auf eine so intensive und überzeugende Art und Weise gemacht, dass “Goodbye to the Gallows” nicht wie ein weiteres Abziehbild rüberkommt. Im Gegenteil! Gerade die düstere, morbide Atmosphäre reißt vom ersten bis zum letzten Song mit. Eine gewisse Portion Zynismus (gerade bei den Texten) rundet die Sache dabei perfekt ab. Vorallem die kranken, aber herrlich überdrehten spoken words (”this is… the end”, “what shall we name him?”) fressen sich ins Gehirn. Die Mischung aus mitreißenden, melodiöseren Nummern und bitterbösen, sarkastischen Wutbrocken gelingt Emmure dabei so gut, dass die Platte ohne irgendwas Neues zu machen, voll überzeugt. Gratulation also auch an Victory, die hier eine ihrer besten Platten der letzten Zeit veröffentlicht haben. 8/10

07. Heaven in her Arms - “s/t” (Ape must not kill Ape)
Heftiger Stoff, den und Heaven in her Arms hier um die Ohren hauen. Zählt man Label und Herkunftsland der Truppe zusammen, sollte klar sein, wer hier das Vorbild ist. Natürlich die legendären Envy. Den Landsleuten natürlich sehr ähnlich liefern Heaven in her Arms hier ein fast 60-minütiges Klangepos ab, das auf Anhieb fasziniert und selbst auf längere Sicht einfach nur fordernd ist. Zwischen schwer metallischen, nosigen Parts, höchstintensivem Geschrei, fiesen Blasts, langen Interludes, befremdlichen Sprechpassagen und hoffnungsvollen Melodien zieht das Album dabei seine Bahnen. Anfangs blickt man nur schwer durch, aber je mehr man sich damit auseinandersetzt, desto intensiver wird dieser Höllenritt. Bis auf ein paar wenige, ganz dezent versteckte, Hoffnungsschimmer klingt das Ganze dabei stets depressiv und vorallem düster. Die Songs sind dabei vollgesteckt mit netten, kleinen Einfällen und sind immer dazu in der Lage sich zu steigern. Gerade die Dosierung von Heaven in her Arms ist wohl gelungen. Nachdem sich ein Songs zum furiosen Finale hochgeschaukelt hat, gibt einem der nächste gewiss eine Verschnaufspause in Form eines 2-minütigen, melodischen Interludes. So läufts zumindest nicht selten ab. Gut so, denn sonst wäre das Ganze schwer auszuhalten. Die größte Geschmackssache dürfte dabei mit Sicherheit das Geschrei sein. Denn das ist größtenteils NICHT hintergründig, sondern liefert sich gerne mal ein nervenzerreißendes Duell mit den Instrumenten. Der Nervfaktor kommt dadurch zustande, dass der/die Shouter sehr hoch und noch hysterischer kreischt. Und das dürfte vielen auf die Nerven gehen. Selbst wenn’s mich die meiste Zeit über mitreißt, muss ich sagen, dass ich mir hier etwas mehr Facettenreichtum gewünscht hätte. Andererseits wird das von der verrückt gewordenen Instrumental-Abteilung wieder wett gemacht. Denn diese schöpft ne Stunde lang aus einem fetten Potpourri an (teils schrägen) Einfällen. Hervorheben sollte man unbedingt auch die, für Genreverhältnisse, richtig fette Produktion. Und das ist hier mal nicht mit nem negativen Beigeschmack versehen. Wer also auf dem Debütalbum schon so ans Werk geht, der hat massig Talent. Und das sollt man mal honorieren. Wer also mit Between the Buried and me, The Mars Volta und wie sie nicht alle heißen, nix anfangen kann, aber von ner Platte trotzdem gern gefordert wird, für den hab ich einen Befehl: Kaufen! 8/10

08. Escapado - “Initiale” (Grand Hotel Van Cleef)
Was tun, nach einem derartigen Erfolg wie “Hinter den Spiegeln”? Probieren einen Nachfolger zu machen? Irgendwas komplett Neues machen? Eine Mischung daraus? Nicht einfach. Die meisten Bands scheitern daran. Escapado allerdings, haben mit “Initiale” wohl alles richtig gemacht. In einigen Bereichen gabs eine Weiterentwicklung, hier und da klingen ein paar neue Facetten durch, doch die Band blieb sich trotz alle dem 100% treu. “Initiale” gelingt dieser Spagat aus “am Sound fest halten” und “nicht stagnieren” nämlich perfekt. Viele Parts erinnern relativ stark an “Hinter den Spiegeln”. Drei, vier Melodien oder Grooves wurden sogar unverändert übernommen. Doch ansonsten ist “Initiale” um einiges melodiöser. Ein gewisser Indierock-Einfluss ist nicht zu leugnen. Die harten Parts sind vielleicht nicht mehr ganz so aggressiv und rotzig wie früher, doch auch das passt zur neuen Platten. Denn Escapado legten diesmal einfach viel mehr Wert auf Atmosphäre. “Initiale” funktioniert als Gesamtwerk somit wirklich hervorragend. Die sphärische Melodieführung nimmt einfach gefangen, das Händchen für ergreifende Spannungsbögen ist eine ganz große Stärke der Band. Der vorher veröffentlichte Track “Coldblack…” beschreibt die Platte wohl am besten. Nach dem wuchtigen Beginn wird Spannung und Atmosphäre erzeugt, bis zum Ende hin ein, sich ins Hirn fressender, Slogan einsetzt, der dem Stück das letzte Stück Dramatik verleiht. Die mal dezente, mal dicke Portion Epik in Songs wie “Stillleben” oder “Ausgeblendet” verleiht der Platte noch mehr Intensität. Ansonsten gelang es der Band trotz allem Anspruch eine dicke Sammlung an lupenreinen Hits auf die Beine zu stellen. Anbiedernd oder stagnierend klingt die Band dabei allerdings in keiner einzigen Sekunde. Ist das Ganze noch Screamo? Nein. Und trotzdem sollte die Entwicklung keinem alten Fan vor den Kopf stoßen. “Hinter den Spiegeln” hat am Ende sicherlich mehr große Momente. Diese Platte ist viel besser zum Tanzen oder Abgehen geeignet. Sie ist schlichtweg intensiver. Diesen einen Schritt ist “Initiale” von seinem Vorgänger entfernt. Außerdem ist der Überraschungseffekt einfach weg. Aber in Anbetracht der Umstände, konnten Escapado kaum ein besseres Album als “Initiale” aufnehmen. Kopfhörer aufsetzen, ins Sofa krümeln und genießen… 8/10

09. Sounds like Violence - “With Blood on my Hands” (Deep Elm / Burning Heart)
Bei den ganzen Stilmixen heutzutage, isses schon ein großes Ding, wenn eine Band ihren ganz eigenen Sound spielt. Sounds like Violence schaffen dies tatsächlich. Die Mischung aus Emo, Indie- und Postrock ist schon relativ frisch. Stimmungstechnisch ist das hier wirklich so “emo”, dass sämtliche Emo-Bands der letzten Zeit verblassen. Hier wird gelitten was das Zeug hält. Das Besondere ist allerdings, dass hier wirklich stilvoll gelitten wird. “With Blood on my Hands” ist zelebriertes, inszeniertes, als Kunstform missbrauchtes Leid. Gerade Sänger Lars Söderlund schüttet auf intensivste Art und Weise sein Herz aus und schafft mit seiner einmaligen Falsett-Stimme eine zwar melancholische, aber auch morbide Atmosphäre. In den Songs gehts um zerbrochene Freundschaften, die erste Liebe oder das befreiende Gefühl einer zwanghaften, zu Bruch gegangenen, Liebesbeziehung. Wenns dann in “Heartless Wreck” heißt “you have used my heart to decorate your white walls, does your boyfriend consider it as art?” merkt man wie überzogen und künstlerisch hier gelitten wird. Liest man sich nur die Texte durch, bekommt man zwar immer wieder ein Schamesgefühl und denkt sich “hat der ein Rad ab”, aber Sounds like Violence beweisen wieder einmal wie wichtig die Vertonung von simplen Zeilen ist. Denn durch die schräge Intonierung von Lars und die trockene musikalische Abteilung bekommen die Songs einen völlig anderen Anstrich. So richtig cheesy ist hier gar nix, hier können auch ältere Hörer mitgehen! Auch wenn die Stimmung der Platte sehr zerbrechlich ist und es auch die ein oder andere Emo-Harmonie gibt, die musikalische Abteilung hat mit der ausgelutschten Musik-Richtung nur rudimentär was gemein. Viel eher gibts hier kratzige Gitarren, eine trockene Rhythmus-Abteilung und straight nach vorne rockende Songs. Sämtlicher Zucker und sämtlicher Pathos wird somit immer wieder erstickt. Das erinnert musikalisch dann eher an Bands wie Slut oder Interpol. Auch wenn die eigenständige Mixtur in Verbindung mit den tollen Vocals von Anfang an mitreißt, das Niveau der Platte schwankt leider etwas. Es gibt durchaus viele, lupenreine Hits, doch gerade zum Ende hin sind den Schweden wohl die guten Songs ausgegenangen. Und so bricht die Platte gerade im letzten 1/3 etwas ein. Schade, denn sonst wäre der Gesamteindruck makelllos gewesen. So ists aber immer noch ein Pflichtkauf wert für Leute die sowas wie “erwachsenen Emo” suchen. 8/10
10. Daniel Striped Tiger - “Capital Cities” (Clean Plate)
Eine richtig starke Entwicklung legten Daniel Striped Tiger mit ihrem zweiten Album hin. War das Debüt “Condition” noch sehr offen und experimentierfreudig, da klingt “Capital Cities” bei weitem fokussierter und gereifter. Auf dem Vorgänger fand ich eigentlich die ruhigen, melodiösen Parts um einiges aufregender als die Ausbrüche. Und hier verhält es sich nicht anders. Gut so, dass es auf “Capital Cities” auch mehr davon gibt. Diese sind aber noch um einiges minimalistischer und vorallem düsterer ausgefallen. Im Stile von Bands wie Funeral Diner oder auch Godspeed you Black Emperor ziehen Daniel Striped Tiger wunderbar atmosphärische Flächen auf und steigern die Stücke praktisch aus dem Nichts zu einem Ausbruch. Allerdings passiert das bei DST nicht auf die epische, sondern auf die flott Weise. Denn das Album ist bei sieben Stücken grad mal 25 Minuten lang. Der längste (und beste) Song “Flags and Capital Cities” bringts auf über sechs Minuten und erinnert am stärksten an erwähnte Bands. In der zweiten Hälfte treten die Jungs öfter mal aufs Gaspedal und lassen den Noisefaktor etwas nach oben schellen. Schlecht wirds dabei allerdings nie, gibts schlichtweg wenige Bands die diese Mischung aus schrägem Postpunk, Indierock, Noise und atmosphärisch-ruhigen Teilen so gut hinbekommen. Am ehesten erinnerten mich DST mit ihrem neuen Sound an eine reduzierte Düster-Version von North of America oder deren Nachfolgeband The Holy Shroud. Auf jeden Fall klingt “Capital Cities” im Wust der ganzen Copy-Cats mal verdammt erfrischend. Die minimalistische Produktion sowie das grandiose Artwork sind auch oberste Liga in diesem Bereich! Und die liebgewonnene Trompete kommt nur in einem Song (und da auch sehr dezent) zum Einsatz. Aber diese schräge Bläserei von “Condition” hätte auch nicht auf die neue Scheibe gepasst… 8/10
11. Poison the Well - “Versions” (Ferret)
Zugegeben, wenns drum ging über die Entwicklung von PTW zu jammern, war ich immer an vordester Front. Schlichtweg weil ich die alten Sachen für Geniestreiche halte, während alles was nach “The Opposite of December” kam eine Riesenenttäuschung war. Von “Versions” hab ich mir insofern gar nix erwartet und bin jetzt umso positiver überrascht worden. Mit der neuen LP isses PTW nämlich endlich gelungen sich komplett vom alten Bandsound abzugrenzen, sich komplett von der HC-Szene zu emanzipieren. Im Grunde ist hier eine neue Band am Werk! “Versions” ist eher sowas wie Prog-Rock-Epos geworden, versehen mit Noise-Attacken und vielen vielen Experimenten. Und genau die sind es, die “Versions” so aufregend machen. Ob das Wüstenrock-Einflüsse, kleine 2-Step-Einlagen oder bluesige Songgebilde sind. Außerdem benutzt gerade Ryan Primack viele relativ ungewöhnliche Instrumente: Ob ein Banjo, ein Wurlizer Piano, eine Mandoline oder die häufig eingesetzte Slide-Gitarre. Richtig geil auch die Trompeten-Einsätzen in einigen Songs! Außerdem spielte der gute Ryan, der eigentlich mal auf die Stromgitarre reduziert war, sogar den Bass ein. Schließlich schrumpfte PTW vor “Versions” auf ein Trio zusammen. Somit ist “Versions” dank der vielen Experimente und der fast schon Jam-mäßigen Attitüde eine der ungewöhnlichsten Platten seit langer Zeit. Derart viele schräge Sounds hörte man selten. Trotz punktet “Versions” mit einer in sich geschlossenen, verdammt düsteren Atmosphäre. Diese Kombination aus komischen Sounds und den dunklen Facetten erzeugt dabei das Gefühl in einer fremden Welt rumzutorkeln. Einige Songs, gerade meine Favoriten “Composer meet Corpse” oder “You will not be welcomed”, können aber auch hervorragend für sich selbst dastehen. Obwohl einem bei “Versions” also rein kategorisch eher Bands wie Dredg, die Deftones, Portugal.The Man oder in gewissen Momenten auch die Queens of the Stone Age in den Sinn kommen, fühlte ich mich konzeptionell auch oft an Bands wie Curl up and Die oder Converge erinnert. Gerade diese Mischung aus eher längeren, hypnotischen Songs und kurzen, noisigen Aggro-Brechern schreit meiner Meinung danach. Die mit viel Geschrei versehenen lauten Nummern fügen sich aber hervorragend ins Gesamtbild ein und bestehen aus allerhöchstens einem Drittel der Spielzeit. Was bleibt zu sagen? Diese Platte sollte man schlichtweg selbst hören, sie wird polarisieren bzw. hat dies ja schon getan. Ich bin begeistert, gerade weil ich die Band schon abgeschrieben hatte. Congrats! Auch an Ferret, die schon wieder nen Kracher veröffentlicht haben… 8/10

12. Kate Nash - “Made of Bricks” (Fiction)
Man kennt das: immer wieder stößt man beim Zappen oder im Radio auf einen Pop-Song und findet den irgendwie klasse. Meistens belass ich es bei dem ersten guten Eindruck und informier mich nicht weiter über den Interpreten. Denn so nett solche Musik oftmals nebenbei klingt, so belanglos wirds, wenn man sich damit auseinandersetzt. Kate Nash ist da eine rühmliche Ausnahme, kann ich mir ihre Scheibe doch von vorne bis hinten anhören. Und das obwohl sie mit ihrer Mischung aus Pop, Singer-Songwriter, sowie etwas Soul und etwas Hip-Hop völlig aus meinem Schemata rausfällt. Doch die junge Frau klingt einfach ehrlich und ist zudem alles andere als ein gemachter Pop-Star. Songs werden hier noch selbst geschrieben und Instrumente werden ebenfalls noch selbst bedient! Und die Frau ist definitiv eine klasse Songwriterin, denn “Made of Bricks” bietet satte Abwechslung. Neben einer luftigen Ballade wie “Birds” fanden auch coole, bluesige Nummern wie “Dickhead” oder poppige, sonnige Stücke wie “Mouthwash” ihren Weg aufs Album. Die musikalische Inszenierung ist dabei recht minimalistisch, aber hundertprozentig passend. Im Mittelpunkt steht nämlich Kate selbst, mit ihrer wandlungsfähigen Stimme, zwischen Sprechgesang und sanftem Gesang. Scheiden werden sich die Geister natürlich am “London”-Akzent der Dame. Gerade den finde ich aber einfach großartig und höchst charmant! Obwohl hier dicke Moshparts und Breakdowns also abgehen, ist “Made of Bricks” von vorne bis hinten Unterhaltung auf höchstem Niveau. Daran Schuld sind vorallem die vielen, teils auch kuriosen, Einfälle. Definitiv DIE Pop- und Wohlfühl-Scheibe des Jahres! Songs wie “Foundations” oder “Merry Happy” lassen mir einfach nur die Sonne aus dem Arsch seinen. So solls sein… 8/10

13. Queens of the Stone Age - “Era Vulgaris” (Interscope)
Nach dem enttäuschenden, weil harmlosen, gerade mal soliden Vorgänger “Lullabies to Paralyze”, war klar, dass sich bei den Queens einiges tun wird. Und so ists auch gekommen, denn “Era Vulgaris” ist wieder ein absolut releveantes Stück Musik geworden. In vielen Teilen ist das neue Album auch eine Neuerfindung der Band. Der typische Gitarrensound der die letzten Alben auszeichnete ist hier nur mehr ansatzweise vorhanden. Statt heftige, undurchdringbare Riffwände aufzuziehen klingen die Gitarren auf “Era Vulgaris” einfach nur schräg, kaputt oder wie es Homme selbst nannte “verkrüppelt”. Außerdem ist der Sound weit weniger basslastig als z.b. noch zu “Songs for the Deaf”-Zeiten. Die gesamte Produktion ist für Queens-Verhältnisse doch sehr minimalistisch und lo-fi, Hits müssen sich hier erst rauskristallisieren. Doch obwohl das Songwriting recht experimentell und extravagant ausgefallen ist, bietet “Era Vulgaris” viele tolle Momente. Meistens entstehen diese in Kombination aus den schrägen und den eingängigen Seiten. Aber mit der ersten Single “Sick, Sick, Sick”, dem poppig-souligen Schunkler “Make it wit chu” und dem Meisterstück “3’s & 7’s” befinden sich auch auf der neuen Scheibe einige lupenreine Hits. Der vielleicht wichtigste Song ist “I’m Designer”, das heimliche Titelstück von “Era Vulgaris”. Textlich zynisch und zum gesamten Charakter der Platte passend, musikalisch beschreibend für den Sound: hier treffen schräge auf psychedelische Seiten, während sich aus dem Nichts eine einschmeichelnde Melodie in den Song schmuggelt. Aber auch die verschrobeneren Stücke haben ihre Momente: der geniale Anfang von “Battery Acid” z.b., das mit einer verkrüppelten Gitarre startet um dann in einen stampfenden Beat überzugehen. Oder das elegante, verträumte “Suture up your Future”. Oder das gefangen nehmende Hypno-Brett “River in the Road”. Im Rausschmeißer “Run, Pig, Run” gibst sogar nochmal die altehrwürdigen Gitarrenwände. Klar ist “Era Vulgaris” am Ende keine Hitsammlung wie “Songs for the Deaf”, aber das konnte es bei DER Herangehensweise auch nie werden. Vom Sound her isses allerdings verdammt frisch. Das ist genau die Platte die Band und Musikwelt gebraucht haben! Wer’s nicht schnallt, tut mir leid… 8/10

14. Young Livers - “The new Drop Era” (No Idea)
Erster Gedanke: Was für ein wunderschönes Cover. Würd auf nem Digipak natürlich noch um Welten edler wirken. Zweiter Gedanke: No Idea. Schon ewig nix mehr von dem Label gehört. Geht bestimmt in die Gainesville-Ecke. Dritter Gedanke: jau, ist so! Allerdings ist das auch nicht weiter tragisch, da dieser rauhe Postcore heutzutage nicht mehr so oft gespielt wird wie etwa noch vor fünf, sechs Jahren. Und so gut wird er auch selten gespielt. Young Livers nehmen sich aber noch eine gute Portion an Drive like Jehu-Rhythmik und -Drive hinzu und kreieren phasenweise ihr eigenes Süppchen. Phasenweise. Denn größtenteils klingt hier natürlich vieles nach Hot Water Music oder auch Tribute to Nothing. Schnelles Drumming, verspielte melodische Gitarren und rauhe, emotionale Vocals bilden das Grundgerüst. No Bullshit lautet hier eindeutig die Devise. Und so werden die 8 Songs in gerade mal 21 Minuten runtergekloppt. Aber das reicht. Viel mehr muss man dazu nicht sagen. Neben straighten HC-Momenten bietet “The New Drop Era” auch genug Hitpotenzial oder die ein oder andere mitsingtaugliche Zeile. Allerdings bleibt das Ganze meist sehr garage-ig, ungeschliffen und rauh. Der Überhit “Fair Well” bleibt allein auf weiter Flur. Das liegt aber auch daran, dass man auf allzu übertriebenes Hymnen-Gehabe gekonnt verzichtet. Dem Unterhaltungswert tut dies aber keinen Abbruch, da die Young Livers jedem der acht Songs ihren eigenen Charakter verleiht. Das ungefähre Schema bleibt zwar das gleiche, aber kleine Feinheiten machen die einzelnen Songs aus. Am Ende passt man zwar perfekt in die Gainesville-Ecke, klingt aber nicht wie ein HWM-Rip-off. Viel eher beweist man dass man deren Sound gekonnt mit ein paar rohen Facetten aus San Diego kombinieren kann. Letzter Gedanke: feine Sache, das. Ersteindruck bestätitgt! 8/10

15. Amalthea - “Decisions should be a Desert, bright and clear” (Ape must not kill Ape)
“Decisions should be a Desert…” ist nach einer 7″ und einem Split das Debütalbum von Amalthea. Und die vier Schweden liefern damit definitiv eins der Jahreshighlights in diesem Bereich ab. Wie man das schon von diversen Bands kennt mixen die Jungs Screamo-Parts mit Postrock-Elementen und einem Schuss Emo/Indie. Damit müssen natürlich wieder mal Funeral Diner als Referenz herhalten. Aber auch Bands wie Yaphet Kotto, You and I, Indian Summer oder Saetia sind alles andere als fern. Starten tut das Album vielleicht etwas augelutscht mit einem ruhigem Instrumental. Dieses hält sich mit vier Minuten aber gottseidank in Grenzen. Der Übergang zum eigentlichen Opener “Econ” ist allerdings große Klasse. Und von da an machen Amalthea keine Gefangenen mehr. Ein Postpunk-Beat animiert zum Bewegen und auch das rotzige Geschrei kann gefallen. Doch nicht lange dauerts und so bekommt auch dieser Song eine melodische, epische Facette. Bekann von oben erwähnten Bands vermischen sich reduzierte, hypnotische Parts mit Stakkato-Rhythmen und bedächtig aufgebauten lauten Passagen. Was Amalthea vielliecht allerdings von diesen Bands etwas abhebt, sind sicherlich die liechten Postpunk-Anleihen. Ein großer Pluspunkt sind auch die sehr facettenreichen, zweistimmigen Vocals. Neben vielseitigem Geschrei und spoken words schrecken Amalthea auch nicht vor gesungenen Emo-Harmonien zurück. Und gerade diese machen die Songs höchst eingängig. Aber auch ansonsten stimmt hier einfach das Verhältniss aus (nie erdrückender) Härte und Melodie, aus atmosphärischen und eingängigen Abschnitten. Durch und durch runde Sache also, dieses Debütalbum der Schweden. Mehr von! 8/10

16. Enter Shikari - “Take to the Skies” (PIAS)
Da haben wir ihn wieder einmal. Einen Newcomer, der plötzlich von 0 auf 100 schießt. Gepusht durch myspace und einem Support-Slot für Billy Talent wurden Enter Shikari praktisch über Nacht zum “nächsten großen Ding”. As usual werden bei dieser Band die Meinungen auseinandergehen. Hypeprodukt oder Messiahs. Was auch immer, ich persönlich finde “Take to the Skies” eigentlich ziemlich stark. Das Aushängeschild der Engländer ist, dass sie Electro-Elemente mit Emocore verbinden. Das erinnert teilweise an Horse the Band, ist im Kontext einer Emo-Platte aber doch irgendwie neu. Vorallem aber auch ist die Elektronik hier in jedem Song enthalten. Sie spielt sich aber nicht mit durchgeknallten Momenten in den Mittelpunkt, sondern ist hier viel flächiger. Statt Keyboard-Eskapaden gibts hier schlichtweg sowas wie Trance, der die Songs mehr oder minder “atmosphärisch” unterlegt. Phasenweise nervt das etwas, phasenweise funktionierts wieder ganz gut… aber im Großen und Ganzen ist der Trance-Faktor vielleicht etwas ZU dominant. Denn den Hype für diese Mischung kann ich eigentlich nicht nachvollziehen. Was ich nämlich toll an dieser Band finde, ist ihr Talent, schöne Melodien und Gesangsharmonien zu schreiben. Auch die Gesangsarbeit ist ziemlich stark. Das Wechselspiel aus Geschrei und sanften Parts funktioniert hier prima. Und obwohl die Songs sicherlich recht eingängig und poppig sind, lassen sich Enter Shikari doch immer wieder fallen und spielen sich in einen Rausch. Der ganzen Platte haftet eine unheimlich hypnotische Atmosphäre an, die durch die langgezogenen Emo-Harmonien und den Trance erzeugt wird. Phasenweise erinnert das etwas an Alexisonfire zu “Watch out!”-Zeiten oder aber an Hopesfall. Auch wenn man sich nach ner Zeit an die Elektronik gewöhnt hat, das große Problem dieser Platte ist sein recht großes Füllmaterial. Vorallem die vielen Elektro-Interludes, Intros und Outros hätte man sich schenken können. Die Platte kommt somit auf eine Spielzeit von über 50 Minuten, was für eine Emocore-Scheibe doch etwas zu viel ist. Hätte man hier radikal auf 30-35 min. gekürzt, wäre “Take to the Skies” eine durchgängige Hit-Platte geworden. So aber sind immer noch genug tolle Momente drauf, die sich für Genrefans absolut lohnen. Mich persönlich könnte die Band auch ohne den ganzen Elektro-Schnickschnack überzeugen, denn sie haben auf jeden Fall ein Händchen für gute Songs. 7/10

17. Fitzcarraldo - “Herbst” (DIY)
Starkes Debüt, dass diese neue Band aus Aschaffenburg hier eingespielt hat. Fitzcarraldo verstehen es eindeutig für atmosphärische oder spannende Momente zu sorgen. Gute 50 Minuten lang zelebriert die Band hier ein Epos, das sowohl verdammt ruhige Momente, als auch inbrünstige Ausbrüche zu bieten hat. Letztere bleiben bei Fitzcarraldo die Ausnahme und sollen wohl eher sowas wie ein zusätzliches Soundelement sein. Größtenteils ist “Herbst” nämlich ziemlich minimalistisch, ruhig und auch instrumental. Denn das völlig unverständliche Geschrei kommt nur selten zum Einsatz. Stattdessen bäumen sich die Instrumente immer wieder auf, um im nächsten Moment wieder Stille regieren zu lassen. Zwischendrin gibts auch ziemlich passende Voice-Samples. Irgendwo zwischen Postrock, modernem Screamo und purem Ambient kreieren Fitzcarraldo somit eine völlig trostlose Stimmung. Depri-Mucke praktiziert die Band dabei allerdings nicht, gibts doch auch mal etwas lichtere oder verträumte Passagen. “Herbst” halt, würd ich sagen. Obwohl die Scheibe in neun Songs unterteilt ist, machts wenig Sinn sich diese einzeln anzuhören. Typisch für diesen epischen Atmo-Stoff ist “Herbst” schlichtweg ein Gesamtwerk. Ein Gesamtwerk, das wirklich grandiose Momente zu bieten hat. Diese sind meistens in den reduzierten Ambient-Abschnitten, den traurigen Pianoklimpereien oder den herrlichen Gitarrenmelodien zu finden. Doch bei all dem Lob können Fitzcarraldo einfach noch nicht mit ihren Vorbildern mithalten. Man merkt, das dies hier ihre erste LP ist, da sich doch noch einige schwächere, zähe, monotone Parts eingeschlichen haben. Empfehlen würde ich diese Scheibe allerdings trotzdem jedem Freund von Bands wie Godspeed you Black Emperor! und Sigur Ros oder Funeral Diner und City of Caterpillar. Denn ehrlich gesagt sehe ich die Band genau zwischen diesen beiden Stühlen. Zwischen den progressiven, weiten Flächen erstgenannter Bands und dem modernem, anspruchsvollem Screamo zweiterer. 7/10

18. The Ghost of a Thousand - “This is where the Fight begins” (Undergroove)
Mal abgesehen von dem ganzen Retrorock kommt aus England ja allerhöchstens mal eine nette Emoband. The Ghost of a Thousand sind da mal ne richtige Erfrischung. Denn “This is where the Fight begins” ist mit das Wütendste, das in den letzten Jahren von der Insel kam. Die Band hat gar keinen herausragenden, künstlerischen Anspruch oder eine dicke Palette an Emotionen. Hier gehts einfach drum möglichst vielen Leuten den Mittelfinger ins Gesicht zu strecken. Und dazu ist diese Platte einfach der perfekte Soundtrack! The Ghost of a Thousand klingen ungefähr so als ob jemand versucht hätte einen Hybriden aus The Bronx, Since by Man und Refused zu kreieren. Die Songs gehen, meist im Uptempo, ohne irgendwelches Gegniedel direkt nach vorne. Diese dreckige Rock’n'Roll-Attitüde erinnert dabei stark an The Bronx, wobei The Ghost of a Thousand eindeutig mehr HC-Einschlag haben. Denn das heftige Geschrei kommt in Intensität ungefähr an den Shouter von Since by Man ran. Überhaupt: wenn die Band mal etwas melodischer wird, einen leichten Touch von Epik (”Up to you”) bekommt oder auch mal die Handbremse anzieht, erinnert das Ganze sehr stark an letzt erwähnte Band oder eben an Refused. Ein gutes Beispiel ist “As they swarm they breed”, der vielleicht beste Song der Platte. Bei all der Angepisstheit, all der “Kopf-durch-die-Wand”-Attitüde, lebt “This is where the fight begins” vorallem von seinem unbändigen Groove. Und wo wir vorhin gerade bei Shouter waren: der Shouter dieser Band ist der mit Abstand beste, der in den letzten Monaten (und Jahren?) aus dem HC-Bereich kam. Mit einer unglaublich geilen, rotzigen, angepissten Stimme keift der gute Mann 28 Minuten lang seine Parolen in die Masse. Da machts einfach Spaß mitzugehen. The Ghost of a Thousand sind also wieder mal so eine Band, die gerade durch die Vocals, nochmal enorm aufgewertet wird. Vielleicht (oder ganz sicher sogar) blasen nicht alle Songs komplett weg und vielleicht hätte ich mir hier und da noch etwas mehr Wechsel zwischen Laut und Leise gewünscht, aber abgesehen davon, ist “This is where the Fight begins” eine durchwegs runde Sache. Wenns also aus (Hyp)england wieder mal eine Band verdiente hätte, Lohrbeeren abzusahnen, dann bitte diese hier! 7/10

19. The Fall of Troy - “Manipulator” (Equal Vision)
Vielseitiger!
Vielseitiger ist sie geworden, die neue Fall of Troy. Nicht unbedingt härter und auch nicht unbedingt weicher. Klar, die Gefrickel ist nich mehr ganz so ausgeprägt, einige Songs haben sogar einen unheimlich simplen, poppigen Charakter… doch das Wichtigste ist: die Band blieb sich treu. Und trozdem ist “Manipulator” eine Enttäuschung auf hohem Niveau. Wo die beiden vorangegangenen Alben wunderbar ohne größere Durchhänger durchliefen, da gibts auf “Manipulator” doch bein paar Füller. Das liegt sicherlich auch an den vielen Experimenten die man machte. Denn wo bei den früheren Sachen gewisse Charakteristika in fast jedem Song vorhanden waren, da gibts auf der neuen Scheibe doch etwas mehr Vielfalt. So gibts z.b. Ausflüge Richtung Bluesrock (”Quarter Past”), ein Tribut an Weezer (”Oh! The Casino!?”) oder gar einen waschechten Singer-Songwriter-Track (”Caught up”). Das geht mal gut, mal eher daneben, aber reicht selten über das Prädikat “nett” hinaus. Am besten sind Fall of Troy nämlich immer noch wenn sie in bekannter Manier frickelige, destruktive Momente mit Emo/Pop verbinden. So etwa im guten Opener “Cut down all the Trees and name the Streets after them”. Die beste Phase hat “Manipulator” dann von Track 7-10, wo sie in grad erwähnter Gangart nach vorne stürmen. Als großer Liebhaber ihres Debüts, fand ich den Gesang auf Doppelgänger schon etwas zu glatt und zu Nahe bei Mars Volta. Auf “Manipulator” ist das Ganze noch etwas glatter, zudem gibts ne gute Portion Falsett-Gesang Marke Blood Brothers. Im Großen und Ganzen erreicht “Manipulator” trotz vieler guter Songs und starker Momente aber niemals den Drive und die Klasse der beiden Vorgänger. Allgemein kommt sie eher wie eine Aneinanderreihung verschiedener Tracks rüber, während das Debüt und “Doppelgänger” viel eher einen zusammenhängenden Charakter hatten. Und trotzdem würde ich “Manipulator” keine richtige Enttäuschung nennen, zumindest finde ich sie noch WEIT besser als die letzte Blood Brothers. Aber irgendwie hätte man sich halt doch etwas mehr erhofft… 7/10

20. Nevea Tears - “Run with the Hunted” (Eulogy)
Wenn man sich dieses Jahr aus dem ganzen Pseudo-Screamo-Sumpf wirklich nur die zwei bis drei besten Platten fischen will, dann sollte man sich Nevea Tears’ “Run with the Hunted” unbedingt gönnen. Auch wenn ich bei 9 von 10 solchen Platten darüber meckere, dass ich die ganze Mischung einfach ausgelutscht finde, ist “Run with the Hunted” wohl genau die zehnte Scheibe, die mich irgendwie mitreißt. Die Scheibe hat nämlich neben einer ziemlich knalligen Produktion, auch relativ viele Facetten, atmosphärische Momente und sogar die ein oder andere kleine Überraschung. Die große Überraschung gibts wohl schon nach ein paar Minuten, da sich Nevea Tears doch stark weiterentwickelt haben. Das liegt sicher hauptsächlich an der nun um Häuser wuchtigeren Produktion. Das Debütwerk klang nämlich sehr roh und minimalistisch. Außerdem hat die Band in Sachen Härtegrad zugelegt. Das erste Album war ja sowas wie die größte Inspirationsquelle von Enter Shikari, vermischten doch Nevea Tears schon lange vorher Emocore mit elektronischen Elementen. Der Melodieanteil war dabei stets vorhanden. “Run with the Hunted” startet dagegen a. ziemlich hart und b. frei von elektronischen Spielereien. Der starke Opener “I am” knallt ohne Umstände aus den Boxen. Erst im dritten Song spielen sich die elektronischen Elemente das erste Mal in der Vordergrund. Aber im Verlauf der Platte werden sie relativ dezent eingesetzt, was aber alles andere als schlecht ist. Ansonsten gelingt der Mix aus harten Parts, fetten Grooves, schnellen Abgehpassagen, emoesken Melodien und atmopshärischen Momenten wirklich sehr gut. Zwar schlägt man damit sicherlich in die gleiche Kerbe wie Underoath, Drop Dead Gorgeous oder The Used, doch “Run with the Hunted” klingt einfach inspirierter und ausgereifter als viele myspace-Hypes der letzten Zeit. Überraschend auch, dass ein Großteil der Hits erst in der zweiten Hälfte zum Vorschein kommt. Sieht man also drüber hinweg hier nix Innovatives zu bekommen, ist “Run with the Hunted” eins der besten Genre-Releases der letzten Zeit. Anchecken! 7/10

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A Day to Remember - “For those who have Heart” (Victory)
Was man auch sagen will, aber die gesamte äußerliche Darstellung macht einem A Day to Remember irgendwie unsympathisch. Gepusht vom umstrittenen Victory Label soll hier wohl das neue große Dinge erschaffen werden. Angepriesen als “Pop Mosh” blasen die fünf jungen Anzugträger zum Angriff auf die Discos dieser Welt. Wie auch immer, der musikalische Part ist durchaus überzeugend. Pop Mosh hin oder her, das hier ist schlichtweg moderner Emocore. Was ADTR vielleicht etwas von anderen Bands abgrenzt, ist die Tatsache, dass die melodiösen Parts so zuckersüß sind, dass selbst Fall Out Boy-Hörer feuchte Unterhosen bekommen, während die harten Parts wirklich knallhart sind und im Grunde schon in Metalcore-Gefilde vorstoßen. Der klaren, ziemlich fetten Produktion sei dank! Klar gehört dieser enorme Kontrast zum Konzept dieser Band und klar wollen die Jungs einfach nur Spaß haben… aber phasenweise wirkt das Ganze natürlich arg aufgesetzt und zusammengestückelt. Gerade die Breakdowns stinken im Grunde schon 10 Meter gegen den Wind und langweilen nach ner Zeit etwas. Nichtsdestotrotz hat die Band genug Hits am Start, dass “For those who have Heart” über einen Großteil der Spielzeit ordentlich unterhalten kann. Alles andere als Pflichtstoff, aber für Nimmersatte ein Ohr wert. 5/10

Architect - “All is not lost” (Black Market Activities)
Black Market Activities brachten uns schon Bands wie Ed Gein und Psyopus, insofern weiß man, dass man von dem Label nur kranken Stoff erwarten kann. Zwar nicht mit den erwähnte Bands vergleichbar, passen Architect aber perfekt in den Roster. “All is not lost” ist vielleicht sogar die bis dato brutalste Scheibe in diesem Jahr. Kompromisslosen, metallischen Bulldozer-/Destructo-Core bekommt man hier eine halbe Stunde lang auf die Ohren. Bis auf ein paar ganz kurze Ambient-Interludes lässt einem die Band dabei keine Zeit zum Durchatmen. Das Album lebt schlichtweg von seiner Intensität und seiner Brutalität, von der man geradezu an die Wand gepresst wird. Die Songs geben sich dabei nicht mit stumpfem Mosh zufrieden, stattdessen sind die Strukturen durchaus mal vertrakter und chaotischer. Semi-chaotisch könnte man es auch nennen, denn eigentlich sind Architect doch noch einen großen Schritt von Ed Gein, Dillinger Escape Plan oder Converge zu “Jane Doe”-Zeiten entfernt. Die Dampfwalze regiert trotz allem musikalischen Anspruch. Am ehesten erinnert “All is not lost” somit an eine moderne Version der legendären Coalesce. Vocals und Produktion sind dabei auf ebenso hohem Niveau. Vielleicht geht bei den ganzen Aggressionen die die Band vermittelt etwas die Abwechslung flöten, aber das sollte man für diesen ultrabrutalten Wutbrocken auch mal in Kauf nehmen. Für jeden der auf solchen Stoff steht, ist “All is not lost” sicherlich Pflicht! Mir ists auf Dauer aber doch etwas zu eindimensional. 5/10

Baroness - “The Red Album” (Relapse)
Gemischt wurde das erste Full Length von Baroness bisher aufgenommen. Während es in Metal-Kreisen schon zu den besten Platten des Jahres gezählt wird, waren andere Reaktionen zwar noch positiv, aber eher gemäßigt. Und tja, an letzterem kann ich mich anschließen. Baroness spielen progressiven (!) Metal, gemischt mit progressivem (!) Rock. Ziemlich progressiv also. Klingt aber nur halb so originell, denn Baroness klingen genauso wie man sich den kleinen Bruder von Mastodon vorstellen würde. Vielleicht etwas weniger ungestüm, etwas runder. Es gibt immer wieder lange, ausgedehnte, melodiöse Parts. Zwischendrin rockige Abschnitte und selten sogar mal den ein oder anderen erruptiven Moment. Gerade die lauteren Parts sind mir persönlich aber etwas zu kraftlos, da hätte ich mir mehr gewünscht. Im Kontrast zu den ruhigen Parts hättens gerne auch etwas destruktivere Seiten sein dürfen. Geschrei gibts sowieso ganz selten, stattdessen gibts durchaus an Mastodon erinnernden, langgezogenen Gesang. Selbst der wird aber nur sehr bedacht eingesetzt, denn zu guten 70% ist “The Red Album” instrumental. Schlecht ist die Platte sicher nicht, aber mir gehen a. die wirklich großen Momente ab und b. auch eine kleine Prise Originalität. Bands wie Mastodon und Isis machen das Ganze einfach besser. Vorallem können Baroness dem ganzen Genre einfach nix hinzufügen. Es gibt ein paar gute Momente, aber als Gesamtwerk konnte mich die Scheibe einfach nicht kicken. Sucht man aktuell nach Alternativen, so empfehle ich die 2007er-Alben von The End und Yakuza. Denn die finde ich beide deutlich aufregender. Als Einstand in die Welt des Progs ist “The Red Album” aber ordentlich gelungen. Vielleicht entwickelt sich die Band ja noch. Die vielen Hype-Wertungen kann ich aber beim besten Willen nicht nachvollziehen. 5/10

Beatsteaks - “Limbo Messiah” (Warner)
Mit “Limbo Messiah” beweisen die Beatsteaks wieder einmal, dass sie absolut Querköpfe sind, die machen worauf sie Bock haben. Wer sich mit dem neuen Album einen straighten, poppigeren Nachfolger von “Smack Smash” erwartete, der wird eines Besseren belehrt. Stattdessen schlagen die Beatsteaks in alle möglichen Richtungen aus, ohne sich auf irgendwas feszulegen oder eine klare Linie zu verfolgen. Vielleicht ist “Limbo Messiah” damit nicht so dicht wie sein Vorgänger, aber dafür ist es das mit Abstand vielschichtigste Werk der Berliner. Auch wenn die Platte demnach sicherlich polarisieren wird, die Hitmaschine können die Jungs immer noch bedienen und so gibts bei 11 Songs Minimum 9 glasklare Hits. Den schwächsten Song gibts mit “As I please” gleich zum Anfang, danach gibts das schräge, wahnwitzige “Jane became insane”, den an Mike Patton erinnernden Brecher “Sharp, cool & collected” und die herrliche Halbballade”Meantime”. Dabei versprühen die Beatsteaks über die ganzen 31 Minuten eine unglaubliche Spielfreude und einen Mut, den man heutzutage nicht von vielen Bands kennt. Die Band gibt einen Scheiß auf irgendwelche Schubladen und wechselt hin und her zwischen stampfenden Rhythmen, einschmeichelnden Melodien und schrägen Experimenten. Am ungewöhnlichsten ist für meinen Geschmack “Cut off the Top”, das mit Hip-Hop-Groove und einem Drum’n'Bass-Beat daherkommt. Auch verdammt ungewöhnlich ist die soulig-funkige Ballade “She was great”. Das an die Bad Brains angelehnte “Bad Brain” gibt dann wieder mehr Gas, ist aber einer der schwächeren Songs der Scheibe, während das Schlusstrio absolut große Klasse ist. Das rhythmisch beginnende “Soljanka” wird mit der Zeit immer epischer, “Hail to the Freaks” ist gezügelter und einfach nur großer Poprock, während mit “E-G-O” wieder häufiger aus Gas getreten wird. Die abschließenden Worte “…fly me to the moon, i feel as a knight on top of the world” ist wahrscheinlich bezeichnend für das Album. Über allem! Gerade die Gitarrenarbeit hat sich bei den Beatsteaks eindeutig in eine andere Richtung entwickelt, zwei bis drei Songs ausgenommen, gibts hier nur mehr ganz wenig straighten Punkrock. Das hier hat viel mehr Soul, viel mehr Groove, mehr Feeling und auch mehr Pomp als die alten Sachen. Bezeichnend ist sicherlich auch die gesangliche Leistung von Arnim, der sich so vielseitig gibt wie noch nie. Was man auch von “Limbo Messiah” halten mag, aber die große Anzahl von Hits und großen Melodien geben den Beatsteaks wieder einmal recht. Vielen wird vielleicht die klare Linie und der Bezug zum älteren Sound fehlen, aber “Limbo Messiah” lebt einfach von seinem offenen Horizont. Am Ende finde ich die neue Scheibe persönlich einen Tacken schwächer als “Smack Smash”, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Wahrscheinlich sollte man die beiden auch gar nicht miteinander vergleichen. 7/10

Between the Buried and me - “Colors” (Victory)
Between the Buried and me steigerten den Prog-Faktor eigentlich von Album zu Album. Waren ihre früheren Sachen noch teilweise mit Bands wie Converge, Botch oder The Dillinger Escape Plan vergleichbar, kochen sie nun spätestens mit “Colors” ihr ganz eigenes Süppchen. Ihr viertes Album ist nämlich frei von irgendwelchen Genreschubladen oder Referenzen. Als “Rock-Oper” wurde “Colors” vielerorts gerne bezeichnet. Und tatsächlich: diese Scheibe ist ein Gesamtwerk, das aus vielen hunderten verschiedenen Parts besteht. Songs im eigentlichen Sinne gibts nicht und wenn dann folgen sie nicht dem üblichen Schemata. Verse, Choruse, Breakdowns - vergiss es! Zwischen moshigen Teilen die ans Debüt erinnern, technischen Metal-Parts, verdammt vielen True Metal-Anleihen und ruhigen, ausgedehnten, fast schon klassischen Parts zelebriert die Band ihr Können. Beeindruckend und vorallem eigenständig ist “Colors” dabei definitiv. Aber ehrlich gesagt entschwindet die Band von Album zu Album mehr meinem eigenen Kosmos. Ich fand keinen Zugang zu diesem epischen, höchst progressiven Stoff. Drei der acht Tracks durchbrechen sogar die 10-Minuten-Marke, das ganze Album kommt auf eine gigantische Spielzeit von guten 65 Minuten. Mit diesem enormen Prog-Faktor, sowie den verhäuft klassischen Parts stechen Between the Buried and me damit eindeutig aus dem Dust der ganzen anderen Prog- und Tech-Kapellen hervor. Und das ist auch der Pluspunkt der Band. Anerkennend nicken, ist hier auf jeden Fall angesagt. Meinen persönlichen Geschmack triffts aber einfach nicht. Wenn ich dieses Jahr Epik oder Prog will höre ich mir lieber die neuen Machwerke von Yakuza oder auch Fitzcarraldo an. Bei “Colors” schaffte ich bisher nich mehr als zwei Durchläufe. Aber zumindest einmal werd ich mir diesen Wahnsinn noch antun…

 

 

Bled, The - “Silent Treatment” (Vagrant)
Ich hatte ja leichte Zweifel, als ich hörte, dass Brian McTernan die Neue von The Bled produzieren würde. Keine Frage, der Mann ist ein echtes Urgestein, der die Anfänge vom Hardcore hautnah miterlebte. Doch bei seinen, zumeist relativ glatten, Arbeiten in den letzten Jahren, verwunderte es mich doch ziemlich, dass ausgerechnet The Bled mit ihm aufnehmen wollten. Und tja, ohne altklug klingen zu wollen: aber meine Befürchtungen bestätigten sich. Zumindest teilweise. “Silent Treatment” ist alles andere als ein Totalausfall geworden, aber es ist eindeutig das bis dato glatteste Album der Band. Die relativ, aber nicht übertrieben, polierte Produktion trägt sicher nicht die Hauptschuld daran. Starten tut das Album relativ ungewöhnlich, mit einem metallischen Riff, bevor ein stampfender Beat einsetzt und die Band zum ersten Moshpart übergeht. Von diesen gibts auf der neuen Scheibe nämlich einige. Der Opener “Shadetree Mechanics” ist sicherlich schon bezeichnend für die ganze Platte. Er ist direkt, relativ einfach zu verfolgen und bietet trotz allem Mosh einen eingängigen Refrain. Nach dem ordentlichen, aber nicht herausragendem Beginn, fängt mit dem, verdammt stark an From Autumn to Ashes erinnernden, “Threes away” die stärkste Phase des Albums an. Der Song schaukelt sich durch fette Grooves in ein furioses Finale, das an Wucht kaum zu überbieten ist. Der nun folgende Übergang zur einzigen Halbballade des Albums “Asleep on the Front Lines” ist wirklich sehr gut gelungen. Dieses Stück startet melodiös und sphärisch, bevor James Munoz auch hier die Schreistimme auspackt. Nach dem recht leeren Ende folgt mit “Platonic Sleepover Massacre” ein vertrakter 1-minütiger Wutbrocken, der zwar melodiös endet, aber direkt vom schnellen, aggressiven “Starving Artiste” abgelöst wird. In dieser Phase, von Track 3 bis 6 entwickelt das Album das erste (und einzige) Mal sowas wie Atmosphäre… und sowas wie einen zusammenhängenden Charakter. Zur Krönung gibts mit “The Silver Lining” den vielleicht größten Hit der Scheibe. Der Anfang dieses Stücks erinnert durchaus ans letzte Album. Chaotisch, beinahe Dillinger Escape Plan-like wütet die Band hier los. Doch aus der ganzen Vertraktheit schält sich schon nach guten 20 Sekunden ein höchst eingängiger Chorus hervor. Die “we lost control”-Chöre machen das Stück endügltig zum Hit der Scheibe, der gerade live nach Singalongs schreit. Danach baut “Silent Treatment” leider wieder ab. Klar: oberflächlich betrachtet könnte man sagen, dass The Bled auf dem neuen Album Facetten ihrer beiden Vorgänger miteinander verbinden. Der Mosh von früher ist wieder zurück. Außerdem erinnern die, in der zweiten Hälfte häufiger auftretenden, vertrakten Parts durchaus an “Found in the Flood”. Zu diesen Elementen hat sich allerdings eine dicke Portion Verwechselbarkeit eingeschlichen. Songwriting, Produktion, Melodien, Vocals, Moshparts… beinahe alles klingt auf dem neuen Album viel angeglichener. Und so musste ich nicht selten an die letzte FATA- oder auch an die letzte Underoath-LP denken. Und das ist nach “Found in the Flood” einfach enttäuschend. Die großen Momente, die schrägen Einfälle, die Progressivität dieses Meisterwerks fehlen einfach. Für The Bled-Verhältnisse ist mir “Silent Treatment” einfach zu eindimensional. Wenn man jetzt die Phrase mit dem schweren, wegweisenden dritten Album zu Rate zieht, dann darf man sich von der Band wohl nicht mehr wahnsinig viel erwarten. Und trotzdem kann man gespannt sein, wie sich diese einmalige Truppe entwickeln wird. “Silent Treatment” ist nämlich ne Enttäuschung und für meinen Geschmack NUR für sich betrachtet eine gute Sache. Deswegen auch “nur” eine knappe… 7/10

Bubonix - “Please Devil, send me golden Hair” (Nois-o-Lution)
“Please Devil, send me golden Hair” ist mit Sicherheit ein der polarisierendsten Platten des Jahres. Dabei wird sie in vielen Kreisen wohl gar nicht wahrgenommen werden. Betrachtet man Bubonix ganz nüchtern, so muss man sich wohl einen inneren Konflikt selbst eingestehen. Denn die Platte bietet von “geil” bis “völlig grottig” eine große qualitative Bandbreite. Mein größtes Problem mit Bubonix ist und bleibt aber das Ding, dass die Band sich auf nix festlegen lässt und während der ganzen Platte keinen eigenen Stil erkennen lässt. Das einzige das die meisten Songs miteinander verbindet, sind die öfter wiederholten Refrains, ansonsten klingt ein Song völlig anders als der nächste. Solche Stil- und Genre-Mixe sind ja nix mehr Neues mehr, es gibt auch Bands denen das hervorragend gelingt. Und sorry, aber wenn das Tracklisting einer Platte in vier verschiedenen Sprachen ist und jeder Song musikalisch in eine andere Kerbe schlägt, wirkt das doch irgendwie aufgesetzt. Der Opener geht in Richtung Old School-Hardcore, mit deftigen Abgehparts und Crew-Shouts, Song Nummer 2 “Fashion Tattoo” (übrigens eins der Highlights) geht in Richtung Pop-Rock, mit schnulzigen backing vocals. “Corazon Vivo Vida” ist dagegen eher sowas wie ein Indie-Rock-Tanzhit der in manchen Phasen an die deutschen Indie-Größen Slut und Blackmail angelehnt ist. “Remontes” beginnt mit völlig chaotischem Geschrei und einem verbreakten Songgebilde, irgendwo zwischen Escapado und Dillinger Escape Plan. Song Nummer 5, “Fuck Love”, lässt einem spätestens JETZT das erste mal die Schamesröte ins Gesicht treiben. Das hier ist sowas wie prolliger Schweinerock, der vorallem mit seinem hirnverbrannten Text “Fuck Love, make violence to Ärsche!” irritiert. Komischerweise ist der Song aber trotzdem catchy wie nur was! Und so geht die ganze Geschichte weiter, irgendwo zwischen Schweinerock, Indierock, Deutschpunk, Old School Hardcore, Grindcore, Emo, Pop und zweitausend anderen Genres… ein “Highlight” gibts mit “Free Love on Rügen” noch kurz vor Schluss. Auch dieses entspricht dem typisch zerrissenen Bild von Bubonix. Textlich fürn Arsch, aber doch sehr catchy. Mit “Never Forget” und “Snakebite” sind immerhin sogar zwei durchaus ernst gemeinte Songs hintereinander, die mit punkigem, treibenden Emorock richtig überzeugen. Darauf sollte sich die Band konzentrieren, so ist die Platte aber einfach nur wirr. Oft verglichen wurde “Please Devil, send me golden Hair” ja mit “The Shape of Punk to come”. Und tja, der Vergleich ist für die Katz, weil es Refused bei allen Stilen gelungen ist was Gesamtes zu erschaffen, während Bubonix planlos (oder auch bewusst) hin und herspringen und somit fast schon zur Persiflage ihrer selbst werden. Vorallem kacke ist, dass die Grenzen zwischen “völlig verblödetem Kasperltheater” und “ergreifender Musik” hier SO heftig verschwimmen, dass einem alles vergeht. Das gleiche gilt übrigens für die Texte, die mal völlig plump, mal aber ehrlich direkt erscheinen. Aber wahrscheinlich sollte man die Band so oder so nicht ernst nehmen. Und selbst reinhören sollte man sowieso. Ich bin ja auch zerrissen, einige der Songs halte ich aber für großartig, deswegen sind Bubonix eher so ein Samplerkandidat. Aber eigentlich klingt ihrer Platte ja eh schon wie ein Sampler… krank! 5/10

Building Better Bombs - “Freak Out Squares” (Init)
Auch Bands die Chaoscore (oder wie man es auch immer nennen möchte) spielen, gibts mittlerweile wie Sand am Meer. Deswegen können Building Better Bombs auch nicht richtig an der Masse an ähnlichen Bands herausstechen. Was aber auch gar nix dran ändert, dass ihnen mit “Freak Out Squares” eine durchwegs unterhaltsame Platte gelungen ist. Positiv ist hier vorallem, dass man sich eine dicke Portion Rotz und diesen gewissen Punk-Faktor bewahrt hat. Trotz allen Einfällen und Richtungswechseln wird hier also vornehmlich Arsch getreten! Mit ner durchschnittlichen Spielzeit von 2 Minuten bleiben die Songs dabei auch noch erfreulich kurz. Und noch was positives: obwohl man auch ne dicke Portion “Rock” im Sound hat, erinnert man nur sehr selten an Every Time I Die. Von denen gibt’s mittlerweile nämlich auch genug Clones. Trotzdem ist der Sound von BBB natürlich auch von Every Time I Die inspiriert. Ansonsten erinnert hier auch einiges an The Number Twelve looks like you, die Blood Brothers oder Some Girls. Dieses “Hummeln im Arsch”-Feeling kommt vorallem dank des hektischen Geschreis und der wilden, verdammt schnellen Abgehparts zustande. Hin und wieder sorgt sogar die ein oder andere Melodie oder Gesangsharmonie (!) für den gewissen Hitfaktor. Building Better Bombs schaffen somit geschickt den Spagat aus Zitat und eigener Rezeptur. Damit sind sie im Genre durchaus ernst zu nehmen. “Freak out Squares” gefällt mir, im Ganzen betrachtet, sogar besser als das neueste Number Twelve-Album. 7/10

Chiodos - “Bone Palace Ballet” (Equal Vision)
Das Debüt von Chiodos wirbelte ja damals ziemlich großen Staub auf und machte die Jungspunde zu absoluten Kritikerlieblingen. Ehrlich gesagt wurde ich mit dieser Platte einfach nicht warm, auch wenn ich die Mischung aus Herzschmerz-Emo a la Taking Back Sunday, Metalcore und Chaos a la Blood Brothers oder Fall of Troy recht intressant fand. Ordentlich war die Scheibe trotzdem allemal. Der Nachfolger “Bone Palace Ballet” ist aber wieder mal eine Platte die nicht mit seinem Vorgänger mithalten kann. Irgendwie hatten wir dieses Jahr gefühlsmäßig schon tausend davon. Stilistisch hat sich oberflächlich vielleicht wenig verändert, die Schwerpunkte wurden aber komplett anders gesetzt. Die Band klingt hier weit gereifter und nicht mehr so ungestüm wie auf dem Debüt. Sämtliche Chaotik wurde komplett über Bord gekippt, der Metal-Anteil wurde auch klar reduziert. Der Sänger machte ebenfalls eine satte Entwicklung durch und klingt nun nicht mehr ganz so kindlich und süß wie auf dem Debüt. Auch er hat sich wie so viele Sänger in letzter Zeit wohl etwas von Mars Volta und Coheed & Cambria inspirieren lassen. Die Songs an sich sind um einiges geordneter, langsamer, ruhiger… poppiger. Das funktioniert ab und an ganz gut, was Hits wie “Lexington” beweisen. Ein Song wie “Bulls make Money…” wartet dagegen wiederum mit einem heftigen Breakdown ab, in dem der grandiose Underminded-Shouter einen kleinen Gastauftritt bekommt. Diese Momente gehen mir persönlich allerdings zu sehr ab. Denn im neuen, poppigen Gewand wirken Chiodos doch sehr cheesy und beizeiten auch sehr langweilig. Nur wer mit diesem Post-/Space-Emo Zeug der Marke Coheed & Cambria, Circa Survive oder Saosin was anfangen kann, sollte hier mal ein Ohr riskieren. Für den Rest gilt: da gibts Besseres! 4/10

Dillinger Escape Plan, The - “Ire Works” (Relapse)
Es ist natürlich immer kacke für eine Band, wenn man sich mit seinem Debütalbum gleich eine so hohe Bürde legt, dass es unmöglich ist, diese jemals zu durchbrechen. “Calculating Infinity” war so ein Werk. Eine Platte, die ein ganzes Genre und Scharen von Bands beeinflusste. Eine Konsensplatte! Und trotzdem machten DEP mit “Miss Machine” anno 2004 fast alles richtig. Mit dem dritten Full Length “Ire Works” erwartete man sich zumindest etwas auf dem Niveau von “Miss Machine”. Und nunja… zumindest stilistisch probiert man durchaus dort anzuschließen. Chaotischer Hardcore und Tech-Metal paaren sich weiterhin mit poppigen, nachvollziehbaren Momenten. Ähnlich wie auf dem Vorgänger, sind die harten Parts aber weit nicht mehr so durcheknallt und frickelig wie früher. Öfter denn je dominiert eine relativ klare Linie die Songs des DEP. Der Rock-Anteil wurde indes noch etwas weiter ausgebaut und so erinnert die Band in vielen Passagen sehr stark an Every Time I Die. Der melodische Anteil klingt dagegen noch ein Stück überzogener und somit werde auch Brücken zu den Blood Brothers geschlagen. Vorallem “Black Bubblegum”, mit seinem Falsett-Gesang, erinnet stark an eben erwähnte Band. Weitere Highlights wären der rockige Tanzit “Milk Lizard”, der wuchtige Bulldozer “Lurch” oder das grandiose “Dead as History”, das zeigt, welch atmosphärische Stücke DEP mittlerweile schreiben. Der Rest besteht aus bekannten, sehr solidem, Gefrickell oder aus einigen füllenden Momenten. Und genau diese sind der Schwachpunkt von “Ire Works”. Denn verhältnissmäßig sind zwischen den guten Stücken etwas zu viele Interludes oder Fragmente. Vorallem die Phase von Track 4 “Sick on Sunday” bis Track 8 “82588″ ist meiner Meinung nach der größte Durchhänger der Scheibe. Und auch den Rausschmeißer finde ich etwas unpassend. Es ist sicherlich nicht einfach DEP einen Strick aus dieser Platte zu drehen, zu wenige Bands agieren in diesem Genre einfach auf einem derart hohem Niveau. Und trotzdem hätte “Ire Works” noch um einiges besser sein können. Die erwähnten, wirklich überragenden, Stücke stehen zwar im krassen Kontrast zu den Füllern, reißen’s am Ende für mich aber raus. Denn auch wenn “Ire Works” für mich das bisher schwächste DEP-Album ist, klingt das hier immer noch inspirierter als der Großteil dieses Genres. 7/10

End, The - “Elementary” (Relapse)
Die beiden vorangegangenen Alben kenne ich nicht, aber mit “Elementary” platzieren sich The End im derzeit recht beliebten Progcore-Metal-Lager. Die Band bietet eine schöne Mischung aus metallischen, wütenden und melodiösen, verträumten, progressiven Momenten. Während der starke Opener “Dangerous” nach Mastodon und Isis klingt und trotz 6 Minuten Spielzeit sehr packend arrangiert ist, erinnert das darauffolgende “The Never Ever Aftermath” eher an Tool. Hier gehen die Jungs melodiöser, progressiver zu Werke, wirken weniger zerstörerisch. Zudem erinnert der Gesang ein ums andere Mal an Tool-Frontmann Keenan. Auch wenn bei mir persönlich der Spannungsbogen nach ner Weil abriss, aber The End haben auf jeden Fall ein Händchen für eine düstere Endzeitstimmung. Sowohl die metallischen als auch die progressiven Seiten überzeugen mich und unterm Strich ist “Elementary” für Fans erwähnter Bands absolut einen Blick wert. Nur ein richtig eigenes Gesicht haben sich The End damit auf keinen Fall geschaffen. 6/10

Favez - “Bigger Mountains, higher Flags” (Gentlemen)
Obwohl Favez mit “Bigger Mountains, higher Flags” tatsächlich ihr fünftes (!) Album in diesem Jahrzehnt rausbringen, wurde es die letzten Jahre doch relativ ruhig um die Schweizer. Was sicherlich auch daran lag, dass man das 2002er-Meisterwerk “From Lausanne, Switzerland” mit den beiden folgenden Platten einfach nicht toppen konnte. Trotzdem isses beeindruckend wie geschmiert die Produktionsmaschine weiterläuft. Beim neuen Album nahm man viele Stimmen wahr, die meinten, dass Favez einen würdigen Nachfolger zu “Lausanne” eingespielt haben… und tja, ehrlich gesagt, kann ich dem überhaupt nicht zustimmen. Klar, “Bigger Mountains, higher Flags” ist eindeutig wieder klassischer als sein Vorgänger und auch näher am alten Sound dran als das etwas ZU bedächtige “Bellefontaine Avenue”. Die Intensität von “Lausanne” wird aber nicht erreicht. Was sicherlich auch an der relativ makellosen Produktion liegt. Da fehlt einfach etwas die Rohheit. Aber man merkt halt gerade beim Sound, dass die Schweizer älter werden. Das klingt bedächtiger, durchdachter und zurückhaltender als früher. Und so gehen die Jungs auch kaum mehr richtig aus sich raus, sondern liefern hauptsächlich okaye bis ordentliche Songs ab. Mir persönlich ist das Tempo größtenteils auch zu gezügelt und der Rockpart etwas zu glatt. Was Favez aber wieder etwas näher zum alten Sound zurückbringt, ist die Tatsache, dass die Jungs wieder richtige Hymnen schreiben. Gerade die Refrains sind schön zum Mitsingen und Gröhlen gedacht. Herausragen tun am Ende für mich aber nur zwei Stücke. Zum einen die bedächtige, höchst atmosphärische Ballade “The Goodbye Song” und zum anderen der Überhit der Platte, das eingängige “And we dance”. Ansonsten ist “Bigger Mountains, higher Flags” dann leider doch nur solide Standardkost wie man das von Favez mindestens erwarten MUSS. 5/10

From Autumn to Ashes - “Holding a Wolf by the Ears” (Vagrant)
Spätestens mit dem letzten Album wurden FATA im Grunde ein Abziehbild ihrer selbst. Selten belanglos dudelt “Abandon” vor sich hin. Wie man nun hörte, war selbst die Band mit der Platte nicht zufrieden. Anscheinend krieselte es schon zu dieser Zeiten. Gipfel der Geschichte war, dass Shouter Ben Perri die Band verließ. Die Band brach trotzdem nicht auseinander und spielte nun mit “Holding a Wolf by the Ears” genau DAS Album ein, das man sich nach “The Fiction we live” eigentlich erhoffte. Der Drummer übernimmt nun neben den cleanen Gesangsparts auch das Shouting. Zwar erzeugt er mit seiner etwas höheren, kreischigen Schreistimme nicht mehr den Kontrast den Ben Perri mit seinen dumpfen Shouts herstellte, doch auch das gibt der Band einen neuen Anstrich. Denn ein schlechter Shouter ist der Francis nicht. Stilistisch hat sich im Grunde nix geändert, am ehesten erinnert mich die neue Scheibe, wie gesagt, ans Zweitwerk der Band. Die Qualität der Songs, sowie deren Energie kann durchaus da anknüpfen. Die Zeiten von “Too bad…” sind natürlich vorbei und so gibts auch hier klar strukturierte Songs mit vielen Refrain-Wiederholungen. Was macht “Holding a Wolf by the Ears” am Ende nicht so scheiße wie sein Vorgänger? Kurz und knapp: es ist weit inspirierter. Neben dem neuen Schreihhals sinds vorallem die Songs die überzeugen. Immer wieder mit netten Details ausgestattet, immer wieder mit enorm eingängigen Refrains, einem klasse Metal-Lead oder einen stampfenden Beat versehen. Es gibt schlichtweg wieder diese kleinen “Momente”, die eine gute Scheibe braucht. Ganz wichtig ist vorallem auch, dass die Platte von vorne bis hinten sehr dicht ist. Natürlich gibts Schwankungen, aber zumindest atmosphärisch bricht das Album nie ein. Im Gegensatz zu “Abandon”, das ein Potpourri von käsigen Momenten ist, war ich beim hören des neuen Albums kein einziges Mal so richtig beschämt. Das liegt sicherlich auch dran, dass die Songs schön zwischen mid- und up-Tempo wechseln und FATA das erste mal überhaupt auf eine richtige Ballade verzichten. Das gesamte Album ist somit vielleicht etwas einförmig, aber das Gesamtbild stimmt vollkommen. Ich hätts ihnen wirklich nicht mehr zugetraut, aber ja, FATA sind zurück. Natürlich nicht in “ganz alter” Stärke, aber zumindest fast auf dem Niveau von “The Fiction we live”. Und das ist mehr als man sich erwarten durfte. 6/10

Grace Will Fall - “s/t” (Guideline)
Schon beeindruckend, wie markant skandinavischer Hardcore in den letzten Jahren geworden ist. Grace Will Fall aus Schweden liefern auf ihrem Debüt genau die Musik ab, die man sich von ihnen erwartet. Schneller, wütender New School Hardcore, mit Gekreische, verdammt viel Rock’n'Roll und der ein oder anderen chaotischen Schlagseite. Die Landsmänner von The Smackdown sind wohl die beste Referenz, aber natürlich ließ sich die Band auch etwas (aber nicht zu viel) von Refused beeinflussen. Fakt ist: Grace Will Fall wollten hier sich kein zweites “The Shape of Punk to come” rausbringen, sondern einfach straight nach vorne rocken. Und das gelingt ihnen bestens, ist die Leidenschaft doch immer zu spüren. Im Grunde rockt jeder der 11 Songs straight nach vorne, immer wieder werden ein paar Midtempo-Grooves eingeschmissen, in einigen Passagen wirds sogar richtig moshig. Man höre sich nur mal das verstörende “Black Baby” an, das mit seiner metallischen Vertraktheit eher an Dillinger Escape Plan als an Refused erinnert. Dieser Song bleibt bei allerdings die Ausnahme. Die Melodien bleiben ebenfalls ziemliche Mangelware, ab und zu gibts wirklich schön melodische Gitarrenleads, die aber in Kürze vom nächsten Abgehpart zerstört werden. Erwähnenswert ist sicherlich auch noch der ziemlich extreme Sänger, der sich mit einer Brachialität durchs ganze Album hindurchkeift und sicher auch in der ein oder anderen Metal-Kombo shouten könnte. Ansonsten ist das Debüt von Grace Will Fall aber hundertprozentig das was man sich von Schweden wünscht. Nicht überraschend, aber ohne einen Hänger runtergezockt. 7/10

Hopesfall - “Magnetic North” (Trustkill)
Zweischneidiges Schwert, die neue Hopesfall. Nach dem strukturierten, doch sehr geschniegelten “A-Types” wär’s für die Band ein Leichtes gewesen einen weiteren Schritt Richtung Massenkompatibilität zu machen. Is aber nicht! Stattdessen klingt “Magnetic North” progressiver, experimenteller, offener. Nein, die alten Zeiten sind natürlich nicht zurück und so gibts auch hier nur einen minimalen HC-Anteil, auch das Geschrei ist weiter reduziert worden. Allerdings schaffte es die Band sich in einem neuen Gewand zu präsentieren, ohne dier Verbindung zum alten Stoff zu durchbrechen. Es gibt hier immer noch die kühlen Gitarren, diese hypnotischen Parts, die Epik, den markanten Gesang. Dieser ist nun übrigens SO präsent wie präsent geht. Die Instrumente nehmen sich in einigen Passagen derart zurück, dass die Stimme oftmals völlig alleine im Raum steht. Und das funktioniert durchaus, klingt der Vokalist hier doch so vielseitig wie noch nie. Wo liegt also das Problem? Tja, ausgelutschte Phrase voraus: die größte Stärke von “Magnetic North” ist zugleich auch die größte Schwäche. Die Offenheit, die Progressivität der Platte. Die spacige, hypnotische Atmosphäre steht vollkommen im Mittelpunkt. Es gibt während der ganzen 13 Songs kaum einprägsame Passagen, keine großen Ohrwürmer, in vielen Teilen auch zu wenig Überraschungen. Oberflächlich betrachtet klingen die Songs sogar etwas einförmig… und gehört im Ganzen kann man sich vor der ein oder anderen schläfrigen Phase einfach nicht schützen. Intressant ist auch, dass gut 3/4 der Stücke entweder offen oder ziemlich abrupt enden. Klar, das Schemata mit der die Songs von “A-Types” geschrieben wurden war übertrieben plump und vorhersehbar. Auf “Magnetic North” würde man sich aber zwischendrin gerne mal so eine 3-Minuten-Nummer wünschen, die schlicht auf den Punkt kommt. Oder auch einen kleinen, aggressiven 2-Minüter. Nicht, dass die Songs zu lang wären, aber die Grundstimmung ist im Großen und Ganzen etwas zu einförmig, die Abwechslung geht dabei etwas flöten. Jetzt kommen wir aber zum Guten: auch wenn kein Megahit auf “Magnetic North” drauf ist, innerhalb der Songs befinden sich doch einige ergreifende, überraschende oder annähernd große Momente. Ob ein intressanter Groove, eine schöne Gesangsharmonie oder ein überraschender Ausbruch inklusive Geschrei. Ein abschließendes Lob gibts trotzdem, da ich diese Entwicklung durchaus mutig finde und Hopesfall ein Album gemacht haben, das sich schön von den anderen beiden abgrenzt. Summa summarum also doch irgendwo zwischen “A-Types” und “The Satellite Years”. 6/10

It Prevails - “The Inspiration” (Rise/Golf)
“For Fans of Hatebreed, Comeback Kid and Bury your Dead” steht auf der Verpackung. Jau, definitiv. Wenn ein Label nach bekannten Namen sucht, um irgendwas besser an den Käufer zu bringen, Part 671. Viel eher hätte da nämlich draufstehen müssen “For Fans of Shai Hulud, Life in your Way and Misery Signals”. Erstere ziehen aber sicher besser. It Prevails spielen nämlich alles andere als Tough Guy oder Metalcore, sondern waschechten Florida-Hardcore mit leichter Metal-Kante. Das erinnert wegen dem erhöhten Melodieanteil ganz stark an Life in your Way oder Anam Cara, kommt aber natürlich niemals an die Originalität von Shai Hulud ran. It Prevails können dem Genre zwar exakt null Impulse versetzen, machen ihre Sache aber sehr ordentlich. Immerhin finde ich “The Inspiration” um einiges besser als die Sachen von Life in your Way. Das liegt wohl vorallem daran, dass die Band bessere Melodien hat, die phasenweise sogar an Miser Signals erinnern. Auch der Shouter ist etwas angepisster. Der Metalcore-Anteil bleibt dabei höchst unterschwellig, die Songs gehen direkt nach vorne, haben aber fürs Genre üblich nicht immer eine klare Struktur und so gibts auch nicht viele Breakdowns oder Hooks. Und trotzdem: ab und an, wenn auch selten, gibts schon mal ne kleine Überraschung oder einen kleinen Moment. Das macht “The Inspiration” zu einem intressanten Werk für Freunde dieses Genres. Shai Hulud bleiben die Könige, aber zumindest finde ich It Prevails nicht so schläfrig wie etwa Life in your Way. 5/10

Jimmy Eat World - “Chase this Light” (Interscope)
Manchmal sind die Dinge so einfach: das wunderschöne Cover von Jimmy Eat World’s viertem Album “Futures” zeigte einen Typen, der vor einer erleuchtenden Telefonzelle stand. Beide umgeben von nichts als Dunkelheit. Ähnlich düster (für JEW-Verhältnisse) war dann auch die Stimmung des Albums. “Chase this Light” zeigt uns nun eine Pfauenfeder, in quietschbunten Farben. Und die Stimmung ist gleich wieder besser. Die der Platte, wohlgemerkt. Irgendwie aber auch die des Hörers. Denn mit ihrem fünften Album bringen uns JEW eine leicht verspätete Sommerscheibe, die aber bestimmt auch im Herbst prima funktioniert. Beinahe jeder Song sprüht vor positiver Energie und Spielfreude. Stilistisch gingen die Jungs sowohl einen Schritt zurück, als auch einen nach vor. Mag meinen, dass der Emo-Anteil wieder eindeutig höher ist, aber man auch einen großen Schritt in Richtung der anderen großen drei Buchstaben machte: SE… POP natürlich! Handclaps, käsige Chöre, uuhhs und aahhs und oohhs wo das Ohr hinhört! Das funktioniert aber prima, weil JEW ihre Begeisterung voll rüberbringen und verdammt viele Hits abliefern. Im Vergleich zu “Futures” hat sich auch Sänger Jim Adkins wieder enorm gesteigert. Was aber sicherlich an der positiveren Stimmung der Scheibe liegt, denn in den inbrünstigen Momenten zeigt der gute Mann halt eher seine Klasse als in den düsteren, verhaltenen. Allgemein gelingt es JEW wie kaum einer Band in den letzten Jahren den Kompromiss aus Emo und Pop zu schließen. Am ehesten könnte man “Chase this Light” also mit “Bleed American” vergleichen. Wie gewohnt, ist das Ganze dabei trotzdem nicht seicht, denn die Songs gehen zum Großteil mit gutem Tempo nach vorne und zeigen vorallem in den bekannt starken Adkins-Lyrics ihre wahre Tiefe. Etwas abgrenzen tut sich am Ende nur das mysteriöse, aber stimmungsvolle, “Gotta be somebody’s Blues”. Der Rest besteht aus ergreifenden Sommerhits wie “Big Casino”, “Let it happen”, “Here it goes” oder “Carry you”. Ein Song heißt übrigens auch “Feeling Lucky”. Arsch auf Eimer, würd ich sagen! 7/10

Kid Down - “And the noble Art of Irony” (Epitaph / Burning Heart)
Nett. Vier harmlose Schweden um die 20 bringen uns mit “And the noble Art of Irony” ihr ziemlich überzeugendes Debüt. Stilistisch schlagen Kid Down die Brücke zwischen Pop-Punk im Stile von Blink 182 und Emo im Stile von Taking Back Sunday oder den Get Up Kids. Das “britische” Englisch des Sängers lässt auch immer wieder Parallelen zu Piebald aufkommen. Denkt man sich diese vier Bands, kann man sich eigentlich schon gut vorstellen, wie die Schweden klingen. Kid Down verzichten dabei auf irgendwelche neuzeitlichen Trends und agieren sowohl optisch als auch musikalisch eher im Stile klassischer Emo-Bands. Von Geschrei, Metalriffs oder Prog-Schnickschnack wird man also verschont, die Songs sind schön direkt, positiv und sehr passioniert vorgetragen. Größtenteils bewegen sich Kid Down in relativ poppigen, beschwingten Gefilden und verzetteln sich gottseidank nicht in zu schmalzigen Momenten. Was aber natürlich nix dran ändert, dass die Musik trotzdem ziemlich süß ist und von vielen sicherlich als Mädchenkram abgestempelt wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Fatzkes, die derzeit Aushängeschilder für Emo sind, kommen Kid Down allerdings sehr natürlich rüber. Selbst diese zuckersüße Art ist einfach nur sympathisch. Und tja, musikalisch haben’s die Jungs definitv raus. Sie verstehen es ihre Songs immer wieder mit netten kleinen Ideen zu versehen oder achten schön darauf, dass es nicht zu sachte wird. Gerade die Rhythmusabteilung, aber auch die Gitarren machen immer wieder mal schönen Druck und lassen das Tempo nach oben schellen. Wenn Victory und eine Band wie A Day to Remember also meinen, dass Pop die heimliche Liebe des HC- und Metal-Hörers ist, dann sage ich: ja, Zustimmung! Aber dann brauche ich keine beschissen aufgesetzten Stilmixe, sondern Platten wie “And the noble Art of Irony”. 6/10

Le pre ou je suis mort - “s/t” (Ape must not kill Ape)
Die grandiosen Ape must not kill Ape Records wollen’s zum Jahresende richtig wissen und so schwappt eine dicke Welle an Screamo-Hochkarätern über uns herein. Wo sich oben erwähnte Heaven in her Arms an Envy messen müssen, da werden Le pre natürlich gerne mit den französischen Platzhirschen Daitro, Amanda Woodward oder Raein verglichen. Und so falsch liegt man damit natürlich nicht. Die Band spielt ebenfalls reduzierten, aber ziemlich intensiven Screamo in französischer Sprache. Die Unterschiede liegen hier aber im Detail. Wo Daitro und Amanda Woodward etwas mehr experimentiern und mit Dynamiken spielen, da klingen Le pre etwas direkter. Natürlich gibts hier auch ein Wechselspiel aus lauten und leisen Tönen. Doch Le pre bauen die Ausbrüche immer wieder bedächtig auf. Das Wort “episch” kann man sich auch hier nicht verheben. Alleine die Länge der Songs spricht für sich, benötigen die Franzosen doch grad mal 4 Songs für die 34 Minuten Spielzeit. Ähnlich wie beiden amerikanischen Kollegen von Funeral Diner oder Pyramids bleiben die Songs dabei allerdings stets melodiös und nachvollziehbar. Nicht selten wird das Geschrei von klaren, verträumten Gitarrenmelodien unterlegt. Vorallem aber die geschriehenen Parts haben’s mir angetan. Sind diese doch richtig fies, brutal und markerschütternd. Der typisch befremdliche Charakter, der französischen Screamo-Bands bei Sprachunkundigen anfhaftet, ist natürlich auch hier vorhanden. Und trotzdem finde ich, dass Le Pre um einiges greifbarer und “näher am Herzen” dran sind als etwa die Landsleute von Amanda Woodward. Abgerundet von spoken words oder längeren Instrumental-Parts bieten Le Pre schließlich alles, was man sich von ner modernen Screamo-Platte erwarten kann. Neu oder innovativ ist das natürlich nicht. Aber, gerade für ein Debütalbum, gut gemacht. “Worth outchechking”, würd ich sagen. 6/10

Love me Destroyer - “The Things around us burn” (Suburban Home)
“D’oh, next one please” ist man gewillt zu sagen, wenn man “The Things around us burn” von Love me Destroyer hört. Na klar, schlecht ist das Ganze allemal nicht, aber es ist auch sowas von konservativ und austauschbar, dass einem bald die Füße einschlafen. Aber erstmal zu den Fakten: Love me Destroyer siedeln sich mit ihrer Platte irgendwo zwischen Gainseville-Schule, klassischem Emo-Punk und modernem Pop-Punk an. Bands wie Hot Water Music, Avail, Lifetime und Rise Against kommen mir in den Sinn. Die Songs sind allesamt sehr melodisch, hymnenhaft und positiv. Für die nötige Dramatik sorgen die Sänger die im Stile von Hot Water Music das bekannte Wechselspielchen aus kratziger Röhre und hoffnungsvollem Gesang abliefern. Im Gegensatz zu erwähnten Bands fehlt es Love me Destroyer aber irgendwo an den Einfällen, an irgendwelchen Trademarks oder Besonderheiten. Außerdem ist der vermeintliche rohe Kern hinter einer geglätteten Schale so gut versteckt, dass mich die Scheibe ziemlich kalt ließ. Absolutes (und eigentlich auch einziges) Highlight ist das hervorragende Titelstück, das innerhalb von dreieinhalb Minuten die Essenz der ganzen Platte auf den Punkt bringt. Originell ist nicht mal das Stück, aber dafür mitreißend arrangiert. Im Zweifelsfall würde ich aber sowieso bei den oben erwähnten Referenzen bleiben. 4/10

Malkovich - “Kings’n'Bosses” (Go-Kart)
Malkovich nahmen sich und ihre Musik noch nie so richtig ernst. Mit ihrem zweiten Album wollen sie sich nun aber wohl endgültig als “Kasperl-Band” darstellen. “Kings’n'Bosses” ist nämlich sowas wie ein Konzeptalbum über das Thema Party. Ich find sowas durchaus mal wichtig. Denn wen belastet die ewige Frage welchen Soundtrack man zur nächsten Party auflegen soll nicht?! Ich könnte Romane drüber schreiben! Wie auch immer, das Artwork riecht nach Party, die Musik auch, die Texte erst recht. Schon im Opener heißts “there ain’t no party like a Malkaholic party”, die anderen Songs bringen uns bedeutungsschwangere Phrasen wie “let’s go dancing, let’s start swinging” oder “the dancefloor is a battlefield. I’m at the bar, it’s my shield”. Kein Ding, klar soll man das alles nicht so ernst nehmen. Mein Problem ist aber, dass mal völlig abgesehen vom sinnlosen Inhalt, die Musik ebenso belanglos vor sich hindudelt. Besonders schade finde ich das, wenn ich an die früheren Malkovich denke, die für mich mal eine der besten europäischen HC-Bands waren. Gerade die “The Foundation rocks”-EP ist für mich ein Meisterwerk, das auf unverbrauchte Art und Weise JR Ewing und Refused mit Shai Hulud-Gitarrenarbeit verband. “Kings’n'Bosses” ist weit weniger vertrakt, dafür weit direkter und bei all den Einflüssen viel zu harmlos. Das einzige Mal horcht man beim Techno-Intro von Song Nummer 5 auf, der Rest zog belanglos an mir vorbei. Vorbild ist dieses Mal eher die letzte Scheibe von Every Time I Die, wobei ich diese doch um einiges aufregender finde. Statt skandinavisch angehauchten Hardcore gibts also eher sowas wie Rock’n'Roll im Hardcore-Gewand. Dazu passend auch die einförmigen Vocals, die nicht die Intensität von früher erreichen. Klar, “Kings’n'Bosses” hat am Ende durchaus seine Momente, aber die hat JEDE Party. Diese Scheibe ist aber eher wie eine schlechte Party. Am nächsten Morgen erinnert man sich an nix mehr… 3/10

Number Twelve looks like you, The - “Mongrel” (Eyeball)
Neuer Stoff einer der durchgeknalltesten Bands überhaupt. Nach dem überragenden Debüt und dem weit schwächeren “Nuclear.Sad.Nuclear” gibts mit “Mongrel” das dritte Full Length. Und tja, stilistisch orientiert man sich hier ganz klar am 2005er-Werk. Immerhin ists ziemlich beeindruckend, wie kompromisslos No. 12 auch hier bleiben. In einer Zeit in der Bands wie die Blood Brothers oder Fall of Troy immer “hörbarer” werden, da klingen No. 12 immer vertrakter. Somit erreicht man sicherlich keine größere Zielgruppe. Die früheren Sachen erst erwähnter Band sind übrigens ein guter Anthaltspunkt. Ähnlich wie die bei den Blood Brothers sind die Songs von No. 12 völlig chaotisch und verbreakt, zudem gibts mal ein-, mal zweistimmiges Gekreische. Die tiefen Growls sind ebenfalls wieder mit an Bord. No. 12 gehen aber wohl noch etwas collagenhafter zu Werke als etwa die Blood Brothers, bindet man doch auch Jazz-, Death Metal- und Pop-Elemente in den Sound ein. Letztere könnten ruhig etwas ausgedehnter sein, verstehen es No. 12 doch verzüglich mit hervorragenden Melodien für Atmosphäre zu sorgen. Siehe z.b. das Intro zu “Jay walking backwards”. Andere Songs sind dann entweder völlig verworren oder besitzen durchaus den ein oder anderen anfixenden Hook. Der Opener “Imagine Nation Express” ist da ein gutes Beispiel. Oder auch meine Lieblingssong der Platte, “The Weekly Wars”. Dieses bietet zum Schluss eine wirklich einprägenden, melodischen Stakkato-Part. Schade, dass No. 12 nicht öfter so klingen. Eine etwas geradere Linie würd ihrem Sound nämlich durchaus gut stehen. So aber ziehen viele Songs einfach so am Ohr vorbei. Das Niveau vom Vorgänger wird aber auf voller Albumlänge absolut gehalten. 6/10

Odd Project, The - “Lovers, Fighters, Sinners, Saints” (Indianola)
2004 wars, als The Odd Project ihr Debüt “The Second Hand stopped” rausbrachten. In einer Zeit in der diese Art von Sound schon zu langweilen begann, konnte die Mischung aus FATA und Beloved durchaus überzeugen. Danach gingen viele vom Bandsplit aus, doch am Ende wurde nur der Sänger ausgetauscht, mit dem das neue Album eingespielt wurde. Und mit dem hat sich der Sound auch in eine andere Richtung entwickelt. Klar, die Stile die hier gemischt werden, sind altbekannt: Emo, Hardcore, Metal, Rock und ab dafür. Die Schwerpunkte sind nun allerdings etwas anders. Der True Metal-Anteil wurde erhöht, zudem ist das Album durch die Bank etwas roc